Polanski-Opfer: «Bin schon lange drüber hinweg!»

  • Aktualisiert am 03.01.2012
Samantha Geimer als 13-jähriges Mädchen und heute (45).- Dukas/AP

HONOLULU (USA) – Als sie 13 Jahre alt war, wurde sie von Regisseur Roman Polanski vergewaltigt. Doch es sei nicht diese Tat gewesen, die ihr das Leben zur Hölle gemacht habe, sagt Samantha Geimer heute.

Samantha Geimer wurde 1977 als 13-Jährige von Hollywood-Regissuer Roman Polanski vergewaltigt. Zuvor hatte Polanski das Mädchen mit Alkohol und Drogen gefügig gemacht. Im nachfolgenden Prozess sagte Geimer: «Ich hatte zu viel Angst, mich wirklich zur Wehr zu setzen.»

Polanski gestand später, Sex mit einer Minderjährigen gehabt zu haben – und flüchtete ins Ausland.

«Polanski hat bezahlt»

Die Jagd der Justiz auf Polanski findet sein Opfer mittlerweile unnötig: «Ich habe überlebt, was Herr Polanski mir als Kind angetan hat. Ich bin schon lange darüber hinweg.» Tatsächlich hat die heute 45-Jährige Polanski schon 1997 öffentlich vergeben. Damals erklärte sie in einem Interview mit dem «People Magazin»: «Polanski hat bezahlt. Ich will mit meinem Leben weitermachen und nicht immer wieder Details über diesen Tag erzählen müssen.»

«Ich weiss, er will Sex haben»

Geimer gab in dem Interview auch ganz offen zu, dass sie als junges Mädchen mit dem Regissuer mitgegangen sei, um berühmt zu werden. Sein Angebot, ihre Fotos in einer Modezeitschrift publizieren zu lassen, habe sie breitwillig angenommen.

Bei einem zweiten Phototermin im Haus von Hollywood-Star Jack Nicholson artete dann alles aus. Polanski schenkte dem Mädchen immer wieder Champagner an, liess es oben ohne posieren, gab ihr Drogen: «Ich weiss, er will Sex haben und dass er keine Widerrede dulden wirde. Ich bin beduselt, habe Angst und weiss nicht, was ich machen soll – also lasse ichs geschehen», erzählte Geimer.

Polanski befahl dem Mädchen danach, bloss nichts der Mutter zu erzählen. Geimer tat es doch. «Danach war die Hölle los.»

2003 bekräftigte Geimer ihre Forderung, die Sache auf sich beruhen zu lassen. In einem Offenen Brief schrieb sie in der «Los Angeles Times», dass Polanski nicht davon abgehalten werden solle, den Oscar für seinen Film «Der Pianist» entgegen zu nehmen. Im Rückblick sei es weniger der Regisseur gewesen, der ihr das Leben zur Hölle gemacht habe, sondern die Medien, die sie immerfort mit Fragen zu dem Fall bombardiert hätten. Erst als Polanski nach Frankreich geflohen sei, habe man sie in Ruhe gelassen.

Gesuch bei Gericht

Dass sie gegen den Regisseur keinen Groll mehr hegt, machte Geimer auch dieses Jahr deutlich. Sie reichte im Januar ein formelles Gesuch beim Gericht von Los Angeles ein, wonach die Anklage gegen Polanski fallen gelassen werden solle. «Vieles von dem, was geschrieben wird, ist wahr. Dennoch fügt die Veröffentlichung dieser Details meinem Ehemann, meinen drei Kindern und meiner Mutter und mir viel Schmerz zu», erklärte Geimer.

Naheliegend, dass Geimer zur Verhaftung Polanskis in Zürich keinen Kommentar abgeben wollte. Sie lebt mit ihrem Ehemann und drei Kindern auf Hawaii, wo sie als Bibliothekarin arbeitet. Polanski hat sie seit dem Prozess gegen ihn nicht mehr gesehen. (gux)

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