China: Tausende verhaftet?

  • Publiziert: 19.03.2008, Aktualisiert: 02.01.2012

PEKING – Die Behörden haben in Tibet laut Menschenrechtsorganisationen hunderte, möglicherweise sogar tausende Menschen festgenommen. Die Leute hätten sich freiwillig gestellt, sagt die Regierung.

105 tibetische «Aufrührer», die an den Protesten in Lhasa beteiligt gewesen seien, hätten sich ergeben, meldete die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua heute.

Sie alle seien an den Krawallen beteiligt gewesen, zitierte Xinhua den Vizechef der tibetischen Regierung, Baema Chilain. Sie hätten «geschlagen, zerstört, geplündert und gebrandschatzt». «Einige haben das Geld zurückgegeben, dass sie gestohlen haben», sagte Baema.

Wieviele Festnahmen?
Den amtlichen chinesischen Angaben stehen Informationen von Aktivisten und Menschenrechtsorganisationen gegenüber. Diese berichteten nicht von Tibetern, die sich ergeben hätten, sondern vielmehr von zahlreichen Festnahmen in den vergangenen Tagen.

Lhadon Tethong, Vorsitzender der Gruppe Studenten für ein freies Tibet, sagte, in Tibet und den angrenzenden Regionen habe es anscheinend hunderte Festnahmen gegeben, möglicherweise tausende.

Kate Saunders von der Internationalen Kampagne für Tibet sagte, in Lhasa werde von hunderten Festnahmen berichtet. Der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch lagen nach eigenen Angaben unbestätigte Berichte über hunderte Festnahmen vor. Den Inhaftierten drohe Folter, fügte die Organisation hinzu.

Medienleute behindert
Ausländische Journalisten warfen Peking vor, sie an ihrer Berichterstattung über Tibet zu hindern. Der Verein der Auslandsjournalisten in Peking erklärte, Korrespondenten hätten 30 Fälle mitgeteilt, in denen sie an ihrer Berichterstattung über die Ereignisse in Tibet gehindert worden seien.

Die Vorfälle hätten sich in Lhasa ereignet sowie in den westchinesischen Regionen Qinghai, Sichuan und Gansu, wo viele Tibeter leben. Nach Exil-tibetischen Angaben wurden bei Protesten in den Provinzen Sichuan und Gansu am Dienstag Dutzende Demonstranten erschossen.

Am Freitag waren tagelange Proteste in der Altstadt von Lhasa eskaliert (Blick.ch berichtete). Anlass der Proteste war der 49. Jahrestag eines Aufstandes in Lhasa gegen die chinesischen Besatzer. Über die Zahl der Toten liegen keine gesicherten Angaben vor. (SDA/gux)

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