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Thilo Sarrazin hat jetzt auch seinen Job als Bundesbanker los. (AP)
Die Bundesbank will sich von ihrem umstrittenen Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin trennen. Der Vorstand habe Bundespräsident Christian Wulff um die Abberufung Sarrazins gebeten, teilte die deutsche Notenbank in Frankfurt mit.
Sarrazin war nach Äusserungen über die mangelnde Ingegrationsfähigkeit von Migranten in die Kritik geraten. In seinem Buch «Deutschland schafft sich ab» und in Interviews vertritt Sarrazin unter anderem die These, «muslimische Migranten» würden wegen höherer Geburtenraten auf Dauer Staat und Gesellschaft in Deutschland übernehmen. Zudem behauptete er, alle Juden teilten ein «bestimmtes Gen».
Wie «Bild» und die «Berliner Zeitung» berichten, hatte die Führung der Notenbank die Zukunft ihres umstrittenen Vorstandsmitglieds nach einer Krisensitzung am Mittwoch zwar offengelassen, doch intern hatte sich der Vorstand für die Trennung von Sarrazin entschieden. Es sei nur noch darum gegangen, wie man dessen Chancen bei einer Klage gegen den Rauswurf gering halten könne.
Die Befürchtung der Bundesbank: Da Sarrazins Vertrag noch bis 2014 läuft, dürfte die Bank immer wieder in die Schlagzeilen gelangen. Deshalb befürworte der Vorstand lieber jetzt einen Rauswurf, auch wenn der mit viel Lärm und Ärger verbunden sei.
Druck kam auch vom Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet: «Als Bürger war ich entsetzt über diese Äusserungen, als Präsident der Europäischen Zentralbank habe ich volles Vertrauen in die Entscheidungen der Bundesbank.» Eine klare Herausforderung zum Handeln.
Für Bundesbank-Präsident Axel Weber steht viel auf dem Spiel. Er wird als heisser Kandidat für die Nachfolge von Trichet gehandelt – folglich steht sein Krisenmanagement in den Hauptstädten Europas unter Beobachtung.
Bundespräsident Christian Wulff, der die Abberufung am Ende absegnen muss, sagte gestern dem Nachrichtensender N24: «Ich glaube, dass der Vorstand der Bundesbank schon einiges tun kann, damit die Diskussion Deutschland nicht schadet – vor allem auch international.» (jes)