EDA-Einsatz in Kolumbien «Bravissimo für Calmy-Rey»

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Von Johannes von Dohnányi
Dank: Ingrid Betancourt anerkennt den Einsatz der Schweizer Vermittler.- Reuters

Die Ex-Geisel Ingrid Betancourt flieht vor dem Rummel um ihre Person. Zuvor aber dankte sie Bundesrätin Micheline Calmy-Rey.

Eigentlich hatte Micheline Calmy-Rey (63) ihre Mitarbeiter gebeten, sie im Urlaub so wenig wie möglich zu stören. Doch den Anruf am Samstagvormittag nahm die für die Schweizer Aussenpolitik zuständige Bundesrätin gern entgegen. Am anderen Ende der Leitung war Ingrid Betancourt (46).

Die vor bald zwei Wochen aus der Geiselhaft der kolumbianischen Narco-Terrorgruppe Farc befreite Politikerin wollte sich für die Dienste des EDA bedanken, das jahrelang zwischen ihren Entführern und der kolumbianischen Regierung vermittelt hatte.

Über den genauen Inhalt des Gesprächs war bis Samstagabend nichts bekannt. «Das geht nur diese beiden Frauen etwas an, die sich übrigens persönlich noch nie begegnet sind», sagte EDA-Sprecher Jean-Philippe Jeannerat gegenüber SonntagsBlick.

Zu Wort gemeldet hat sich dafür Fabrice Delloye, Betancourts erster Ehemann und Vater ihrer Kinder. Von seinem Wohnort in Reims aus lobte der französische Karrierediplomat den jahrelangen Einsatz der Berner Diplomatie für mehrere Hundert Geiseln der Farc.

«Anstatt sie der ideologischen Nähe zu den kolumbianischen Narco-Terroristen zu beschuldigen, sollten die Schweizer stolz sein auf ihre Aussenministerin und die von ihr ausgewählten Vermittler», erklärte Delloye im Gespräch mit SonntagsBlick.

«Ich hatte aufgrund meiner beruflichen Position einen privilegierten Einblick in die Schweizer Mediation: Bravissimo für Madame Calmy-Rey. Und bravo für Kolumbiens Präsident Alvaro Uribe (56), der auf die Fantasie seiner Geheimdienste und nicht auf Waffengewalt gesetzt hat.»

Die Debatte über die Rolle des EDA in Kolumbien interessiert Betancourt nicht. Ihre anfängliche Euphorie nach der Befreiung schwindet. Zunehmend leidet sie jetzt unter den Erinnerungen an sechseinhalb Jahre Geiselhaft. «Alle um mich herum haben ihr Leben. Ich habe nichts», klagte sie in einem Interview. Um diese Leere zu füllen und ihren Platz in der Welt zu finden, will sie sich mit ihren Kindern aus der Öffentlichkeit zurückziehen. 

EDA weist Kritik Kolumbiens an Vermittler zurück

BERN – Der stellvertretende Staatssekretär im Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA), Anton Thalmann, hat die Kritik Kolumbiens am Schweizer Vermittler Jean-Pierre Gontard zurückgewiesen. «Uns liegen keinerlei Hinweise vor, dass er seine Aufgabe als Mediator verraten hat», sagte Thalmann gegenüber der «NZZ am Sonntag». Es liege in der Rolle eines Mediators, dass er hin und wieder von der einen oder der andern Seite kritisiert werde, zumal er mit beiden Seiten ein gutes Einvernehmen pflegen müsse. Kolumbianische Regierungsvertreter hatten kritisiert, Gontard habe im Jahr 2001 bei der Befreiung von zwei Novartis-Mitarbeitern aus der Gewalt der kolumbianischen FARC-Rebellen eine Lösegeldzahlung über 480000 Dollar überreicht. Sie beriefen sich dabei auf Dokumente, die im Computer von FARC-Vizechef Raul Reyes gefunden worden waren. Diese Darstellung bestreitet auch der Pharmakonzern Novartis. (SDA)
Gelobt: Bundesrätin Micheline Calmy-Rey mit Kolumbiens Präsident Alvaro Uribe (r.).- Keystone

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