
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Mit dem in das beschädigte Bohrloch eingeführten Rohr würden 2000 der täglich ausströmenden 5000 Barrel Öl aufgefangen, teilt der britische Konzern BP heute mit. Gestern ging das wegen der Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko stark in die Kritik geratene Unternehmen noch davon aus, mit dem Absaugrohr 1000 Barrel Öl einsammeln zu können.
Trotz dieses Fortschritts geraten den Angaben von BP zufolge pro Tag immer noch 3000 Barrel Öl ungehindert in die Umwelt. Das sind umgerechnet fast 477000 Liter, die das Meer und die angrenzenden Küsten täglich aufs Neue verseuchen.
Auf BP kommt eine Klagewelle zu
Der Konzern weiss, dass ihn die Säuberungsarbeiten und Entschädigungen mehr kosten werden als bisher veranschlagt. Die Kosten würden sich auf 625 Millionen Dollar belaufen, 175 Millionen mehr als vor fünf Tagen angenommen.
Seit Donnerstag habe sich die Zahl der Entschädigungsansprüche auf 15600 mehr als verdoppelt, teilt BP weiter mit. Von diesen seien 2700 bereits beglichen worden. Auf das Unternehmen kommt eine regelrechte Klagewelle zu: Denn nach dem Öl strömen nun auch die Anwälte an die Golfküste.
Fischer, Hoteliers, Gastronomen und andere Dienstleister bis hin zu Coiffeuren wollen für entgangene Einnahmen entschädigt werden. «Die Klagen um die Ölpest könnten sogar noch den Hurrikan ‹Katrina› in den Schatten stellen», sagt die Anwältin Judy Giuce, die eine Kanzlei in Biloxi an der Küste des von der Ölpest betroffenen US-Bundesstaats Mississippi führt.
BP-Chef: «Sehr, sehr bescheidene Auswirkungen»
Derweilen spielen die Verantwortlichen die Katastrophe herunter: Nach Angaben von BP wird es zwar noch einige Zeit dauern, bis der Ölfluss ganz gestoppt werden kann. Dennoch schätzte BP-Chef Tony Hayward die Auswirkungen der Ölpest auf die Umwelt als geringfügig ein.
Sein Unternehmen werde nach der erfolgreichen Bekämpfung eine ausführliche Bestandesaufnahme der Umweltschäden vornehmen, sagt Hayward dem TV-Sender Sky News. Doch denke er, dass die «Auswirkungen nur sehr, sehr bescheiden sein werden».
Barack Obama setzt Untersuchungskommission ein
Kann man dieser optimistischen Einschätzung Glauben schenken? Tatsache ist: Im Golf von Mexiko fliessen seit der Explosion und dem Untergang der Bohrinsel «Deepwater Horizon» am 20. April täglich Hunderttausende Liter Öl ins Meer. US-Präsident Barack Obama will eine Kommission zur Untersuchung der Katastrophe einsetzen.
Momentan versuchen Experten, das Leck zu stopfen und zuzubetonieren. Am Wochenende begann BP damit, das Öl direkt am Leck mit Chemikalien zu zersetzen.
Insgesamt sind nach Angaben von BP 19000 Menschen im Kampf gegen die Ölpest im Einsatz. Im Golf von Mexiko stehen demnach 750 Schiffe bereit, um Öl aufzufangen und den Ölteppich zu bekämpfen. (SDA/noo)