Berüchtiger Drogenboss Bewaffnete klauen Leiche des «Henkers»

COAHILO (MEXIKO) - Der Boss des berüchtigten Drogenkartells Los Zetas ist tot - doch seine Leiche spurlos verschwunden.

  • Publiziert: 10.10.2012
play Der Chef der «Los Zetas» ist offenbar erschossen worden (Archiv) (Keystone)

Mexikanische Sicherheitskräfte haben den Boss des Drogenkartells Los Zetas getötet. Herberto Lazcano alias «Der Henker» wurde am Sonntag im Norden Mexikos in einem Feuergefecht mit Soldaten erschossen.

Von einer Leiche im Grenzstaat Coahilo genommene Fingerabdrücke seien mit einer forensischen Datenbank abgeglichen worden und hätten zu Lazcano gepasst.

Bizarr: Die Staatsanwaltschaft ist aber nicht mehr im Besitz des Leichnams. Eine Gruppe Bewaffneter drang in eine Leichenhalle ein und holte Lazcanos Körper, zusammen mit einem weiteren Opfer der Schiesserei. Die Zeitung «Milenio» schreibt, möglicherweise hätten Angehörige des Drogenbosses den Toten mitgenommen.

5 Mio Kopfgeld ausgesetzt

Lazcano war einer der meistgesuchten Kriminellen des Landes. Die US-Regierung hatte ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar auf den Drogenboss ausgesetzt, die mexikanische Regierung eine Prämie von 2,6 Millionen Dollar.

Nach Angaben mexikanischer Ermittler haben sich Lazcano und der andere Kartellchef Miguel Trevino Morales alias «Z-40» entzweit. Der Machtkampf soll sich durch die ganze Organisation ziehen.

Zu der tödlichen Schiesserei kam es nach Angaben der Marine nahe der Ortschaft Progreso, 125 Kilometer westlich der texanischen Grenze. Die Streitkräfte hätten eine Patrouille entsandt, nachdem Beschwerden über bewaffnete Männer in dem Gebiet eingegangen seien.

Dort seien die Soldaten aus einem fahrenden Wagen heraus mit Granaten beworfen worden, erklärte die Marine. Ein Soldat sei verletzt worden. Bei einem anschliessenden Feuergefecht seien zwei Angreifer getötet worden. Im Fahrzeug der Männer stellten die Behörden unter anderem einen Granatwerfer, zwölf Granaten und zwei Gewehre sicher.

Für Hunderte Morde verantwortlich gemacht

Der Tod Lazcanos ist ein bedeutender Schlag gegen die Zetas. Der auch als «El Verdugo» (»Der Henker») bekannte Lazcano soll mehrere hundert Morde auf dem Gewissen haben.

Dazu gehört die Ermordung von Francisco Ortiz Franco, einem Redaktor einer Wochenzeitung aus Tijuana, die häufig über den Drogenhandel berichtete. Ortiz Franco wurde im Juni 2004 vor den Augen seiner beiden kleinen Kinder erschossen, als er gerade ein Spital verliess.

Lazcano hatte die Zetas zusammen mit anderen Deserteuren einer militärischen Eliteeinheit gegründet. Ursprünglich waren «Los Zetas» ein bewaffneter Arm des Golf-Kartells. Seit sich die Gruppierung vor zwei Jahren selbstständig gemacht hat, herrscht zwischen den beiden Banden ein blutiger Krieg um die Kontrolle der Schmuggelrouten in die USA.

«Los Zetas» hat grosse Teile des Nordens und Ostens von Mexiko im Griff. Der Einfluss des Drogenkartells reicht aber bis nach Guatemala und anderen Ländern Mittelamerikas. Die Bande ist bekannt dafür, dass sie Feinde köpft und zerstückelt.

Blutiger Kampf zwischen Drogenbanden

Erst Ende September hatten die mexikanischen Behörden ein weiteres Führungsmitglied von «Los Zetas», Iván Velázquez Caballero alias «Z-50», gefasst. Seit der scheidende Präsident Felipe Calderón bei seinem Amtsantritt im Dezember 2006 die Armee gegen die Drogenbanden einsetzt, sind bereits mehr als 60'000 Menschen im mexikanischen Drogenkrieg getötet worden.

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