Assad im Interview mit «Rundschau»-Moderator Brotz «Terroristen als Stellvertreter für andere Länder»

Syriens Präsident Baschar al-Assad spricht im Schweizer Fernsehen (SRF) von der Verpflichtung, die aufständischen «Terroristen» aus Aleppo zu vertreiben.

Assad zu «Rundschau»-Sandro Brotz: «Terroristen als Stellvertreter» play
20 Minuten lang hat Baschar al-Assad auf alle kritischen Fragen von SRF-Mann Sandro Brotz geantwortet. SRF

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«Wir müssen die Terroristen angreifen, das ist offensichtlich», sagt der syrische Präsident Baschar al-Assad in einem Interview mit der SRF-Sendung «Rundschau» von heute Abend. Nur so könne man das syrische Volk beschützen, das «von den Terroristen getötet und gänzlich kontrolliert» werde. Das syrische Regime bezeichnet generell alle Gegner als «Terroristen», auch die Rebellen.

«Wir haben eine echte Opposition»

«Wenn sie irgendjemanden haben, der Maschinengewehre oder Waffen trägt und Menschen unter irgendwelchen Titeln tötet und Vandalismus begeht und öffentliches oder privates Eigentum zerstört: Das ist ein Terrorist», sagt Assad im Gespräch. Von Opposition könne man darum nicht sprechen. Über eine «freie, echte Opposition» verfüge Syrien aber sehr wohl. «Wir haben sie und Sie können sie treffen und können sie filmen.»

Assads Armee hat mit russischer und iranischer Hilfe die Angriffe auf Aleppo zuletzt verstärkt und dabei die Lage der Zivilbevölkerung noch schlimmer gemacht. UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon sprach von Kriegsverbrechen.

Verantwortung für Flüchtlinge von sich gewiesen

Die Bezeichnung «Kriegsverbrecher» weist Assad zurück. Er beruft sich dabei auf das Völkerrecht, das es der syrischen Regierung erlaube, das Land gegen «Terroristen» zu verteidigen, die «als Stellvertreter für andere Länder in Syrien einmarschiert sind».

Dass Millionen von Menschen aus Syrien flüchteten, liege nicht an seiner Person, sondern an den «Aktivitäten» der «Terroristen». Letztere würden die Menschen «direkt» töten und das Leben in Syrien durch Attacken auf Infrastruktur «in jedem Sektor» lahmlegen. Schliesslich sei es auch das Embargo «des Westens», das die Leute dazu zwinge, «ihre Lebensgrundlage ausserhalb von Syrien zu suchen».

Angesprochen auf die Bombenangriffe auf Spitäler in Aleppo, bei welchen in den vergangenen Wochen zahlreiche Zivilisten getötet wurden, weist Assad jegliche Verantwortung von sich. Man könne einem «solch grausamen Krieg» nicht fünfeinhalb Jahre lang standhalten, während man seine eigenen Leute umbringe, sonst verliere man als Regierung den Krieg.

Das Völkerrecht sei zu befolgen, doch Fehler gebe es immer. Dass in Aleppo unschuldige Zivilisten sterben, räumt Assad ein. Unschuldige Opfer seien zu bedauern, jeder Krieg sei ein schlechter Krieg.

«Nicht den Hauch eines Beweises» für Chemiewaffen-Einsätze

Den Vorwurf, Chemiewaffen eingesetzt zu haben, weist Assad von sich. Hierzu gebe es «nicht den Hauch eines Beweises». Auch den Einsatz von Fassbomben streitet der Machthaber ab. «Dass wir auf Flächenbombardements setzen, ist eine Behauptung des Westens, um zu zeigen, dass wir wahllos Zivilisten töten.»

Beim Thema Foltergefängnisse – die Menschenrechtsorganisation Amnesty International spricht von 18'000 Toten – verweist Assad darauf, dass entsprechende Berichte «nicht unabhängig» und «nicht unparteiisch» seien. Ob das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) Zugang erhalten soll, habe man intern noch nicht diskutiert.

