Augenzeuge zum Attentat in Istanbul «Er hätte viel mehr Leute töten können»

Unter den Feiernden, die den Anschlag auf den Nachtclub in Istanbul überlebten, sind auch mehrere junge Männer aus Deutschland und Österreich. Sie schildern die Minuten des Horrors.

Augenzeuge vom Attentat in Istanbul: Hätten noch mehr sterben können play
Der Verletzte Onur M. (25) bekam am Sonntag Besuch vom türkischen Aussenminister Binali Yildirim. AP

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Rund sieben Minuten dauerte der Terror in Istanbuls Nobelnachtclub Reina. 39 Menschen kamen ums Leben, 69 weitere wurden verletzt, als ein bewaffneter Schütze am frühen Neujahrsmorgen die Disco stürmte und das Feuer eröffnete.

Der Club war zu diesem Zeitpunkt zum Bersten voll. Unter den Partygästen, die am Ufer des Bosporus Silvester feierten, waren auch die drei Freunde Onur M. (25), Ufuk A. (26) und Emre A. (25) aus Dortmund. Sie wollten nach einem Tag am Hotelpool das neue Jahr in der Nobeldisco begiessen, berichtet die «Bild».

Doch der Abend endete für zwei der Kollegen im Spital. Ufuk A. musste notoperiert werden, sein Freund Onur M. wird ebenfalls verletzt. Einzig Emre A. kommt ohne Verletzungen davon. 

Seine Freunde sind auf ihn gefallen

Emre A. berichtet «Bild» von der Horrornacht. Seine Freunde seien auf ihn gefallen, als der Täter begann, um sich zu schiessen. Er habe kaum noch Luft bekommen, erzählt Emre. «Es dauerte bestimmt 20 Minuten.» Der Täter sei durch den Club gelaufen, «er stiess uns mit dem Stiefel an». Wer sich bewegte, dem habe der Attentäter in den Kopf geschossen.

Er habe nur überlebt, weil er sich totgestellt habe, ist Emre überzeugt. «Mein weisses Hemd war voller Blut. Auch deshalb hielt er mich wohl für tot.»

Türsteher seien als Erste geflüchtet

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Den Anschlag im Club unverletzt überlebt hat auch der österreichische Blogger Mergim Shabani (26), der ebenfalls gemeinsam mit Freunden an der Silvesterparty war. Er habe gehört, wie der Attentäter «Allahu akhbar» gerufen habe, doch das habe «nicht wirklich leidenschaftlich» geklungen, erzählt er der «Presse».

Wohl habe er einfach sicherstellen wollen, dass der islamistische Hintergrund der Tat klar werde, mutmasst Shabani. «Er hätte viel mehr Leute töten können, hat aber irgendwann aufgehört zu schiessen, hat sich umgezogen und ist geflüchtet, wie uns andere Zeugen erzählt haben.»

Die Türsteher rannten als Erste weg

Im Nachhinein zeigt sich der Wiener überrascht, wie wenig Sicherheitsvorkehrungen im Club getroffen worden waren – obwohl Istanbul seit Monaten im Visier von Terroristen steht. Die Türsteher seien als Erstes weggelaufen, erinnert sich Shabani. 

Nach der grausigen Terrornacht würde er vorerst nicht mehr nach Istanbul reisen, meint er. «Aber nicht für immer.» Denn er wolle nicht, dass die Terroristen das erreichen, was sie mit den Anschlägen beabsichtigen: «Dass man nach solchen Anschlägen seinen Alltag aufgibt und ängstlich durchs Leben geht.» (lha)

Publiziert am 03.01.2017 | Aktualisiert am 05.01.2017
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