«Bestie von Jersey» im Heim des Grauens?

  • Publiziert: 27.02.2008, Aktualisiert: 03.01.2012

LONDON – Der Skandal um das britische Kinderheim weitet sich aus: Nach einer Kinderleiche und weiteren möglichen Knochenfunden haben sich bis jetzt 150 Zeugen gemeldet, die Schreckliches berichten – auch von einem pädophilen Serientäter!

Am Sonntag fanden Polizeihunde im ehemaligen Kinderheim «Haut de la Garenne» auf der Kanalinsel Jersey die Überreste einer verwesten Kinderleiche (Blick.ch berichtete). Und die Hunde schnüffelten weiter: An sechs anderen Stellen gaben sie an, was den Verdacht stärkt, dass auch hier im wahrsten Sinne Leichen im Keller liegen.

Der Keller, in dem jetzt gegraben wird, ist unheimlich: Hier wurden gemäss «Spiegel Online» die Kinder bei schlechtem Betragen eingesperrt. Während die Polizeitruppen fieberhaft nach weiteren menschlichen Überresten graben, melden sich immer mehr Zeugen, die früher selbst in dem Heim gelebt hatten: 150 Männer und Frauen berichten Unglaubliches von ihrer Zeit im Kinderheim des Grauens!

Kinder verschwanden spurlos

Ein Zeuge erzählt von seinem Aufenthalt in den 60er Jahren. Ein Kind habe versucht zu fliehen und sei wenig später erhängt aufgefunden worden. Die Heimkinder hätten nie an einen Selbstmord geglaubt. Es gebe noch weitere Fälle, wo Kinder spurlos verschwunden und nie wieder aufgetaucht seien.

Dies bestätigen auch andere Zeugen. Dazu sei es gang und gäbe gewesen, die Kinder zu schlagen. Der damalige Direktor «hat mich vor versammelter Mannschaft so lange geschlagen, bis ich blutete. Einem Jungen hat er mit einem Stock den Finger abgetrennt», erzählt ein Zeuge in der «Times». Auch Vergewaltigungen und andere schwere Misshandlungen durch die Lehrerschaft und das Wachpersonal seien vorgekommen.

Bis jetzt haben die Ermittler 40 Verdächtige aus dieser Zeit identifiziert! Angeklagt wurde bis jetzt aber nur der einstige Wachmann Gordon Wateridge. Er wird demnächst in der Sache aussagen müssen.

Wollten die Behören den Skandal vertuschen?

Der ehemalige Gesundheitsminister von Jersey, Stuart Syvret, erhebt schwere Anschuldigungen. Die örtlichen Behörden hätten die Misstände im Heim vertuschen und die Gerüchte über das Heim ignorieren wollen. Weil er dem nachgehen wollte, sei er entlassen worden, ist Syvet überzeugt.

Das Heim wurde zwar 1986 geschlossen, aber Syvet ist sicher, dass der Missbrauch auch nach der Verlegung der Kinder weiter gegangen sei. Und dass nicht nur Haut de la Garenne, sondern auch andere Institutionen davon betroffen waren. Der Leiter der polizeilichen Ermittlungen hingegen erklärte gestern, es gebe keine Beweise dafür, dass die Behörden versuchten, den Skandal jemals zu vertuschen. (gux)

Besuch von der «Bestie von Jersey»

Edward Paisnel trieb sein Unwesen in den 60er und 70er Jahren auf Jersey. Der Pädophile versteckte sich immer hinter eine selbstgemachten Gummimaske. Er überfiel Kinder in der Nacht in ihren Betten und vergewaltigte sie. 13 solcher Fälle konnten ihm 1971 nachgewiesen werden. Er wurde zu 30 Jahren Haft verurteilt und starb 1994. Jetzt aber kommt ein schlimmer Verdacht auf: Paisnels Ehefrau hatte in einem Buch geschrieben, dass ihr Mann als Weihnachtsmann verkleidet auch das Kinderheim Haut de la Garenne besuchte. Britische Medien spekulieren nun, dass die «Bestie von Jersey» mit den grausigen Knochenfunden etwas zu tun gehabt haben könnte.



play Stuart Syvret vor dem Kinderheim des Grauens: Behörden wollten den Skandal vertuschen, ist er überzeugt.

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