Bernie Sanders bringt Hillary Clinton in Bedrängnis Wer ist der «Gras rauchende Sozialist»?

Er kam aus dem Nichts und hat es so weit gebracht, wie es dem Aussenseiter kaum einer zugetraut hätte. Bernie Sanders (74) könnte sogar seiner demokratischen Konkurrentin Hillary Clinton (69) gefährlich werden. Wer ist der alte Mann mit dem zu gross geschnittenen Jackett und dem zerzausten Haar?

Seine Revolution ist für seine Anhänger ein Versprechen – für die Superreichen eine Drohung. play

Seine Revolution ist für seine Anhänger ein Versprechen – für die Superreichen eine Drohung.

Reuters

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Donald Trump (69) – seine Frisur, seine polternden Auftritte, seine verbalen Entgleisungen gegen Frauen oder Moslems. Es ist in erster Linie der Republikaner, der rund um die Wahlen des nächsten US-Präsidenten immer wieder für Schlagzeilen sorgt. Vor allem für skandalträchtige und solche, die meist nur am Rande etwas mit Politik zu tun haben. 

Hillary Clinton siegt dankt Münzwurf

Bei den Demokraten geht es zumindest vor den Kameras ruhiger und gesitteter zu und her. Hillary Clintons (68) adrette Deux-Pièces und die skurrilen Privat-E-Mails stellen den Wahlkampf nicht gänzlich in den Schatten. Doch jetzt brodelts plötzlich auch in der Obama-Partei. Denn der Demokrat Bernie Sanders (74) greift nach dem Diadem der ungekrönten Hillary und hat sie bei den Vorwahlen in Iowa gestern empfindlich getroffen. Mit 49,6 holte er nur 0,3 Prozent weniger Stimmen.

Woher kommt die Begeisterung für den weissen Mann mit dem New Yorker Akzent? Wer stimmt für den Sohn jüdisch-polnischer Einwanderer? Es sind diejenigen, die mit Sanders in den Kampf gegen den Status Quo ziehen wollen. Die meisten von ihnen sind selber weiss, kommen aus dem Mittelstand, sind nicht besonders reich und nicht besonders arm. Sie unterstützen Sanders versprochene «politische Revolution», sind wie er dafür, die Wallstreet zu kastrieren, die wirtschaftliche Potenz der Superreichen zu beschneiden. 

Was will Sanders? 

Sanders selber nennt sich einen «demokratischen Sozialisten». Auf seiner Abschussliste stehen nicht nur die Republikaner, sondern vor allem auch die demokratische Erzfeindin Hillary Clinton. Die «Süddeutsche» zitiert aus einem Interview, in dem Sanders gefragt wurde, ob er bereit sei, «in ein paar republikanische Hintern zu treten». Das ist er. Aber: «Zunächst müssen wir uns noch um andere Hintern kümmern.» Und damit meint er nicht die seiner sieben Enkel.

Selfie mit Sanders: Viele seiner Anhänger sind noch jung. play

Selfie mit Sanders: Viele seiner Anhänger sind noch jung.

AP

Bernie Sanders will Studiengebühren abschaffen – und sie mit Geldern bezahlen, die durch die Besteuerung von Spekulationsgeschäften eingenommen werden. Die Krankenversicherung als «Grundrecht für alle» will er verstaatlichen – und durch leichte Steuererhöhungen finanzieren. Das Militär will er verkleinern und er setzt sich dafür ein, dass Käufer und Verkäufer von Waffen stärker durchleuchtet werden. Er will einen Mindestlohn von 15 Dollar einführen – und Frauen sollen gleich viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen.

Für seine Kandidatur und seine Ideen wurde der Politikwissenschaftler aus Vermont lange belächelt. Auch Obama liess sich während eines Presse-Dinners im vergangenen Frühling zu Spott hinreissen: «Ich mag Bernie. Scheinbar wollen manche Leute wirklich einen Gras rauchenden Sozialisten im Weissen Haus sehen.»

Der älteste und der erste jüdische Präsident

Sanders' bodenständige Art trifft seine Wähler und Unterstützer mitten ins politisch links schlagende Herz. Sie empfinden ihn als authentisch und ehrlich, trotz seiner langen Jahre im US-Senat als einer von ihnen. Ist er in Washington, verbringt er seinen Mittag oft in der Kantine des Kongressgebäudes. Nicht in «poshen» und überteuerten Restaurants. Meistens nimmt er den ÖV, um nach Hause zu kommen, einen Teil des Weges legt er sogar zu Fuss zurück.

