
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
play
Stammt der EHEC-Killerkeim aus Biogasanlagen in Deutschland? Hier eine Schweizer Anlage im Tessin. (Keystone)
«Es ist möglich, dass die EHEC-Erreger aus Biogasanlagen kommen», sagt Ernst-Günther Hellwig zu «Welt Online». Die Theorie des Leiters einer Agrar- und Veterinär-Akademie beruht auf zwei Aspekten: Schlamperei bei der Biogas-Produktion und dem anhaltend schönen Wetter.
In den Gär-Behältern der Biogasanlagen entstehen laut Hellwig völlig neue Bakterien. Diese landen dann zu auf Äckern und Feldern, denn rund 80 Prozent der Gärrückstände bei der Biogasproduktion werden als Dünger weiterverwendet.
So könnten die völlig neuartige Version des EHEC-Erregers, der bereits 21 Todesopfer gefordert hat, auf Gemüse in Deutschland gelangt sein. Verschlimmernd kommt hinzu: In Norddeutschland hat es seit Wochen nicht mehr geregnet – die Gülle mit den Erregern wurde nie richtig abgewaschen.
Sind die EHEC-Killerkeime also ein tödliches Nebenprodukt der boomenden Biogas-Branche? Von Bauern unwissentlich auf ausgetrocknete Felder gesprüht? Gegenüber «Welt Online» bekräftigt Bernd Schottdorf, ein anerkannter Labormediziner, die These, dass künstlich geschaffene Bakterien in Biogas-Meilern eine Rolle spielen könnten.
«Sie kreuzen sich und verschmelzen miteinander – was da genau passiert, ist weitgehend unerforscht», so Schottdorf. Er hält es daher für absolut notwendig, dass Deutschlands Biogasanlagen schnellstens auf EHEC und andere Krankheitserreger untersucht werden.
«Sonst droht möglicherweise die Gefahr», warnt Schottdorf, «dass wir auch in künftigen Sommern Epidemien mit bekannten oder neuen Erregern erleben werden.»
Die Biogas-Industrie winkt ab: Durch Erhitzung der Gärmasse auf 70 Grad würden sämtliche Erreger in dem stinkenden Gemisch abgetötet. Spezialisten wie Schottdorf oder Hellweg widersprechen. Erreger können solch eine Hitze überleben, sagen sie. Hier fehle es zudem an verlässlichen Forschungsergebnissen. Auch die Kontrolle der rund 6800 Anlagen in Deutschland sei nicht über alle Zweifel erhaben. (rrt)