«Gotteslästerung und Rowdytum» Band Pussy Riot schuldig - 2 Jahre Straflager!

MOSKAU - Die Richterin in Moskau hat die drei jungen Frauen von Pussy Riot schuldig gesprochen. Sie wurden zu je zwei Jahren Gefängnis verurteilt.

  • Publiziert: 17.08.2012, Aktualisiert: 18.08.2012
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Nach fast drei Stunden Urteilsverkündung steht die Strafe für Pussy Riot fest: Die drei Frauen müssen für je zwei Jahre hinter Gitter. Die fünf Monate Untersuchungshaft werden ihnen angerechnet. Ihre Verteidigung hat angekündigt, Rekurs gegen den Schuldspruch einzulegen.

Richterin Syrowa sprach im Gericht von «Gotteslästerung» und «verbrecherischen Taten», welche nichts mit einer künstlerischen Leistung zu tun hätten. Gemäss Syrowa sei ausgeschlossen, dass die Tat politisch motiviert sei. Die Frauen hätten ihre Aktion trotz Warnungen des Aufsichtspersonals durchgeführt. Ausserdem beleidigten sie die Gefühle der Gläubigen, so die Richterin.

«Rowdytums aus religiösem Hass»

Nadeschda Tolokonnikowa (23), Maria Aljochina (24) und Jekaterina Samuzewitsch (30) waren wegen «Rowdytums aus religiösem Hass» angeklagt.

Die Staatsanwaltschaft forderte für die drei Bandmitglieder drei Jahre Lagerhaft. Der Verteidiger betonte heute erneut, dass seine Mandantinnen unschuldig sind. «Genau so hätte man sie eines Mordes oder gleich des Völkermordes beschuldigen können», sagte er der Zeitung «Novaja Gazeta».

Die Sicherheitsvorkehrungen rund um den Prozess waren enorm. Die Polizei hat das Gerichtsgebäude weiträumig abgesperrt. Somit wollten die Behörden Protestaktionen von Pussy-Riot-Anhänger verhindern. In der russischen Hauptstadt hatten sich viele Gegner und Unterstützer der Band eingefunden. «Novaja Gazeta» berichtet, dass in Moskau russische Anonymous-Aktivisten mehreren Denkmälern in der Stadt bunte Strickmützen aufgesetzt haben.

Die russische Polizei hat vor dem Moskauer Chamowniki-Gericht den Oppositionsführer Sergej Udalzow und den Ex-Schachweltmeister Garri Kasparow verhaftet. Die beiden hatten sich Protestierenden angeschlossen.

Weltweite Solidarität

Die Anklage der drei Frauen löste auch international Empörung aus. Kreml-Kritiker sehen dahinter den Versuch, die Gegner Putins einzuschüchtern. In über sechzig Städte auf der ganzen Welt wurden Protestaktionen angekündigt. So auch in der Schweiz. Auf dem Zürcher Lindenhof hat das Frauenbündnis ein Transparent mit der Aufschrift «Free Pussy Riot» aufgehängt, um ihre Solidarität kund zu tun.

Die drei Musikerinnen hatten im Februar die Christ-Erlöser-Kathedrale der russisch-orthodoxen Kirche gestürmt. Dort riefen sie in einer schrillen Aktion die Jungfrau Maria um Erlösung von Präsident Wladimir Putin an. Damit wollten die Frauen nach eigenen Angaben gegen die Unterstützung der Regierung durch die orthodoxe Kirche protestieren. (woz)

Schachweltmeister wegen Pussy Riot verhaftet

Zeugen berichten, die Polizei trage Oppositionelle an Händen und Beinen aus der Menge heraus. Wie eine russische Nachrichtenagentur berichtet, sind schon fünf Wagen mit festgenommenen Demonstranten weggefahren.  Auch der weltberühmte Schachweltmeister und Oppositionsführer Garri Kasparow (49) ist unter den Protestierenden und wurde verhaftet. Ein Twitterbild zeigt ihn, wie ihn drei Polizisten im Innern eines Kastenwagens festhalten.

Kasparow war von 1985 bis 1993 offizieller Weltmeister des Weltschachbundes. Nach einem Streit mit der Organisation blieb er noch bis ins Jahr 2000 der inoffizielle Schachweltmeister. 2005  beendete er seine Schachkarriere und konzentrierte sich auf seine Rolle als Oppositionleader. (sax)

Beliebteste Kommentare

  • Adrian  Teuscher , via Facebook
    Und eine solche Nation sitzt im Sicherheitsrat der UNO! Eine Schande ist das! und die UNO nur noch ein lächerlicher Abklatsch ihrer selbst!
  • Peter  Bandi , Palma De Mallorca , via Facebook
    Wer einen Freispruch erwartet glaubt an ein Wunder, dies nicht im Putins Verbrecherstaat, wo staatskritische Journalisten ermordet werden. Die Rundschau hats auch wieder gezeigt.

Alle Kommentare (33)

  • Stefan  Treier , Effingen
    Ein menschenunwürdiger Schauprozess wie zu Stalins Zeiten. Mit dieser masslos übertriebenen und ungerechten Härte gegenüber den drei jungen Frauen beweist Putin, dass ihm jedes Mittel der Unterdrückung einfachster rechtsstaatlicher Grundrechte pässlich ist um seine diktatorische Macht zu festigen. Der Akt von "Pussi Riot" ist eindeutig politischer Natur, weshalb es total vermessen ist, von Rowdytum und Beleidigung der Gläubigen zu sprechen - eine Argumentation, welche für ein schreiendes Unrecht herhalten muss. Politiker aus aller Welt sollten gegenüber dem neuen stalinistischen Regime in Moskau mit klaren Konsequenzen reagieren. Die Demokratie ist in Russland in weite Ferne gerückt, denn jede Demokratie mag Opposition vekraften
    • 17.08.2012
    • 11
    • 5
  • Yvonne  Henz-Kleger , via Facebook
    Frag mich wo das mit Putin hin führt, der ist gefährlich!!!!!!!
  • peter  Schaad
    Putin hat Angst vor drei jungen Frauen. Das ist das wahre Gesicht dieses Machtmenschen. Ich frage mich, ob gerade dieser Prozess Putings Abgang einleutet. Er hat lange innere Stärke vorgespielt, die Fassade bröckelt aber immer mehr und den Leuten wird bewusst, dass der Weg in Meinungseinschränkung und Unterdrückung führt.
  • Antonio  Carestia , Lucerne , via Facebook
    Hätte schlimmer kommen könner,wenn man bedenkt,dass sie in Russland verurteilt worden sind !!!
    Andere Länder, andere Sitten...
    • 17.08.2012
    • 39
    • 9
  • Turi  Gubler
    Allen, die gegen Putin täubeln möchte ich in Erinnerung rufen, dass unser Freund, die USA, ein Lager namens Quantanamo haben. Dort werden unschuldige Menschen jahrelang eingesperrt und gefoltert.
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