Bei einer Pandemie drohen 7 Millionen Tote

  • Publiziert: 28.04.2009, Aktualisiert: 03.01.2012

HONG KONG – Die Schweinegrippe sorgt für Angst und Schrecken: Wenn dem Virus die weltweite Ausbreitung gelingt, könnte es verheerend sein – gerade weil es weniger tödlich ist als SARS.

Die Schweinegrippe hat bis jetzt zwar «erst» gut 150 Tote in Mexiko gefordert, – doch bereits kursieren Horrorszenarien, wie das fiese Virus zum millionenfachen Killer auf dem ganzen Globus werden könnte. Die Epidemie würde dann zu einer so genannten Pandemie, was die kontinentübergreifende Ausbreitung einer Krankheit bedeutet.

Die letzte Grippen-Pandemie ist schon 41 Jahre her: 1968 sorgte das Hong-Kong-Virus für rund eine Million Tote. In den letzten Jahren waren SARS und die Vogelgrippe heisse Kandidaten für eine Pandemie – doch die Erreger schafften die weltweite Ausbreitung zum Glück nicht.

Und das ironischerweise, weil sie zu tödlich waren: Für eine anhaltenden Pandemie brauche es Viren, die von Mensch zu Mensch überspringen, ohne sie gleich umzubringen, erklärt der Mikrobiologe K.Y Yuen von der Hong Kong Universität gegenüber «CNN».

Genau diese Eigenschaft haben nun die Schweinegrippe-Erreger, wie Infektions-Experte Lo Wing-Luk erklärt. «Sie scheinen auch viel ansteckender zu sein als die SARS-Viren», warnt er. Noch hält die Weltgesundheitsorganisation WHO den Ball flach und betont, dass niemand sagen könne, ob die Schweinegrippe sich wirklich zu einer verheerenden Pandemie entwickle.

Ausbreitung innerhalb von zwei Jahren

Ein Szenario, wie eine solche weltweite Ausbreitung ablaufen könnte, lässt sich aufgrund historischer Erfahrungen aber skizzieren: Die Krankheit würde innerhalb von 18 bis 24 Monaten von Stadt zu Stadt überspringen und ein Drittel der Bevölkerung infizieren.

WHO-Vertreter gehen davon aus, dass bis zu 1,5 Milliarden Menschen weltweit medizinische Betreuung in Anspruch nähmen und 30 Millionen sich ins Spital einliefern lassen müssten. Epidemiologen sehen die Gefahr, dass bis zu sieben Millionen Personen sterben könnten.

«Die Spitäler wären hoffnungslos überfüllt, Schulen würden schliessen, Flughäfen wären leer», sagt Infektions-Experte Lo. Sein Kollege Yuen fügt hinzu: «Das Wirtschaftsleben würde enorm leiden, denn die Menschen vermieden so viele soziale Kontakte wie nur möglich».

Besonders gefährlich wäre die massenweise Ansteckung von medizinischem Personal. Denn wenn die Ärzte und Krankenschwestern ausfallen, wäre die Versorgung in den sowieso schon überlasteten Spitälern nicht mehr gewährleistet – Sterbe- und Ansteckungsraten würden steigen. (hhs)

Zu spät für Grenzschliessung

GENF – Es ist zu spät, den Ausbruch der Schweinegrippe durch Grenzschliessungen einzudämmen, wie WHO-Generaldirektorin Margaret Chan heute erklärte. Mit Blick auf die beträchtliche Ausbreitung des Virus sei es derzeit besser, zu versuchen, die Auswirkungen abzuschwächen, sagte Chan. «Es wäre vernünftig, dass kranke Personen, Auslandreisen auf später verschieben und Personen, die nach einer Auslandreise Grippesymptome aufweisen, einen Arzt aufzusuchen», führte Chan aus. (SDA)

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