Datenklau Anwalt zeigt Merkel wegen CD-Kauf an

  • Publiziert: 04.02.2010, Aktualisiert: 03.01.2012

Nachdem die deutsche Regierung angekündigt hat, dass sie die Steuersünder-CD kaufen werde, hat jetzt ein Rechtsanwalt Strafanzeige erstattet. Gegen die Bundeskanzlerin persönlich.

In der Affäre rund um die CD mit den geklauten Bankkundendaten ist ein weiteres Kapitel eröffnet: Der Dresdner Rechtsanwalt Frank Hannig hat Strafanzeige erstattet – gegen die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Dies, nachdem heute deutlich wurde, dass sich Deutschland auf den Kauf der CD mit kopierten Bankkundendaten von deutschen Steuersündern einlassen wird (Blick.ch berichtete).

Für Hannig «überschreitet die Bundesregierung mit dem Erwerb der CD die Grenzen der Rechtsstaatlichkeit», heisst es auf der Homepage seines Büros.

«Verdacht auf Anstiftung zu Straftaten»

Dem Anwalt zufolge besteht «der Verdacht auf Anstiftung zu Straftaten, insbesondere der Hehlerei, der Begünstigung, des Ausspähens von Daten sowie der öffentlichen Aufforderung zu Straftaten und Verleitung eines Untergebenen zu einer Straftat», wie er heute gegenüber der «Dresdner Neusten Nachrichten» sagte.

Hannig, ein Parteikollege Merkels, erklärte weiter: «Die Staatsanwaltschaft muss prüfen, ob das, was die Bundeskanzlerin öffentlichkeitswirksam tut, noch von den Gesetzen der Bundesrepublik gedeckt ist.»

Blosser «Unfug?

Doch die Kritik an der Anzeige gegen die höchste Deutsche liess nicht lang auf sich warten: Hanning wird «Populismus» vorgeworfen. Ausserdem habe die Bundesrepublik niemanden mit dem Diebstahl der Daten beauftragt. Und: Eine Anzeige gegen die Kanzlerin sei schlichter «Unfug», da nicht sie, sondern das Finanzministerium oder eine ihm untergeordnete Behörde die CD kaufe.

Allerdings: Auch der Deutsche Anwaltverein ist alarmiert ob dem Vorgehen der Regierung. Der Staat dürfe sich nicht an Straftaten beteiligen. Dieses Prinzip sei jetzt umgeworfen und Steuerinteressen untergeordnet worden, hiess es. (gux)

Schäuble: Einig, nicht einig zu sein

Der deutsche Finanzminister Wolgang Schäuble hat den Kauf der CD mit den gestohlenen Bankkundendaten verteidigt. Er hoffe, dass es dereinst nicht mehr nötig sein werde, auf diesem Weg an Daten von Steuerhinterziehern zu kommen. Sollten ihm weitere Kundendossiers aus der Schweiz angeboten werden, werde er jeden einzelnen Fall prüfen. Langfristiges Ziel müsse sein, dass es überhaupt nicht mehr zu solchen Fällen komme.
Schäuble zeigt aber auch Verständnis für die Schweiz. Im Interview mit der Tagesschau des Schweizer Fernsehens sagte er: «Die Schweiz hat eine andere Tradition und eine Erfahrung. Sie fühlt sich in dieser Angelegenheit natürlich schlecht behandelt. Das respektiere ich.» Er habe Finanzminister Merz direkt angerufen, weil er Verständnis habe für die Situation der Schweiz. Die gute Zusammenarbeit solle fortgesetzt werden, daran liege ihm viel, so Schäuble. Allerdings: «Ich habe ihm meine Position erklärt und er mir seine und wir waren uns einig, die stimmen nicht überein.»
play Anwalt Frank Hannig. (Hanning-partner.de)

Top 3

1 Teufelskerl! Mann springt aus 731 Metern Höhe – ohne Fallschirmbullet
2 Private Firma kauft 14 Kampfjets «Wie Top-Gun, nur besser und globaler»bullet
3 Auf Sardinien Schweizer (46) stürzt in den Todbullet

Ausland