15 Kilo Sprengstoff, 150 Liter Chemikalien, ein Sack voll Nägel waren noch im Haus BLICK auf den Spuren der Brüssel-Bomber

BRÜSSEL - Direkt von den Terror-Schauplätzen in Brüssel berichtet BLICK über die aktuellen Ermittlungen.

Hier lebten die Brüssel-Attentäter

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Ein leerstehendes Haus im Brüsseler Bezirk Schaerbeek. Die Briefkästen quellen über. Der Boden ist abgeklebt, wegen Malerarbeiten. Hier hat offenbar schon länger niemand mehr gewohnt. Es war das perfekte Versteck für die Bomben-Terroristen.

Hierhin bestellten sie sich ein Taxi. Und fuhren mit ihren Sprengsätzen an den Flughafen. In der Nacht auf gestern gab es im Gebäude eine Razzia. «Zuerst hörten wir eine Drohne», sagt der Besitzer der Wäscherei gegenüber. «Dann kamen immer mehr Polizisten.»

IS-Flagge und 15 Kilo Sprengstoff

Und die Ermittler wurden fündig. Nebst einer IS-Flagge fanden sie 15 Kilo Sprengstoff. Offenbar hatten zwei von fünf Bomben keinen Platz mehr im Taxi. Denn: Das bestellte Grossraumtaxi kam nicht. Die Terroristen mussten einen kleineren Wagen nehmen.

Ein Fehler, der viele Menschenleben gerettet haben dürfte. Der Nachbar: «Ein IS-Terrornest direkt gegenüber. Unglaublich!» In der Nachbarschaft hat es viele arabische Geschäfte. «Wir wollen kein zweites Molenbeek werden», so der Wäscherei-Besitzer.

Vor dem Haus fanden die Ermittler einen Laptop in einem Mülleimer. Darauf das Testament von Ibrahim El Bakroui: «Ich wusste nicht mehr, was ich machen sollte und hatte keine Sicherheit mehr. Wenn das so weitergeht, endet das bei mir in einer Gefängniszelle.» Jetzt ist der Terrorist tot. Und Europa verwundet.

Scharfschützen in Helis

Auch am Tag nach dem Attentat mit mindestens 31 Toten ist die Normalität noch lange nicht zurück. Überall stehen schwer bewaffnete Soldaten. Immer wieder heulen Sirenen auf. Über der Stadt kreisen Helikopter. Darin sitzen Scharfschützen mit dem Gewehr im Anschlag. «Haben sie jetzt alle Terroristen?», fragt eine verunsicherte ältere Dame das BLICK-Team.

Vor Ort: BLICK-Reporter Michael Sahli (l.) und Fotograf Mirko Ries. play
Vor Ort: BLICK-Reporter Michael Sahli (l.) und Fotograf Mirko Ries.

 

Es ist der reinste Nervenkrieg. Mal heisst es, alle Terroristen seien gefasst. Später das Dementi der Behörden. Najim Laachraoui (24) könnte der gefährlichste der Terroristen sein. Seine DNA wurde schon auf den Bomben des Pariser Attentats gefunden. Ist er sogar der Bomben-Bastler? Dazu kommen die Fragen: Wer hat die bereits gesuchten Terroristen so lange versteckt? Wie gross ist das Terror-Netzwerk?

Am Abend dann die Gewissheit: Najim Laachraoui ist tot. Beim Flughafen wurden seine DNA-Spuren gefunden.

«Ich hörte einen Knall»

Die Terror-Schauplätze selber sind hermetisch abgeriegelt. Am Flughafen wurden noch immer Menschen in kleinen Gruppen vom Areal evakuiert. Sie mussten sich seit gestern im Flughafenhotel verschanzen. Antony Barrett aus Manchester befand sich zum Zeitpunkt der Anschläge nur wenige Meter entfernt, im Flughafenhotel. «Ich hörte den Knall. Dann brachten sie immer mehr Verwundete nach draussen.» Dem gestandenen Mann schiessen Tränen in die Augen. «Ich konnte von meinem Fenster genau an das Terminal sehen.»

Die Nacht im Epizentrum des Brüsseler Terrors sei schlimm gewesen: «Alle waren sehr ruhig. Es gab auch Sicherheitsbedenken. Irgendwann wurden wir alle aus dem Zimmer geholt und in den Saal gebracht - weg von den Türen.» Eigentlich sollte der Flughafen morgen wieder öffnen. Barrett hat sich trotzdem für den Zug entschieden.

Passanten bringen Blumen

In der Nacht hat es zu regnen begonnen. Die Blutspuren vor der Metrostation Maelbeek im EU-Viertel, dem Ort der zweiten Attacke, sind weggespült. Die Züge fahren nicht - Polizeiband versperrt den Weg zur Station. Immer wieder kommen Passanten und legen Blumen nieder. «Diese Terroristen waren schon seit Paris bekannt, konnten aber nicht gefunden werden. Dabei waren sie mitten unter uns. Wie kann das sein?!», so ein Herr.

