Attentäter twitterte nach Anschlag: «Ich bin ein stressfreier Mensch»

BOSTON - Die Brüder Dzhokhar (19) und Tamerlan Tsarnaev (†26) haben die Bomben am Boston-Marathon gelegt. Wer sind die Boston-Bomber?

  • Publiziert: , Aktualisiert:
So präsentiert sich Dzhokhar Tsarnaev (19) auf einer russischen Internetplattform. play

So präsentiert sich Dzhokhar Tsarnaev (19) auf einer russischen Internetplattform.

(ZVG)

Heute gegen Mittag vermeldeten amerikanische Medien erstmals die Namen der Terroristen. Demnach heissen sie Dzhokhar (19) und Tamerlan Tsarnaev (†26), sind Brüder und stammen aus Dagestan. Wie die Nachbarregion Tschetschenien ist das eine islamisch geprägte Region Südrusslands.

Wie Klassenkameraden gegenüber CNN bestätigten, betrieb Dzhokhar den Twitter-Account «@J_tsar». Dort äusserte er sich nach den Anschlägen auch zu seinen Taten, freilich ohne preiszugeben, dass er dahinter steckte: «Keine Liebe im Herzen der Stadt, bleibt in Sicherheit, Leute.»

Andere Tweets verraten: «Ich bin stolz, ein Tschetschene zu sein». Ansonsten aber twitterte er ganz normale Sachen – was ein 19-Jähriger halt so schreibt. Am 16. April aber, als die Bomben bereits hochgegangen waren, schrieb er: «Ich bin ein stressfreier Mensch.»

Seit zehn Jahren in den USA

Gemäss der russischen Zeitung «Izvestija» hatten die beiden Brüder noch eine Schwester. Die Familie sei aus ursprünglich von Kirgisien nach Dagestan gekommen. Dann wanderten sie nach Amerika aus. Es heisst, die Brüder lebten nach dem Motto: «Islam, Karriere, Geld».

Beide sind bereits seit zehn Jahren in den USA, Dzhkohar erlangte die amerikanische Staatsbürgerschaft am 11. September 2012, sein Bruder Tamerlan hatte diese erst beantragt.

Der Ältere ist bei der Verfolgungsjagd mit der Polizei heute Nacht getötet worden. Über die Umstände liegen widersprüchliche Angaben vor. Es könnte sein, dass er durch Sprengstoff getötet wurde, den er auf sich trug. Der jüngere, Dzhokhar, ist derzeit auf der Flucht. An die 10 000 Polizisten suchen ihn.

Vom Student zum Boxer

Tamerlan kam in die USA und studierte am Bunker Hill Community College zunächst Ingenieurwesen. Dann gab er das Studium auf und nahm ein Training als Boxer auf. Er praktizierte auch Kriegskünste. Als Muslim trank und rauchte Tamerlan nicht. Letztes Jahr weilte er für sechs Monate in Russland.

In einem Porträt sagt Tamerlan: «Gott sagt nein zu Alkohol.» Und in einem weiteren Zitat: «Es gibt keine Werte mehr.» Er befürchte deshalb, dass die Leute sich nicht mehr unter Kontrolle hätten.

Bekannte erzählen, er habe einen Mercedes gefahren. Er habe gesagt, wenn er erfolgreich sei, könne er Mitglied der US-Olympiateams werden. Und solange Tschetschenien nicht unabhängig sei von Russland, wolle er lieber in den USA bleiben.

Von ihm ist auch folgender Twittereintrag bekannt: «Ich habe keinen einzigen amerikanischen Freund. Ich verstehe sie nicht.»

Sein 19-jähriger Bruder Dzhokhar ist derzeit flüchtig. Er lebte in Cambridge in der Nähe von Boston. Er soll im Jahr 2011 ein Stipendium von der Stadt Cambridge über 2500 Dollar erhalten haben. Er war ein ehrgeiziger Ringer. Von Studienkollegen wird er als zurückhaltend und freundlich beschrieben.

Der Supervisor des Schwimmzentrums an der berühmten Harvard-Universität sagte zu CNN, er habe Dzhokhar vor zweieinhalb Jahren als Rettungsschwimmer angeheuert. Er sei ein ruhiger, flotter Typ gewesen. Später habe er ihn aber aus den Augen verloren. Er lebte mit seinem Bruder Tamerlan zusammen.

Das sagen Verwandte der Terror-Brüder

CNN brachte heute Vormittag ein Interview mit Ruslan Tsarni (42), der sich als Onkel der Terroristen ausgab. Er sagte, er könne nicht glauben, was passiert sei. Auf Twitter wurde er zitiert mit dem Spruch, wer so etwas getan habe, der «verdiene nicht, auf dieser Welt zu leben».

