Bub (15): «Ich lag schon am Boden, als er zustach»

  • Publiziert: 06.08.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Karin Baltisberger

Sonne, Strand, Party. Die Sommerferien von Thomas und seinen Freunden in Italien fangen grandios an. Und enden bös.

Zwei Wochen Dolcefarniente am Adriastrand: Thomas Sägesser (15) ist mit seinen Eltern und zwei Freunden nach Bibione gefahren. Die Familie aus dem Berner Mittelland hat eine Wohnung gemietet und alle geniessen unbeschwert die ersten Ferientage am Meer.
Nach Sonne und Strand ziehts Thomas und seine Freunde Jerôme (15) und Nils (16) abends in den Ausgang. In der Disco «Shany» findet am Dienstag vergangener Woche eine Schaumparty statt. «Es war toll», erzählt Thomas.

Um halb drei Uhr morgens machen sich die drei Partygänger auf den Heimweg. Drei Kilometer dem Strand entlang. Nach ca. 200 Metern werden sie von zwei jungen Männern angesprochen. «Sie haben wohl gehört, dass wir Schweizerdeutsch sprechen», sagt Thomas. Die beiden fragen die Berner, woher sie kommen und behaupten, sie seien Zürcher. «Sie hatten einen ausländischen Akzent, waren ziemlich angetrunken», erinnert sich der Schüler.

«Ich mach dir gleich Probleme!»

Dann fängt einer der Zürcher an zu schubsen. «Ich fragte, ob sie ein Problem mit uns haben – da sind sie ausgerastet», so Thomas. Sie hätten gesagt: «Was Problem? Ich mach dir gleich Probleme.» Dann schlugen sie Thomas mit der Faust ins Gesicht. Auch seine Kollegen greifen sie an.

Thomas geht zu Boden. «Einer setzte sich auf mich und zückte ein Messer.» Der Schüler wehrt sich. «Ich dachte, wenn der so zusticht, wie er zuschlägt, dann bin ich tot.» Der Zürcher lässt nicht von ihm ab. «Er ritzte mich mit dem Messer an Hals, Brust und Rücken. Dann rammte er mir das Messer in den Bauch», erzählt Thomas. «Man muss sich vorstellen: Ich lag schon am Boden, als er zustach.»

«Ich schleppte mich irgendwie heimwärts»

Einem seiner Freunde gelingt es, den Angreifer von Thomas wegzudrängen. Die Täter fliehen. Jerôme rennt in die nächste Disco, um Hilfe zu holen. Nils stützt seinen stark blutenden Freund. «Ich schleppte mich irgendwie heimwärts», erinnert sich Thomas.
Unterdessen erwacht Heidi Sägesser aus dem Schlaf. Sie hatte mit den Jungs vereinbart, dass sie um drei Uhr zurück sind. «Ich hatte ein ungutes Gefühl», sagt sie. Als sie nicht erscheinen, geht Thomas’ Mutter an den Strand, um nach den dreien zu suchen.

Sie findet ihren verletzten Bub nicht weit von der Ferienwohnung entfernt. Auch die Polizei trifft ein. Thomas wird sofort ins Spital gebracht. Er hat eine zwei Zentimeter tiefe und drei Zentimeter breite Wunde am Bauch. «Nur dank dem Speck an dieser Stelle wurde die Bauchdecke nicht gefährlicher verletzt», erklärt die Mutter. Zwei Tage muss Thomas im Krankenhaus bleiben.

Anzeige gegen die Täter in Bibione und der Schweiz

Dann lässt ihn die Familie zurück in die Schweiz fahren. «Wir haben in Bibione und auch in der Schweiz eine Anzeige gegen die jungen Männer gemacht», sagt Heidi Sägesser. Doch die Polizei habe ihnen wenig Hoffnung gemacht, dass sie die Täter findet. Thomas schätzt die Angreifer zwischen 18 und 22 Jahre alt und auf 1.80 Meter gross. Der eine trug ein T-Shirt, der andere ein Muskelshirt.

Thomas muss sich jetzt schonen, darf sich wegen seiner noch frischen Bauchwunde nicht gross bewegen und muss einige Schmerzen ertragen. Sein Praktikum im Altersheim kann er auch noch nicht beginnen. Thomas: «Ich hoffe, dass die Typen gefunden werden, damit sie ihre gerechte Strafe erhalten.»

play Schüler Thomas zeigt seine verarztete Stichwunde: Sie ist 2 Zentimter tief und 3 Zentimeter breit. Das Pflaster muss noch eine Weile draufbleiben. (Philippe Rossier)

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