Iran: Chamenei droht mit Blutbad

  • Publiziert: 20.06.2009, Aktualisiert: 03.01.2012

TEHERAN - Mussawi hat seine Anhänger erneut zu einer grossen Protestkundgebung am Samstag in Teheran aufgerufen - trotz Warnung des obersten Führers Chamenei.

Stunde für Stunde wächst die Anspannung auf den Strassen in der iranischen Haupstadt Teheran. Wie CNN berichtet rechnen internationale Beobachter mit dem Schlimmsten. Die Demonstration der Opposition wurde um 16 Uhr Ortszeit angesagt.

Chamenei droht Opposition

In seiner ersten öffentlichen Rede seit Beginn der Proteste hatte Ajatollah Ali Chamenei als höchste Autorität im Iran am Freitagabend das Wahlergebnis erneut bestätigt. Er zerschlug die Hoffnung der Opposition auf eine Neuzählung der Stimmen. Er zeigte sich nur bereit, «einzelne» Stimmen nachzählen zu lassen.

Die iranische Opposition warnte Chamenei vor weiteren Demonstrationen – ansonsten sei die Opposition «möglicherweise für ein Blutbad verantwortlich».

Mussawi wartet ab

Die angekündigte Demonstration der Oppositionsbewegung wurde am Freitagabend vom Innenministerium verboten. Eine Reaktion Mussawis auf das Verbot blieb zunächst aus. Es wurde aber nicht ausgeschlossen, dass die Demonstration aus Angst vor einem gewaltsamen Einschreiten der Sicherheitskräfte noch kurzfristig abgesagt wird.

Bei der umstrittenen Präsidentenwahl am 12. Juni hat Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad seinen Herausforderer Mussawi nach offitziellen Angaben deutlich geschlagen. Mussawis Anhänger glauben an einen Wahlbetrug in grossem Stil. Schätzungen von Behörden zufolge haben bis zu 3 Millionen Menschen an den Demonstrationen teilgenommen.

Stichprobe angekündigt

Am Samstag präzisierte der für die Organisation der Präsidentschaftswahl im Iran zuständige Wächterrat Chameneis Aussage und erklärte sich bereit, zehn Prozent der Stimmen stichprobenartig neu auszuzählen. Das berichtete das staatliche Fernsehen. (sda/lec)

<b>Obama «sehr besorgt»</b>

US-Präsident Barack Obama äusserte sich am Freitag «sehr besorgt» über «Tenor und Ton» der Äusserungen von Ajatollah Chamenei. Die Regierung in Teheran sollte «erkennen, dass die Welt auf sie blickt», sagte Obama dem US-Sender CBS.

«Und wie sie mit den Menschen umgehen, die auf friedliche Weise versuchen, sich Gehör zu verschaffen, wird...ein ziemlich klares Signal an die internationale Gemeinschaft darüber aussenden, was der Iran ist – und nicht ist», so der US-Präsident weiter.

Bereits vor den Äusserungen Obamas hatte der US-Kongress in Resolutionen die Gewalt gegen Demonstranten und die Unterdrückung der Meinungsfreiheit im Iran angeprangert.

Das Repräsentantenhaus unterstütze in einer Entschliessung alle iranischen Bürger, die sich zu Freiheit, Menschen- und Bürgerrechten sowie Recht und Gesetz bekennen. Der US-Senat billigte eine eigene Resolution, die vor allem die Beschränkung der Presse- und Meinungsfreiheit im Iran verurteilt. (sda/lec)

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