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BLICK: Wie viele wütende Anrufe haben Sie schon bekommen, Herr Schild?
Jörg Schild: Keine. Die Rückmeldungen waren bisher positiv.
Dabei stören Sie doch die traute olympische Eintracht: Sie fordern vom IOC, es solle bis heute Montag klar gegen Chinas Gewalt Stellung beziehen.
Es geht mir nicht um eine Provokation des IOC. Aber mit der nicht unproblematischen Spielvergabe an Peking hat das IOC bewusst Verantwortung übernommen.
Für Chinas Innenpolitik?
Für die Glaubwürdigkeit der Spiele. Wer nach den jüngsten Ereignissen schweigt, erweckt den Eindruck, das Los von Tibets und Chinas Bevölkerung sei ihm egal.
Soll sich der Sport in die Politik einmischen?
Natürlich kann der Sport nicht nachholen, was die Politik versäumt hat. Aber das IOC muss China jetzt an die Erwartungen erinnern, die es bei der Vergabe der Spiele geäussert hat.
Erinnern? Wie denn?
Mit einer klaren Botschaft im Sinn des olympischen Gedankens: Innenpolitische Probleme werden mit Dialog, nicht Gewalt gelöst.
Nur mit einer Botschaft? Warum nicht mit Boykott — oder der Drohung, die Spiele abzusagen?
Das wäre der falsche Weg. Leidtragende wären die Athleten, die für Chinas Politik nichts können – und die chinesische Bevölkerung, die eine Öffnung erwartet.
Also sollen die Sportler mit Aktionen für Aufsehen sorgen?
Protestaktionen sind in den Arenen fehl am Platz. Die Sportler sollen sich auf ihre Wettkämpfe konzentrieren können. Wir sensibilisieren sie ausserdem für die spezielle Situation im Land und zeigen Ihnen in Medienschulungen auf, wie sie mit Fragen zum Thema China umgehen können.
Damit sie auf keinen Fall die Chinesen provozieren? Das klingt jetzt aber eher nach Leisetreterei.
Auf keinen Fall. Von unseren Sportlern darf jeder seine Meinung offen sagen.
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Druck aufsetzen: Jörg Schild will, dass das IOC China an seine Verantwortung erinnert. (Keystone)