Andere Menschen demonstrieren Normalität. «Wir haben offen - weil Brüssel so schön ist», steht auf dem Schild vor einem Café, direkt neben der angegriffenen Metrostation. Schon gestern Abend hörte man aus einigen Bars wieder das Lachen der Menschen. Und heute Morgen machten sich einige Kinder ganz normal auf den Schulweg, fröhlich kichernd. Brüssel mag verwundet sein. Aber nicht geschlagen.

Publiziert am 24.03.2016 | Aktualisiert am 24.03.2016
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Kurz nach der Explosion Panik am Flughafen Brüssel

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14 Kommentare
  • Dieter  Sprenger 24.03.2016
    Als ich vor einigen Jahren nach dem Attentat in Madrid in den Foren schrieb,dass Europa früher oder später mit der ganzen Entwicklung von nicht Integrationswilligen leider noch aus dem Dornröschenschlaf erwachen werde,unterstellten mir einige Kommentarleser/innen,dass ich reine Angstmacherei betreibe. Und nun schweigen diese Gutmenschen beharrlich! Auch wenn es moralisch fragwürdig sein mag dass z.Bsp. Polen keine Flüchtlinge mehr aufnimmt,werden diese Staaten letztendlich die Lachenden sein .
    • Marco  Weber 24.03.2016
      Gratuliere zu Ihrer Wahrsagerei Herr Sprenger! Ich bin stolz auf Sie! Klar kann man das immer auf die nicht Integrationswilligen wälzen aber denken Sie wenn man keine Flüchtlinge mehr aufnimmt würde es keine Anschläge geben? Finden Sie das nicht eine extrem einfache Denkweise?
    • Dieter  Sprenger 24.03.2016
      Werter Herr Weber, wenn schon sollte man auch weiter denken ! Die erste Generation der Flüchtlinge wird für die Aufnahme sicher noch dankbar sein und keine weiteren Probleme verursachen. Doch bei diesem grossen Ansturm werden die Chancen zu einer guten Integration Hauptsächlich von deren Nachkommen automatisch schwinden und auch nicht mehr möglich sein. In deren Folge bilden sich wiederum Parallelgesellschaften mit Kriminalität und den inzwischen bekannten Auswüchsen einzelner Extremisten !
  • Bruno  Schmid 24.03.2016
    Spätestens jetzt, ist selbst den grössten naivsten Optimisten und Tatsachen-Verdränger Klar, dass der 3. Weltkrieg schon längst begonnen hat. Das Ziehl dieser IS ist die Vernichtung der gesamten freien Welt durch Terror, Manipulation und gegeneinander aufhetzen von westlichen Ländern. Es ist die grösste gesellschaftliche teroristische Infiltrierung die unsere Menschheit je erlebt hat. Dieses "IS-Krebsgeschwür" hat sich bereits rund um den ganzen Planeten verteilt. Wie wollen wir dass Aufhalten?!
  • Peter  Weber aus Zürich
    24.03.2016
    Der Terror ist ein Werkzeug des politischen Islams. Wir ( die Öffentlichkeit) kennt das aber erst seit den Flugzeugentführungen der 70er Jahre. Praktisch aber terroristierten sich die verschiedenen Islamischen Gruppen schon seit der Anfangszeit des Islam.
    • Manfred  Grieshaber aus Zollikon
      24.03.2016
      Religiöser Terrorismus ist dem Westen seit der Zeit der Kreuzfahrer und aus dem Reisebericht Marco Polos bekannt: Raschid ad-Din Sinan, besser bekannt als "Der Alte vom Berge". Seine ismaelitischen Anhänger verübten um 1200 Selbstmordattentate, z.B. den seldschukische Wesir Nizām al-Mulk Abū. Die gemäßigten Muslime konnten sich diese Todesverachtung nur durch Haschisch-Konsum erklären, sie nannten sie Assassines (Haschisch-Esser). Daraus entstand das franz.-englische Wort Assassin für Attentat.
  • Werner  Brickenbach 24.03.2016
    Ich frage mich da der IS ja eine Menge Geld auf der Seite haben müsste durch das Öl und dergleichen... Ich bin sicher diese haben wesentlich stärkere Waffen und viel schwereres Arsenal beisammen. Dieses zu bekommen dürfte mit genug Geld kein Problem sein. Irgend Jemand kauft ja auch den Terroristen das Öl ap. Dann werden sich auch Leute finden lassen die für gutes Geld sehr schwere Waffen liefern. Unsere Geldsüchtige Welt ist unglaublich grausam. Jede Dollarnote hat mitlerweile Blut dran kleben.
  • Kunz  Rene 24.03.2016
    "BLICK auf den Spuren der Brüssel-Bomber"? Wie wäre es dass sich BLICK, im Interesse der Schweizer Bevölkerung, sich in erster Linie mit, und auf Spuren möglicher Terroristen und potenziellen Attentätern in der Schweiz befasst? Wäre dies vielleicht nun bereits zu gefährlich für die Blick Mitarbeiter und Redaktion?