Breivik-Prozess: «Fühle mich wie ein Jude im KZ»

OSLO - Massenmörder Anders Breivik (37) klagt gegen den norwegischen Staat, um bessere Haftbedingungen zu erreichen. Dabei beklagt er sich, dass der Kaffee schlecht ist, dass er nicht telefonieren darf und seine Briefe zurückgehalten werden. Verfolgen Sie den Prozess im Ticker.

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Terror-Anschlag am Atatürk-Flughafen Das sind die Opfer von Istanbul
2 Türkei-Anschlag Attentäter stammen aus Russland, Usbekistan und...
3 IS-Terror in der Türkei Der machtlose Diktator Erdogan

Ausland

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
7 shares
31 Kommentare
Fehler
Melden

Liveticker

Gestern war Auftakt des Breivik-Prozesses in Norwegen. Heute Morgen spricht der brutale Killer Anders Behring Breivik (37) seine Anklageerklärung aus. Ganze drei Stunden möchte er vorlesen. Dies aber – weil man ihm keine Plattform für mögliche Propaganda bieten möchte – ohne laufende Kameras.

Mit Hitlergruss in den Saal

Gestern begannen die Verhandlungen in der umfunktionierten Turnhalle des Hochsicherheitsgefängnisses von Skien. Breivik betrat den Saal um 9 Uhr – und salutierte als erstes gleich mal mit einem Hitlergruss.

Zu Wort kam er aber nicht. Es sprachen sein Anwalt sowie Staatsanwälte. Diese argumentierten während sieben Stunden gegen seine Klage gegen den norwegischen Staat, um bessere Haftbedingungen zu erreichen.

Breivik wünscht etwa eine Lockerung in der Kontrolle seiner Kommunikation mit der Aussenwelt. Staatsanwältin Adele Matheson Mestad las als Reaktion auf diesen Wunsch aus beschlagnahmten Briefen. 

Gefährliche Briefe

Aus 4000 wurden nämlich 600 als «gefährlich» eingestuft, wie die Staatsanwältin sagt. Leute aus der ganzen Welt wollen mit ihm schreiben. Leute, die ihn für seine Taten bewundern oder klare Andeutungen machen, dass sie mit ihm zusammenarbeiten wollen. 

«Wir müssen aufpassen, dass Breivik keine anderen Leute zu neuen Breiviks macht», sagte die Staatsanwältin gestern. Er dürfe kein Killer-Netzwerk aufbauen. Deshalb müsse seine Kommunikation mit der Aussenwelt im Zukunft sogar noch besser kontrolliert werden. 

«Ich hätte ihn getötet»

Ein weiterer Kritikpunkt von Breivik ist die Glasscheibe zwischen ihm und seinen Besuchern. Auch darauf hatte die Staatsanwaltschaft eine gute Antwort: Breivik dürfe keinesfalls mehr Freiraum bekommen im Hochsicherheitsgefängnis rund 100 Kilometer von Oslo. 

Einmal hätte es ein anderer Insasse geschafft, in seine Station einzubrechen. Breivik und den anderen Häftling trennte nur noch eine Tür. «Wäre er zu mir reingekommen», hätte Breivik gesagt, «hätte ich ihn auf der Stelle getötet». 

Breiviks Kritik

Breivik klagt wegen «unmenschlicher und entwürdigender» Behandlung. Er kritisiert die Einschränkung seiner Post-Kontakte.

Der Massenmörder hat im Gefängnisgebäude Zugang zu verschiedenen Räumlichkeiten. In einem Raum schläft Breivik, einen weiteren nutzt er für seine Studientätigkeit und in einem dritten macht er Fitness. Auch Fernseher, Zeitungen und und Videospiele stehen ihm täglich zur Verfügung.

Die behandelnden Gefängnisärzte sehen keine Gefahr dauerhafter Schäden durch die Isolationshaft. Demnach zeigte Breivik zwischenzeitlich zwar «Zeichen der Instabilität» und auch «anormales Verhalten». Es sei aber «keine fundamentale Änderung seiner psychischen Gesundheit» erkennbar. Die Einschätzung des Gefängnispersonals dürfte im Prozess eine entscheidende Rolle spielen.

21 Jahre Gefängnis

Breivik hatte im Juli 2011 zunächst acht Menschen bei einem Bombenanschlag in Oslo getötet. Anschliessend erschoss er auf der Insel Utøya 69 weitere Menschen, die am Sommerlager der sozialdemokratischen Jugendorganisation teilnahmen.

Breivik verbüsst die in Norwegen geltende Höchststrafe von 21 Haftjahren, die verlängert werden kann. Schon mehrmals drohte er wegen der Haftbedingungen mit Hungerstreik. Notfalls will er bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen. (SDA/kra/kmm)

Publiziert am 16.03.2016 | Aktualisiert am 18.03.2016
teilen
teilen
7 shares
31 Kommentare
Fehler
Melden
Er verklagt Norwegen wegen «unmenschlicher Behandlung» Breivik begrüsst das Gericht mit Hitler-Gruss

TOP-VIDEOS

31 Kommentare
  • André  Werlen , via Facebook 16.03.2016
    Jeder Mensch hat ein Anrecht auf Respekt und Lebensrecht, gegeben durch die Geburt. Jeder macht seine ganz individuelle Erfahrung in seinem Leben und als Mensch. Manche Menschen sind Normalos,dann gibts einen Mittelwert, die Grauzone und solche wie in diesem Bericht. Die Konsequenzen trägt auch jeder für sich. Es obliegt dem Staat Norwegen Verantwortung und Respekt diesem Häftling gegenüber zu zeigen, ganz einfach weil es die Menschenrechte so verlangen. Nicht mehr, nicht weniger.
    • Hans  Huber 16.03.2016
      Richtig, jeder Mensch hat ein Anrecht auf Respekt und Leben durch die Geburt erlangt. Menschen, die jedoch Massenmord begehen und Genozid propagandieren, haben dieses Recht jedoch verwirkt.
    • christoph  streit aus gasel
      16.03.2016
      Würdest du auch so schlau daherreden wenn er dein kind erschossen hätte? Finde für dieses monster wäre die einzig gerechte strafe aufhängen. Denn es steht ja wohl ausser frage dass dieser mann, sollte er jemals frei kommen, wieder eine Tragödie anrichten wird.
  • Harry  Kant , via Facebook 16.03.2016
    Liebe Leute, das ist ein Mensch wie alle anderen auch, nur verurteilt. Wo bleibt hier das Verständnis und nette was wir anderen immer entgegenbringen? Komisch, hier darf man solche Sachen schreiben, aber bei einem afrikanischen Vergewaltiger aus Basel sind alle Kommentare viel viel netter. Komisch komisch...
    • Susanne  Reich 16.03.2016
      Ein afrikanischer Vergewaltiger aus Basel ist alles andere als ein Engel. Trotzdem die Morde von Breivik sind schon ein etwas anderes Kaliber. Und scheinbar lernt er nicht dazu. Sagen Sie Ihren Vergleich doch mal den Eltern/Verwandten und Freunden der getöteten jungen Menschen...
  • Herbert  Widmer aus Sagogn
    16.03.2016
    Wie solche Frechheit wohl bei den Angehörigen der Opfer ankommt? Ich wundere mich, dass noch keiner dieser Angehörigen ausgerastet ist und dem Breivik-Spuck ein Ende bereitet hat.
  • Stefan  Iseli , via Facebook 16.03.2016
    Wasser und Brot das reicht für solcher Mensch
  • Afrim  Brama aus Oerlikon
    16.03.2016
    Er darf Leben, seine Opfer nicht. Das ist genug entgegenkommen.