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Eigentlich hatte Micheline Calmy-Rey (63) ihre Mitarbeiter gebeten, sie im Urlaub so wenig wie möglich zu stören. Doch den Anruf am Samstagvormittag nahm die für die Schweizer Aussenpolitik zuständige Bundesrätin gern entgegen. Am anderen Ende der Leitung war Ingrid Betancourt (46).
Die vor bald zwei Wochen aus der Geiselhaft der kolumbianischen Narco-Terrorgruppe Farc befreite Politikerin wollte sich für die Dienste des EDA bedanken, das jahrelang zwischen ihren Entführern und der kolumbianischen Regierung vermittelt hatte.
Über den genauen Inhalt des Gesprächs war bis Samstagabend nichts bekannt. «Das geht nur diese beiden Frauen etwas an, die sich übrigens persönlich noch nie begegnet sind», sagte EDA-Sprecher Jean-Philippe Jeannerat gegenüber SonntagsBlick.
Zu Wort gemeldet hat sich dafür Fabrice Delloye, Betancourts erster Ehemann und Vater ihrer Kinder. Von seinem Wohnort in Reims aus lobte der französische Karrierediplomat den jahrelangen Einsatz der Berner Diplomatie für mehrere Hundert Geiseln der Farc.
«Anstatt sie der ideologischen Nähe zu den kolumbianischen Narco-Terroristen zu beschuldigen, sollten die Schweizer stolz sein auf ihre Aussenministerin und die von ihr ausgewählten Vermittler», erklärte Delloye im Gespräch mit SonntagsBlick.
«Ich hatte aufgrund meiner beruflichen Position einen privilegierten Einblick in die Schweizer Mediation: Bravissimo für Madame Calmy-Rey. Und bravo für Kolumbiens Präsident Alvaro Uribe (56), der auf die Fantasie seiner Geheimdienste und nicht auf Waffengewalt gesetzt hat.»
Die Debatte über die Rolle des EDA in Kolumbien interessiert Betancourt nicht. Ihre anfängliche Euphorie nach der Befreiung schwindet. Zunehmend leidet sie jetzt unter den Erinnerungen an sechseinhalb Jahre Geiselhaft. «Alle um mich herum haben ihr Leben. Ich habe nichts», klagte sie in einem Interview. Um diese Leere zu füllen und ihren Platz in der Welt zu finden, will sie sich mit ihren Kindern aus der Öffentlichkeit zurückziehen.
Gelobt: Bundesrätin Micheline Calmy-Rey mit Kolumbiens Präsident Alvaro Uribe (r.).- Keystone