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«Danke, danke, danke», kommentiert ein Facebook-User die Attacke auf Silvio Berlusconi (73). «Grossartig, Massimo!», meint ein anderer. So richtig Mitleid haben die Leute nicht mit Italiens Ministerpräsidenten. Auch wenn er nach Massimo Tartaglias Schlag mit einem Mini-Dom blutend ins Spital eingeliefert werden musste. Zu gross ist vielerorts die Ablehnung der Regierung Berlusconis. Zu viele Narben haben die Fehltritte Berlusconis bei den Leuten hinterlassen.
Auf Facebook haben sich bereits diverse Fangruppen des Täters formiert. «Endlich hatte einmal jemand den Mut», schreibt ein Fan von Massimo Tartaglia. «Danke, dass du das getan hast», ein anderer. Über 46000 Fans zählt diese Gruppe seit gestern bereits!
Echtes Mitgefühl mit Silvio Berlusconi ist eher rar gesät. Vielmehr kommt in zwei Gruppen mit hunderttausenden von Fans Kritik an der italienischen Regierung zum Ausdruck. «Ein korruptes Politsystem verdient irgendwann seine Strafe», heisst es hier von einem Schreiber. «Nach diesem Vorfall muss sich die Politik ihrer Verantwortung wieder mehr bewusst werden», meint ein anderer.
Berlusconis Politik hat viele Kritiker. Als korrupt wird er bezeichnet. Verbindungen zur Mafia soll er haben. Im Oktober wurde seine Immunität aufgehoben. Und nicht zuletzt waren da seine angeblichen Sex-Eskapaden, bei denen er Escort-Girls auf Staatskosten bestellt haben soll.
Fraglich bleibt, warum Berlusconi gestern nicht besser geschützt wurde. Die Geheimdienste hatten wiederholt vor der Gefahr von Angriffen auf den Premierminister bei öffentlichen Veranstaltungen gewarnt. «Schon seit Tagen fühlte Berlusconi ein negatives Klima um sich», sagte ein Geheimdienstsprecher. Die Attacke gestern war keine Premiere: Berlusconi war bereits am Silvesterabend 2004 in Rom durch Kamera-Stativs leicht verletzt worden. Ein 28-jähriger Maurer aus der norditalienischen Stadt Mantua hatte Berlusconi das Stativ an den Kopf geworfen, als dieser auf der Piazza Navona spazieren ging. Der Maurer wurde zu vier Monaten Haft verurteilt.
Auch Massimo Tartaglia wird wohl eine Gefängnisstrafe verbüssen müssen. Inzwischen wurde der Angreifer erneut von der Polizei befragt. Er erklärte seine Tat mit politischen Motivationen. Er sprach von einer starken Abneigung gegen Berlusconi und seine Partei. Die Nacht verbrachte der 42-Jährige in einer Zelle der Mailänder Strafanstalt San Vittore. Ihm wird vorsätzliche, schwere Körperverletzung vorgeworfen.
Der in seiner Politik und in seinem Auftreten heftig umstrittene Berlusconi war in Mailand, um eine Mobilisierungskampagne seines rechten Lagers für die Regionalwahlen im März anzuführen. Er hatte in Mailand eine Rede vor Tausenden Anhängern seiner Partei Pdl (Volk der Freiheit) gehalten. Dann schlug Tartaglia zu und warf den Souvenir-Dom auf den Ministerpräsidenten. Dabei wurden das Nasenbein des Premiers angebrochen und zwei seiner Zähne beschädigt. Eine Unterlippenverletzung musste zugenäht werden.
Noch am Sonntagabend rief der Vater des Angreifers in der Klinik an, in der Berlusconi behandelt wird. Er erklärte sich über die Geste seines Sohnes, der in einer Klinik in psychiatrischer Behandlung war, «konsterniert».
Immerhin: Vor der Klinik wurde ein Plakat mit Genesungswünschen für Berlusconi aufgehängt. «Die wahren Italiener sind immer bei dir», war darauf zu lesen. (SDA/spj)