Interne E-Mails beweisen BP nahms zu locker mit der Sicherheit

  • Publiziert: 15.06.2010, Aktualisiert: 19.01.2012

WASHINGTON – Am 20. April explodierte die Bohrinsel Deep Water Horizon und das Öl-Leck verschmutzt seither den Golf von Mexiko. Jetzt wird klar: BP wusste von den Mängeln, nahm das Risiko aber bewusst in Kauf.

Der US-Kongress veröffentlicht belastendes Material gegen BP: Interne Dokumente und E-Mail-Verkehr wenige Tage vor der Explosion der Deep Water Horizon zeigen, dass die Katastrophe in Kauf genommen wurde und hätte verhindert werden können.

Letzten November beschädigte der Hurrikan Ida eine Bohrinsel im Golf von Mexiko. BP beschloss diese durch die Deep Water Horizon der in der Schweiz sesshaften Firma Transocean zu ersetzen. BP geriet bei den Bohrungen in Verzug und musste täglich mehr als eine halbe Million Franken bezahlen, weil die Bohrinsel an anderen Orten gebraucht werden sollte.

«Horror-Bohrloch»

Unter Druck entschied sich BP für eine billige und riskante Variante, um die Bohrungen fortzusetzen. Man verzichtete auf zusätzliche Zentrierungs-Einrichtungen um das Steigrohr zu stabilisieren. Bohringenieur Brian Morel beschreibt in einem E-Mail vier Tage vor der fatalen Explosion die Deep Water Horizon als ein «Horror-Bohrloch».

Die Antwort seines Kollegen Richard Miller zeigt, dass ihn die eingegangen Risiken stark beunruhigen. «Wir haben ein paar Eckdaten erhalten. Die sind in einem Bereich, der mich nervös werden lässt», schreibt er. Ein dritter Ingenieur, Mark Hafle, meint dazu: «Das wird als verrückte Bohrung in die Geschichte eingehen, ganz sicher.»

Brisant: BPs Partnerfirma Halliburton warnte vor schweren Problemen mit Gasströmen, falls BP das Steigrohr nicht genug mit Zentriervorrichtungen stabilisiere. Doch statt vorgeschlagener 21 Zentrierteile wurden nur sechs eingebaut. BP-Ingenieur Brett Cocales schreibt in einem E-Mail dazu: «Wen juckts? Bald ist der Job getan und alles ist gut. Die Risiken sind es wert, sie einzugehen.»

Vier Tage später kommt es zum Blowout, die Bohrinsel explodiert und 11 Männer kommen ums Leben. Seit diesem Tag strömen täglich schätzungsweise 6,4 Millionen Liter Öl in den Golf von Mexiko und zerstören Tier- und Pflanzenwelt nachhaltig. (gca)

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