«Ich wohne in der Nähe von Bernie Sanders. Obwohl ich politisch nicht auf einer Linie bin mit ihm, imponiert er mir. Anders als die meisten Kongress-Mitglieder, die von ihren Fahrern überall hingefahren werden, geht er jeden Tag zu Fuss zur Arbeit», schreibt ein Reddit-User. play

«Ich wohne in der Nähe von Bernie Sanders. Obwohl ich politisch nicht auf einer Linie bin mit ihm, imponiert er mir. Anders als die meisten Kongress-Mitglieder, die von ihren Fahrern überall hingefahren werden, geht er jeden Tag zu Fuss zur Arbeit», schreibt ein Reddit-User.

Reddit / trytoholdon

Würde er tatsächlich zum höchsten Mann der USA gewählt werden, wäre er der älteste je gewählte Präsident. Bis im November ist er 75 Jahre alt. Gleichzeitig wäre er der erste Präsident jüdischer Abstammung in der US-Geschichte. Schon in den 90er-Jahren hat Sanders nach eigenen Angaben für die Rechte von Schwulen gestimmt. Und noch viel früher, während der Proteste für Rassengleichheit in Chicago 1963, wurde er verhaftet. Er demonstrierte gegen diejenigen Schulen, die ihre Schüler in schwarz und weiss trennten. 

Ist Amerika bereit für Sanders' Revolution? Experten sind sich uneins. «Irgendwann wird ihm mit seinem für die USA radikalen Programm der Atem ausgehen», schreibt etwa «Spiegel.de». Seine Ideen seien in ihrer Kompromisslosigkeit zwar bewundernswert, aber undurchsetzbar – und unwählbar. 

Doch auch 2008 kandidierte ein solcher Unwählbarer. Barack Obama amtete acht Jahre als 44. Präsident der Vereinigten Staaten. 

Publiziert am 02.02.2016 | Aktualisiert am 02.02.2016
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US-Vorwahlen in Iowa Hillary Clinton siegt dankt Münzwurf

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5 Kommentare
  • Malik  Coelho aus Luzern
    02.02.2016
    Sanders bringt nicht nur die demokratische Mittelschicht an die Urne, sondern auch den Durchschnitts-Republikaner, der ebenfalls nichts von den amoralischen Steuerboni für Superreiche hat. Sanders überzeugt durch tiefes Fachwissen, und er vertritt seit Jahrzehnten die selben Standpunkte – im Gegensatz zu H. Clinton, die ihre Meinung so oft wechselt wie andere ihre Unterwäsche (siehe Youtube-Videos). Zudem nimmt er keine Wahlkampfspenden von den Super-Pacs an. Diese Aufrichtigkeit wird honoriert.
  • Malik  Coelho aus Luzern
    02.02.2016
    Sanders bringt nicht nur die demokratische Mittelschicht an die Urne, sondern auch den Durchschnitts-Republikaner, der ebenfalls nichts von den amoralischen Steuerboni für Superreiche hat. Sanders überzeugt durch tiefes Fachwissen, und er vertritt seit Jahrzehnten die selben Standpunkte – im Gegensatz zu H. Clinton, die ihre Meinung so oft wechselt wie andere ihre Unterwäsche (siehe Youtube-Videos). Zudem nimmt er keine Wahlkampfspenden von den Super-Pacs an. Diese Aufrichtigkeit wird honoriert.
  • Lou  Morace 02.02.2016
    Bernie Sanders ist ein moderner Sozial Demokrat so wie Europäer gewöhnt sind. Allerdings ist die USA noch zu wenig Politisch entwickelt.
  • Adrian  Müller 02.02.2016
    Er hört sich gar nicht so schlecht an. Zumindest seine Versprechungen. Jedoch ist er mit 74 Jahre schon wirklich alt. Ich weiss einfach nicht, ob er für einen solchen Job noch die Verfassung hat. Obama ist auch um viele Jahre gealtert.
  • Lucio Silva  Safnanno aus San Vito Lo Capo
    02.02.2016
    Es ist ja so schön, nicht nur die Amis fallen halt alle acht Jahre wieder auf Versprechen hinein, die dann während der Amtszeit sich in Nichts auflösen. Er ist zu alt und würde Ungemach im Mittleren Osten provozieren. Also weg mit ihm.