Mit einem Mittagessen haben heute Barack Obama, Nicolas Sarkozy, Angela Merkel und Co. den G8-Gipfel in LAquila eröffnet. Die mächtigsten Staats- und Regierungschefs werden bis Freitag darüber brüten, wie sie die drängendsten Probleme lösen können: die internationale Wirtschaftskrise, die Klimaerwärmung und die Armut auf der Südhalbkugel.Welche Länder nehmen am Gipfel teil?Zu den
G8 gehören die USA, Kanada, Japan, Russland, Frankreich, Grossbritannien, Deutschland und Italien. Daneben sind an einem Tag auch die 20 wichtigsten Schwellenländer dabei, so Indien, Mexiko und Brasilien. Chinas Staatspräsident Hu Jintao sagte wegen der Unruhen in der Provinz Xinjiang seine Teilnahme ab und kehrte nach
Peking zurück.Was sind die wichtigsten Themen?Im Mittelpunkt steht die weltweite Wirtschaftskrise. Mit Blick auf den nächsten Gipfel der 20 führenden Wirtschaftsnationen (
G20) Ende September in den USA beraten die acht Staatschefs über eine schärfere Kontrolle der Finanzbranche rund um den Globus. Zudem dürfte die Runde eine Bestandsaufnahme machen, ob und wie die milliardenschweren Konjunktur- und Stabilitätsprogramme auf die Weltwirtschaft wirken.Doch auch die Erderwärmung soll nicht vergessen gehen: Diplomaten gehen davon aus, dass die Mächtigen in LAquila gute Vorarbeiten für ein neues globales Klimaabkommen leisten können. Der Abschluss soll bei einem Gipfel im Dezember in
Kopenhagen gelingen. Als dritter Themenblock steht der Kampf gegen Hunger, Armut und Seuchen in den Entwicklungsländern auf dem Programm. Spektakuläre neue Hilfszusagen sind aber kaum zu erwarten – gerade weil die G8-Führer wegen der Wirtschaftskrise kaum Geld für Afrika und Südamerika übrig haben werden.Wieso findet der Gipfel ausgerechnet im Katastrophengebiet von LAquila statt?Der Gastgeber, Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi, hatte den Gipfel kurzfristig von Sardinien in den Abruzzenort verlegt. Im April hatte dort ein Erdbeben 17000 Menschen obdachlos gemacht und fast 300 getötet. Berlusconi, der innenpolitisch wegen möglicher Frauenaffären unter Druck steht (Blick.ch berichtete), will so seine Solidarität mit den Bewohnern der Region demonstrieren.Wie kam diese Geste bei der Bevölkerung der gebeutelten Region an?Eher schlecht. Noch immer müssen 24000 Menschen, deren Häuser beim Beben zerstört wurden, in Zeltstädten hausen – bei Temperaturen von bis zu 40 Grad. Ihnen stösst der enorme logistische Aufwand auf, den Italien für die Ausrichtung des G8-Gipfels betreibt. «Was wir nicht kapieren, ist, dass der Wiederaufbau von LAquila noch nicht mal begonnen hat, während in die Vorbereitung des G8-Treffens jede Menge Arbeit gesteckt wird», schimpft etwa Piero De Santis aus LAquila, der sich mit anderen für den Neuaufbau seiner Stadt stark macht. Mit der Kampagne «Yes, we camp» machen die Hauslosen auf ihr Schicksal aufmerksam – in Anlehnung an den berühmten Slogan von Barack Obama.Warum gibt es in LAquila so massive Sicherheitsmassnahmen?Tausende Polizisten werden den Gipfel schützen, der Flugraum über der Region wurde gesperrt. Italiens
Regierung möchte Szenen wie beim letzten G8-Gipfel in Italien verhindern. Damals, 2001 in Genua, war die
Polizei mit aller Härte gegen Demonstranten vorgegangen. Es war zu schweren Ausschreitungen gekommen, bei denen es auch einen Toten gab. Welche Ziele verfolgt US-Präsident Obama?Für US-Präsident Barack Obama ist es der erste G8-Gipfel. Auf ihm ruhen grosse Hoffnungen. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger George W. Bush zeigt Obama den Willen zur Zusammenarbeit beim globalen Klimaschutz. Geht es nach dem Präsidenten, werden sich die USA erstmals in ihrer Geschichte dazu verpflichten, den Ausstoss gefährlicher Treibhausgase zu verringern. (SDA/hhs)