Max Göldi in Handschellen Auf dieses Foto war Gaddafi immer scharf

  • Aktualisiert am 19.01.2012
  • Von Simon Spengler und Clemens Studer
Dieses Bild ist Gaddafis Triumph: Max Göldi wird vor der ganzen Welt in Handschellen abgeführt.- AP

BLICK sagt, was wirklich hinter den turbulenten Stunden von Tripolis steckt.

Nach massiven Fortschritten auf dem diplomatischen Parkett schien die Lage doch noch zu eskalieren: Wüstendiktator Gaddafi liess in der Nacht auf Montag die Schweizer Botschaft mit einem Grossaufgebot seiner Polizei umstellen.

Gerüchte machten die Runde, er wolle die Botschaft stürmen lassen, sollte sich die Schweizer Geisel Max Göldi nicht bis 11 Uhr den libyschen Behörden stellen.

Die Botschafter Deutschlands, Österreichs, Frankreichs und der Niederlande handelten sofort: Als menschliche Schutzschilde eilten sie in die Schweizer Botschaft, um Gaddafi von seinem aberwitzigen Plan abzubringen. «Es war ein wichtiges Zeichen der Solidarität», kommentierte Österreichs Aussenminister Michael Spindelegger die unkonventionelle Aktion.

Die EU-Diplomaten hatten Erfolg. Die erste Geisel, Rachid Hamdani, verliess per Auto unbehelligt die Botschaft, um seine Ausreisepapiere zu holen. Max Göldi, Geisel Nummer zwei, stellte sich libyschen Polizisten.

In Handschellen wurde er angeblich ins Gefängnis Aïn Zara bei Tripolis verfrachtet. Ein Bild, auf das der Gaddafi-Clan seit Monaten brennt.

Das Aïn-Zara-Gefängnis hat einen zwiespältigen Ruf. Im einen Teil des Knastes führt die libysche Staatssicherheit das Regime, Folterungen sind an der Tagesordnung. Der andere Teil untersteht dem Justizministerium und gilt den Libyern als «Vorzeige-Gefängnis», das sie gerne auch mal westlichen Delegationen vorführen (Blick.ch berichtete). Hier soll Göldi seine Strafe absitzen.

Es besteht also berechtigte Hoffnung, dass Göldi halbwegs korrekt behandelt wird. Seinem Anwalt wurde zugesichert, Göldi könne jederzeit Besuch empfangen, erhalte einen persönlichen Übersetzer und würde medizinisch betreut. Auch gibt es Hinweise darauf, dass er nicht die ganzen vier Monate seiner Haftstrafe absitzen muss.

Gemäss Insidern liegt auch eine vorzeitige Begnadigung drin, falls der Deal zwischen der Schweiz, der EU und Gaddafi wie geplant zustande kommt.

An diesem Deal wird mit Hilfe diverser EU-Länder weiterhin fieberhaft gearbeitet. In Berlin hatte die deutsche Regierung letztes Wochenende direkte Kontakte zwischen dem Schweizer Unterhändler Michael Ambühl und der libyschen Seite vermittelt.

Letzten Donnerstag war Aussenministerin Micheline Calmy-Rey auf Vermittlung Spaniens mit dem libyschen Amtskollegen in Madrid zusammengetroffen. Das Ergebnis der intensiven Diplomatie war ein «Memorandum of Understanding», eine Absichtserklärung, wie die Affäre beendet werden könnte. Nur war Calmy-Rey schlauer als letzten Sommer Kollege Hans-Rudolf Merz: Sie verlangte, dass auf libyscher Seite ein tatsächlich Zuständiger unterschreiben müsse. Das hat der Gaddafi-Clan dann prompt wieder verweigert. Was aber die Verärgerung der EU-Staaten nur noch erhöhte.

Zentrale Punkte des Deals:

● Die Schweiz nimmt die Liste mit 188 unerwünschten Libyern zurück. Diese können dann wieder in alle Schengen-Länder reisen.

● Libyen nimmt die Einreisesperre für EU-Bürger zurück.

● Gaddafi lässt die beiden Schweizer Geiseln ausreisen.

● Die Genfer Justiz gibt Gas in ihrer Untersuchung, wie die Polizeifotos von Gaddafi-Sohn Hannibal an die Presse kamen. Die Schweiz «bedauert» die Veröffentlichung.

●  Ein Schiedsgericht unter deutscher Leitung untersucht abschliessend die Vorgänge um die Verhaftung von Hannibal Gaddafi in Genf.

Selbstverständlich steht nicht alles, was zur Einigung gehört, im Abkommen.

● Laut mit den Verhandlungen Vertrauten muss auch Göldis Arbeitgeber ABB sein «Scherflein» beitragen. Über die Höhe des Beitrages wird im Hintergrund noch mächtig gestritten.

●  Und natürlich durfte auch Gaddafi selbst sein Gesicht nicht verlieren. Also muss er gegenüber seinen eigenen Leuten zumindest einen Schweizer in Handschellen präsentieren können.

Auch wenn das Memorandum nicht unterzeichnet ist, scheint sich Libyen trotz lautem Getöse an den Plan zu halten. Wird jetzt alles gut? Im Moment deutet vieles darauf hin. Dank dem Engagement der EU. Aber auch das dürfte am Schluss nicht gratis sein. Der Österreicher Spindelegger tönt es bereits an: «Wir haben Solidarität gezeigt, das wünschen wir uns in Zukunft auch von anderen Schengen-Staaten.»

Top 3

1 Massaker in Syrien Assads Frau bricht ihr Schweigenbullet
2 Neues Bild aufgetaucht Hier sitzt Breivik nach seinem Massenmord in...bullet
3 Costa-Kapitän Schettino drohen 2697 Jahre Haft!bullet

Ausland