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Aus dem Keller an die Wand

Das Inzest-Monster als Popart-Ikone? Der Künstler und Theologe Florian Nährer provoziert.

Interview: Frank Gerber | Aktualisiert um 07:32 | 25.07.2008
«Gott liebt das Inzest-Monster» Katholische Kunst oder plumpe Provokation?
«Gott liebt das Inzest-Monster» Katholische Kunst oder plumpe Provokation?
Sie haben Josef Fritzl ­gemalt. Wie reagieren die ­Betrachter?
Florian Nährer Bei meinen Freunden und Bekannten, die sich mit Kunst und Philosophie auseinandersetzen, kommt das Bild sehr gut an. Aber der Mann von der Strasse versteht es schwer. Manche fordern sogar die Todesstrafe für Fritzl. Ein Besucher hat das Bild ab- und dafür einen Zettel aufgehängt: Dieses Bild muss weg! Aber jetzt hängts wieder
im Café der Buchhandlung in St. Pölten (A).

Warum haben Sie ausgerechnet das Inzest-Monster gemalt?
Darf Kunst auch das Böse darstellen? Solche Fragen interessieren mich. Woran erkennt man, dass Fritzl böse ist? Nur aufgrund seines Gesichts aus den Medien. Typisch für Österreich: Erst begeilt man sich an den Details über die Tat, dann muss die Erinnerung möglichst schnell weg.

Sie wollen die Erinnerung wachhalten?
Vor allem habe ich Fritzl als pars pro toto für das absolut Böse genommen, um aufzuzeigen, dass Gott eben der vergebende Gott ist. Er vergibt auch das Schlimmste.

Wollen Sie mit dem Bild provozieren?
Gottes Zusage, jedem zu 100 Prozent zu vergeben, wenn er ehrlich bereut, ist sehr provokant. Ich hab mal ein anderes Bild gemalt mit dem Titel: «Adolf plays the harp now». Auch ein provokanter Gedanke: Hitler sitzt im Himmel ­neben Jesus und spielt Harfe. Wir Menschen meinen fälschlicherweise, wir könnten erkennen, wie Gott denkt.

Spielen Sie Gott, wenn Sie Fritzl malen?
Das ist ein Missverständnis. Ich spiele nicht Gott. Ich versuche, die Zusage Gottes zu verstehen. Die Vergebung Gottes geht über das menschliche Wertesystem hinaus. Gott liebt jeden Menschen gleich. Das ist eine Provokation Gottes, deshalb provoziere ich mit dem Bild. Jesus hat auch das ganze Wertesystem auf den Kopf gestellt und damit provoziert. Aber ich will mich natürlich nicht mit Christus vergleichen.

Sind Sie bei diesem Bild mehr Theologe als Künstler?
Ich versuche in meiner ganzen Kunst, brennende Themen auf­zunehmen. Es gibt ja kaum zeitgenössische Kunst, die die Bibel zum Anlass nimmt. Und Hardcore-Katholiken haben meist keinen Zugang zu zeitgenössischer Kunst. Ich will eine Brücke schlagen. Die Entwicklung der christlichen Kunst ist in den 50er-Jahren stecken geblieben.

Ist das Bild schon verkauft? Es ist ja sehr günstig: 1480 Euro …
Nein. Wer will schon Josef Fritzl übers Sofa hängen!
Obwohl: Ästhetisch gesehen ist das Bild sehr gelungen.

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Darf man das Inszest-Monster malen?

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Der österreichische Künstler und Theologe Florian Nährer (32) provoziert.
Der österreichische Künstler und Theologe Florian Nährer (32) provoziert.
Das sagen Blick.ch-Leser
danilos, Kloten - 07:03 | 27.07.2008
» Monster stellt man nicht als Kunst dar. Dies ist geschmacklos. Mit Hitler hat man dies ja auch nicht getan und dasselbe gilt für Monster Fritzl.
dh, gh - 21:15 | 26.07.2008
» Einfach eine unverschaemtheit!!! So ein grausiges Sbjekt noch zu malen!
Kobald, Zürich - 14:48 | 25.07.2008
» Gott? Wer weiss denn schon was Gott will - sollte es ihn überhaupt geben? Nur der Mensch weiss, was der Mensch will. Von Individualinteressen wird Gott permanent missbraucht: Kreuzzüge und jede Dreistigkeit sind das Resultat.
Rene, Oberdorf, BL - 13:22 | 25.07.2008
» Es geht in dieser Situation nicht darum ob die Opfer ein Leben lang leiden. Ich glaube dies auch und möchte hier nichts schönreden. Jedoch Provoziert die Frage ob Gott ALLEN vergibt, sehr stark. Ich denke, dass schon nur mit der Diskussion darüber, wie dies nun zu verstehen ist, einen Vorteil mit sich bringt, welcher dieses Bild rechtfertigt. Wieso denken wir, dass wir die Macht haben zu urteilen, was Richtig und was Falsch ist. Haben wir uns in diesem Fall nicht eine zu starke Bürde aufgelastet?
Daniel Leuenberger, Chisinau, Moldawien - 13:16 | 25.07.2008
» Wenn Kunst nicht zutiefst bewegt - egal wie - dann ist man am Ziel vorbeigegangen. Ich verstehe sowieso nicht, wieso wir immer alles in Gut und Boese einstufen. Es gibt massenweise Graufstufen. Ich bin absoluter Atheist aber wenn ein Christ glaubt wofuer er sich als Christ haelt, dann hat auch ein Adolf Hitler oder ein Herr Fritzl ein Anspruch auf Vergebung - selbst wenn dabei viele Menschen grausam leiden mussten. Und wenn man von diesem Menschen nicht wuesste was sie alles gemacht haben, wer koennte auf den ersten Blick sagen dass sie boese sind? Haben sie trotz ihrer grauenhaften Taten nicht auch irgendwo eine gute Seite gehabt? Provozierend, aber diese Frage muss man sich mal stellen.
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