Keine Verhandlungen mit Al-Kaida, Al-Nusra oder IS

Er glaube weiterhin an eine diplomatische Lösung des Kriegs, versichert Assad. Möglich sei ein Dialog aber ausschliesslich mit politischen Parteien und Kämpfern, die bereit sein, ihre Waffen abzugeben. Mit Terrorgruppierungen wie Al-Kaida, Al-Nusra oder dem Islamischen Staat (IS) könne man deshalb nicht verhandeln.

Die für Morgen angekündigte kurze Waffenruhe für Aleppo sei ein «wichtiger Schritt», damit Hilfsgüter die Menschen in verschiedenen Vierteln der Stadt erreichen könnten. Zivilisten sollten zudem in «von der Regierung kontrollierte Gebiete» wechseln können.

Seit die Gewalt in Syrien vor mehr als fünf Jahren ausbrach, starben nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mehr als 290'000 Menschen. Andere Schätzungen gehen von rund 400'000 Toten aus. Fast ein Drittel der Opfer sind demnach Zivilisten.

«An den Sieg glauben»

Er sei sicher, den Krieg in Syrien zu gewinnen, sagt Assad. «Wenn du das nicht glaubst, verlierst du. Ein Teil des Krieges besteht darin, an den Sieg zu glauben. Darum ist es offensichtlich, dass man einfach daran glauben muss.»

Das Interview mit Assad führte «Rundschau»-Modrator Sandro Brotz nach SRF-Angaben gestern in Damaskus. Das syrische Informationsministerium habe die genaue Dauer des Gesprächs festgelegt und darauf bestanden, dass Letzteres in der Schweiz in voller Länge ausgestrahlt werden müsse. Zensur habe es keine gegeben, jede Frage sei zugelassen worden. (SDA)

Publiziert am 19.10.2016 | Aktualisiert am 20.10.2016
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6 Kommentare
  • Peter  Habermacher 20.10.2016
    Ein sehr gutes Interview mit sehr guten Fragen. Die Fachspezialisten nach dem Interview hätte man sich schenken können. Assad ist zwar ein Zyniker, aber in den meisten Punkten hat er absolut recht. Auch hat er recht dass er das Land gegen die Terroristen verteidigen will und dies auch macht. Ich glaube nicht dass der Westen ihn als Kriegsverbrecher titulieren sollten wenn man daran denkt, wer was in Lybien und Irak gemacht hat ... man sollte keine Steine werfen wenn man im Glashaus sitzt.
  • Othmar   Huber 20.10.2016
    Danke - das war eine echte Reportage. Die Schlussfolgerungen von dem "Experten" Pelda waren jedoch bedenklich einseitig und ohne Faktencheck. Man beisst ja nicht die Hand von der man gefüttert wird. Das einem Land die Verteidigung durch eine finanziell und waffentechnisch durch andere Länder ausgerüstete Opposition zugestanden werden muss ist ja sicher keine Frage.
  • Meyer  Roman aus Aarau
    20.10.2016
    Gratulation an Sandro Brotz.

    Diese Gespräch zeigt deutlich wie schwierig das Leben im Nahen Osten ist.

    Irak und Libyen wurden von den USA eingenommen und eine eigene Regierung eingesetzt.

    In Syrien geht das seit 5 Jahren Krieg nicht so schnell.

    Assad hat schon recht, wenn wir alles Nüchtern betrachten, ist es extrem schwer alles zu verstehen warum so viele Länder seit 5 Jahren Krieg führen in Syrien.

    Wir hoffen dass die Syrer bald im Frieden Leben können.


  • Julian  Wolf 20.10.2016
    Kompliment an Sandro Brotz und die Rundschau!
    Den kritischen Journalisten und Transatlantiker Pelda hätten Sie uns aber ersparen können ......
  • Roland  Benz , via Facebook 20.10.2016
    Was garantiert Frieden? Bei dieser Frage scheint sogar Google an seine Grenzen zu stossen. Ich deute das als Indiz dafür, dass dieses Konzept zwangsläufig an der Realität scheitern muss. Eine Welt, bestehend aus vielen tausend Kleinstaaten, hätte beispielsweise den Effekt, dass nicht bei jeder Staatskrise gleich riesige Völkerwanderungen ausgelöst würden. Ich kann mir jedoch keine Regierung der Welt vorstellen, die bei einer solchen Forderung nicht bereit wäre, ihre Armee zu mobilisieren.