Ein anderer Onkel, Alvi Tsarni, erklärte in einem Interview mit dem US-Sender CBS, die beiden seien wie Amerikaner gewesen. Die Familie schien zerstritten zu sein: «Gestern rief mich eine Nichte an. Sie weinte und erklärte mir dann, dass es sich bei den Tätern des Attentats in Boston um Tamerlan und Dshokar handelte.»

Gemäss diesem Onkel lebten die Brüder schon seit mehr als zehn Jahren in den USA.

Die Nachrichtenagentur AP zitiert den Vater der beiden mit den Worten: Der flüchtige Dzhokhar sei ein sehr guter Medizinstudent und «ein wahrer Engel».

Gigantischer Polizeieinsatz

In einer gigantischen Polizeiaktion im Bostoner Stadtteil Watertown wird derzeit nach Dzhokhar gesucht.

Wie fanden die beiden ihren Weg in die USA? Offenbar verliessen sie Tschetschenien und gingen zunächst nach Kasachstan. Von dort reisten sie in die USA ein und liessen sich in Boston nieder.

Fragen, die jetzt in den US-Medien diskutiert werden, sind:

  • Wo und wann wurden die Brüder zu ihrem Terrorakt motiviert?
  • Haben sie allein gehandelt oder als Teil eines Terrornetzwerks?

Beide sind Muslime. Auf sozialen Plattformen empfehlen sie einschlägige Seiten und Videos. Tamerlan zum Beispiel hat auf Youtube eine Playlist namens Terrorists und Islam. (snx/sas)

Marathon-Bomber: 1 Attentäter tot, 1 auf der Flucht

Beliebteste Kommentare

  • Thomas  Minder
    Das sind sogenannte Schläfer, welche nun zum Handeln aufgerufen wurden. Von diesen gibts auf der ganzen Welt tausende, leider kann man gegen solche Terroristen kaum etwas ausrichten.
  • Heinz  Grobi
    Unseren Datenschützern ins Stammbuch : " Die Täter konnten nur gefunden werden dank Ueberwachungskameras !"

Alle Kommentare (24)

  • Pit  Müller , Zürich
    Was wäre wenn euch die Polizei anfruft und sagt dass euer Kind bei einem Bomebnanschlag getötet worden ist. Bevor ihr hier Daumen runter klikkt und die USA verdammt dann überlegt lieber mal zuerst. Immerhin hat die amerikanische Regierung alles daran gesetzt dass diese beiden Hochkrimminellen Terroristen sofort genschnappt wurden. Tausende Bilder ausgewertet und ein Riesenaufgebot an Militär und Polizei. Und siehe da mit sehr schnellem Erfolg. Was auch gut war denn man sah ja dann dann diese beiden noch mehr Bomben bei sich hatten welche sie ja dann sogar aus dem fahrenden Auto warfen. Gut hat dies nun ein ende und wird hoffentlich den anderen Terroristen eine Abschreckung sein.
    • 20.04.2013
    • 44
    • 9
  • Esther  Bosshart , via Facebook
    Egal, welchem Glauben die beiden Täter angehören, sie haben Unmenschliches getan und wenn sie nun bei sterben, ist das Gottes Wille.

    An solchen Anlässen und an wichtigen Stellen, wo man einen späteren Terrorakt vermuten könnten, sollte man viele Videokameras installieren, damit die Täter schneller identifiziert werden können und nicht immer auf der Flucht erschossen werden.
    Sie haben es verdient, aber von Toten kriegt man keine Informationen mehr.

    Wer kein schechtes Gewissen hat, muss sich vor Kameras nicht fürchten.
    • 20.04.2013
    • 25
    • 6
  • Harry  Schenk
    Finde es sehr anmassend, das es hier Kommentare gibt, die diese zwei Kriminelle noch fast in den Schutz nehmen wollen. Dank Überwachungskameras wurden die zwei schnell identifiziert und aus dem Verkehr gezogen. In den USA herrscht eben kein Täterschutz wie bei uns. Und die bekennende Zuneigung zum Islam ist wohl kein Zufall...
  • Rudolf  Baumann , via Facebook
    Sich nach solch bestialischen Handlungen selbst betont als Mensch zu bezeichnen, da muss ich staunen. Nun ja, nur Menschen tun sowas, aber ist er deshalb einer? Für mich hat so jemand seine Menschlichkeit verloren, jemand der 8-jährige in die Luft sprengt und danach noch behaupt stressfrei zu sein.
  • daniel  reneau , montreux
    Was versucht die ami administration mit dieser berichterstattung ? Den grössten verbrecher der welt als opfer darzustellen??? Ihr eigenes volk glaubts vielleicht, aber bei uns könnt ihr mit so einem mIst aufhören
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