Interview mit «Aktenzeichen XY»-Moderator Konrad Toenz (70) Bringt ein TV-Appell überhaupt etwas?

  • Publiziert: 19.05.2010, Aktualisiert: 14.01.2012
  • Von Natascha Eichholz

ZÜRICH - Der Entführungsfall Maria Bögerl beschäftigt auch den ehemaligen «Aktenzeichen XY»-Moderator Konrad Toenz. Wie er den Fall und Entführer einschätzt, lesen Sie hier.

Blick.ch: Herr Toenz, bringt ein solcher Appell etwas?

Konrad Toenz: Durch ihn wird der Druck auf den Entführer immens erhöht. Immerhin sehen die Sendung «Aktenzeichen XY» Millionen von Zuschauern.

Kann man 100 Hinweise nach der Sendung als Erfolg verbuchen?


Aus meiner Erfahrung weiss ich, dass das eine stattliche Summe ist. Die Sendung macht den Leuten klar, dass auch die kleinste Beobachtung zur Lösung eines Falls führen kann.

Wieso holt ein Entführer seine 300000 Euro Lösegeld nicht ab?

Das weiss ich nicht. Aber dass er von einer Bankiersfamilie nur 300000 Euro Lösegeld verlangt, lässt darauf schliessen, dass er sich nicht mit Entführungen auskennt. Er wirkt sehr unprofessionell auf mich, weil er nicht weiss, wie viel Geld er in diesem Fall hätte verlangen können.

Das könnte für das Opfer gefährlich werden...

Ja, ein solcher Entführer verliert vielleicht schneller die Nerven.

Wieso meldet sich der Entführer nicht?

Die Funkstille ist bedrohlich. Bei unprofessionellen Tätern kommt es oft zu «Betriebsunfällen», bei denen sie die Opfer, auch aus Unsorgfalt, töten. Schliesslich muss der Entführer die Frau irgendwo unterbringen, sie ernähren, schlafen lassen und ständig überwachen. Mit jedem Tag, an dem sich der Entführer nicht meldet, sinken die Chancen, die Frau noch lebend zu finden.

play Konrad Toenz. (RDB/Blick/Werner Bucher)

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