Horror-Prognose: Bald 1 Million mit Schweinegrippe infiziert?

  • Aktualisiert am 02.01.2012
Jo Leinen (SPD): «Wir brauchen den Impfstoff so schnell wie möglich

BRÜSSEL - Die EU erwartet einen dramatischen Anstieg der Todesfälle durch das Schweinegrippe-Virus. Allein in Europa rechnen die Behörden mit einer Million Kranken.

Europaweit sind momentan 24200 Personen mit dem Schweinegrippe-Virus infiziert. Im Herbst, wenn die Menschen besonders anfällig auf Grippeviren sind, sollen es noch mehr werden. Sehr viel mehr!

Neben dem Anstieg der Infektionen wird auch mit einem rasanten Anstieg der Todesfälle gerechnet. «Die Skala ist nach oben offen, und kein Land in der EU wird verschont bleiben», sagte der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses des Europäischen Parlaments, Jo Leinen (SPD), gegenüber der «Osnabrücker Zeitung». In einigen spanischen Urlaubsregionen sei bereits eine «regelrechte Seuche» ausgebrochen.

Impstoff kommt zu spät

Nach Angaben des SPD-Politikers sollen 150 Millionen Europäer mit einem Impfstoff gegen das Schweinegrippevirus versorgt werden. Doch der kommt vielleicht viel zu spät, weil der Impfstoff erst im November zur Verfügung stehen soll!

Enorme Kosten

Die Kosten für eine Massenimpfung – immens! Leinen schätzt sie EU-weit auf bis zu drei Milliarden Euro. Doch es gibt weitere Probleme: Erstens stünden nur wenige Pharmahersteller bereit, den Impfstoff herzustellen. Zweitens wären EU-Mitglieder, die wegen der Weltfinanzkrise finanziell ohnehin schon am Abgrund stehen, nicht in der Lage sein, ausreichende Mengen an Impfstoff zu bezahlen. (lec)

Impf-Aktion: Mediziner warnen

Der Arzt und Herausgeber des pharmakritischen «Arznei-Telegramms», Wolfgang Becker-Brüser, kritisiert die geplante Massenimpfung gegen die sogenannte Schweinegrippe in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel».

«Was wir hier erleben, ist ein Großversuch an der deutschen Bevölkerung», sagte Becker-Brüser. Hintergrund der Warnung sei, dass die Sicherheitstests der Musterimpfstoffe nicht besonders umfangreich sein mussten, schreibt das Magazin.

Lediglich häufige Nebenwirkungen, die mindestens bei einem von 100 Geimpften auftreten, sollten demnach erkannt werden. Bei 25 Millionen Bundesbürgern, die im ersten Durchgang geimpft werden sollen, bedeute das rechnerisch: Fast 250.000 Menschen könnten eine schlimme Impfreaktion erleiden, ohne dass dies in den vorangegangenen Sicherheitsstudien aufgefallen wäre. (lec)
Virenschutz: Das ist der Schweinegrippe-Impfstoff. Nach zwei Wochen zeigt er erste Wirkung.- AP

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