BLICK-Digitalchef Juan Baron (35) über das Nein der Kolumbianer in der Farc-Frage «Frieden – aber mit Gerechtigkeit»

ZÜRICH/BOGOTA - NO! BLICK-Digitalchef Juan Baron stammt aus Kolumbien und erklärt, warum auch er beim gestrigen Referendum mit Nein gestimmt hätte. Und er sagt, wie auch er unter der Gewalt der Guerilla gelitten hat.

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Es sei eine grosse demokratische Übung gewesen, das gestrige Referendum zum Friedensabkommen mit den Farc (BLICK berichtete), meint Juan Baron (35), BLICK-Digitalchef und gebürtiger Kolumbianer aus Barranquilla. Er persönlich hätte ebenfalls Nein gestimmt.

Das Ergebnis der Wahlen kann er gut nachvollziehen: «Ich denke, dass hundert Prozent der Kolumbianer den Frieden wollen, aber nicht zu den Konditionen des jetzigen Vertrages», erklärt er.

Falsch kalkuliert

Der Präsident, Juan Manuel Santos, habe sich eindeutig verschätzt. Oder genauer gesagt: Er hat das Volk schlecht eingeschätzt. Denn dieses fühle sich seit Beginn der geheimen ­Friedensverhandlungen in Kuba ein wenig betrogen. Es gebe viele Punkte im Abkommen, mit denen das Volk nicht einverstanden sei.

Dabei sei es gut möglich, dass auch die starke Nein-Kampagne des Ex-Präsidenten, Álvaro Uribe, Einfluss auf die überraschende Entscheidung gehabt habe. Obwohl der Ex-Präsident gegen Ende seiner Amtszeit eher negativ aufgefallen sei, sei er der erste gewesen, der sich für Frieden mit der Guerilla eingesetzt habe, sagt Baron.

Ein fairer Friedensvertrag für das kolumbianische Volk müsse aber gezwungenermassen Gefängnisstrafen für kriminelle Rebellen enthalten, fährt Baron fort. «Es braucht Frieden, aber mit Gerechtigkeit. Und wenn das kolumbianische Volk denkt, dass es keine Gerechtigkeit gibt, wird es niemals Frieden geben. Deshalb muss man viele Teile des Vertrages neu verhandeln», betont der Chief Digital Officer der BLICK-Gruppe.

Die Guerilla müsse zudem mit der Wahrheit herausrücken, meint der Kolumbianer: Die Behauptung, dass die Farc kein Geld habe, glaube beispielsweise einfach niemand. Es handle sich hier schliesslich um eine Guerilla, die durch den Drogenhandel finanziert werde. Ein Geschäft, in dem grosse Mengen Geld fliessen. Des Weiteren komme noch das Entführungsgeschäft dazu, welches auch sehr viel Gewinn generiere. 

All diese Dinge müssten von der Regierung beachtet werden, sagt Baron. Dann könne man sich erneut an den Verhandlungstisch setzen, das Abkommen erneut anschauen und schliesslich einen besseren Vertrag aufstellen.

Tiefe Wunden

Denn die Wunden sitzen tief bei der Bevölkerung: «Die Kolumbianer haben immer unter der Gewalt der Farc gelitten», erklärt Baron. Er selbst hatte mehrere beängstigende Erlebnisse mit der Rebellengruppe: Als er 14 Jahre alt war, wurde die Mutter eines Freundes entführt, und zudem hat er eine Schiesserei in einem Club in Cartagena miterlebt.

Trotz allem glaubt Baron an den Frieden. Ihn stimmt zuversichtlich, dass sich der Farc-Leader Rodrigo «Timochenko» Londoño gestern kooperativ gezeigt hat und den Raum für neue Verhandlungen offen gelassen hat. «Man muss jetzt mit der gleichen Kraft weitermachen, um zu einer neuen Lösung zu gelangen. Und diese wird kommen», zeigt der Kolumbianer überzeugt.

Publiziert am 03.10.2016 | Aktualisiert am 24.11.2016
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