Erneuter verbal Ausrutscher von Italiens Regierungschef Berlusconi: Abschiebung ist besser als KZ!

  • Publiziert: 20.05.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
play Silvio Berlusconi (rechts) und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso gestern an der gemeinsamen Pressekonferenz. (AP)

Vor einem Monat verglich Silvio Berlusconi die Notlager für die Erdbebenopfer von L'Aquila mit einem Ferien-Camp. Nun greift er wieder zu unglaublichen Vergleichen - und tritt erneut ins Fettnäpfchen.

Die Lage ist ernst: Fast täglich landen auf der italienischen Insel Lampedusa Flüchtlinge aus Afrika. Die Flüchlingslager sind überfüllt. Die dortigen hygienischen Zustände ein Gräuel.

Und was sagt Italiens Regierungs-Chef Silvio Berlusconi dazu? Er vergleicht sie mit Konzentrations-Lagern aus der Nazi-Zeit!

So unglaublich es klingt: Mit diesem Vergleich versucht Berlusconi sich für seine eigene Politik zu rechtferigen. Seit seiner Machtübernahme fährt die italienische Regierung eine rigorose Abschiebe-Praxis gegen Flüchtlinge aus Afrika.

«Ich glaube, es ist viel einfacher, die individuelle Situation im Herkunftsland zu prüfen», meinte der Regierungschef an einer Pressekonferenz mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. «Anderfalls kommen sie hierher und landen in einem Lager, das – ich sollte das nicht sagen – einem Konzentrationslager gleicht.»

Ein erneuter verbaler Ausrutscher. Noch vor einem Monat redete sich Berlusconi ins Abseits, als er die provisorischen Hilfslager für die Erdbebenopfer von LAquila mit einem Ferien-Camp verglich (Blick.ch berichtete).

Der neue Sprach-Stolperer ist umso bemerkenswerter, als dass Berlusconi noch im Januar die Zustände in den Auffanglager um einiges positiver beschrieb: «Lampedusa ist kein Konzentrationslager, die Flüchtlinge können jederzeit ein Bier trinken gehen.» Die Aussage hatte damals zu Protesten und Ausschreitungen in den betroffenen Lagern geführt. (ent)

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