20 Tote bei Konvoi-Bombardierung in Aleppo Uno stellt alle Hilfslieferungen nach Syrien ein

Nach dem Luftschlag gegen einen Hilfskonvoi hat die Uno angekündigt, vorerst keine Lieferungen nach Syrien mehr zu schicken. Der Konvoi hatte unter anderem Lebensmittel, Mehl, Medikamente und Kleidung für über 78'000 Syrer geladen. Mindestens 20 Helfer starben bei dem Angriff.

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Die Vereinten Nationen haben mit Abscheu und Fassungslosigkeit auf einen tödlichen Luftangriff auf einen von ihr organisierten Hilfskonvoi in Syrien reagiert. Uno-Vertreter zeigten sich «enorm empört» und rückten den Angriff in die Nähe eines Kriegsverbrechens. Mittlerweile hat die Uno angekündigt, dass sie ab sofort keine Hilfslieferungen mehr nach Syrien schickt.

Angriff auf Uno-Hilfskonvoi bei Aleppo: Uno stellt Hilfeleistungen ein play
Der Konvoi mit Hilfsgütern vor der Abfahrt nach Aleppo.  SYRIAN RED CRESCENT/HANDOUT

Sollte sich der Angriff vorsätzlich gegen die Helfer gerichtet haben, «dann läuft dies auf ein Kriegsverbrechen hinaus», sagte der Chef der Uno-Hilfseinsätze, Stephen O'Brien, am Montag in New York. Der Uno-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, brachte seine «enorme Empörung» über den Vorfall zum Ausdruck.

Angriff auf Uno-Hilfskonvoi bei Aleppo: Uno stellt Hilfeleistungen ein play
Ein Hilfsmitarbeiter beschreibt die Situation nach den Luftangriffen. AP

Die Uno-Vertreter betonten, dass der Konvoi der LKWs mit Hilfsgütern für die Region Aleppo in intensiven Verhandlungen mit den dortigen Kriegsparteien vorbereitet worden und klar als humanitärer Transport gekennzeichnet gewesen sei. Der Konvoi hatte unter anderem Lebensmittel, Mehl, Medikamente und Kleidung für dringend hilfsbedürftige Menschen geladen.

Angriff auf Uno-Hilfskonvoi bei Aleppo: Uno stellt Hilfeleistungen ein play
Die Fahrzeuge wurden bombardiert und mehrere Helfe starben. SYRIAN RED CRESENT/HANDOUT

Es gebe «keine Erklärung und keine Entschuldigung, keinen Grund und keine Rechtfertigung dafür, Krieg gegen tapfere und selbstlose humanitäre Helfer zu führen», sagte O'Brien. Er forderte eine Untersuchung.

Appell an Russland

Die USA richteten derweil Vorwürfe an Moskau und Damaskus. Als Verantwortliche für den Angriff auf den Konvoi kämen nur die Luftwaffe der syrischen Regierung oder deren Verbündeter Russland in Frage, sagten hochrangige Vertreter des US-Aussenministeriums.

«Russland steht nun in der Pflicht, schnell und nachdrücklich zu demonstrieren, dass es sich dem Friedensprozess verpflichtet fühlt», sagte einer der US-Vertreter. «Die Russen haben die Verantwortung, selbst solche Aktionen zu unterlassen, aber sie haben auch die Verantwortung, das Regime davon abzuhalten.» Der Angriff sei ein schwerer Schlag für die Friedensbemühungen.

Angriff auf Uno-Hilfskonvoi bei Aleppo: Uno stellt Hilfeleistungen ein play
Zerstörte Gebäude in Aleppo. (Archivbild) Keystone/AP/MANU BRABO

Angeblich zwölf Hilfsmitarbeiter gestorben

Der Uno zufolge wurden am Montag mindestens 18 Lastwagen mit Hilfsladungen bei Angriffen in Orum al-Kubra westlich von Aleppo beschädigt. Sie gehörten zu einem Konvoi von 31 Fahrzeugen der Uno sowie des Syrischen Roten Halbmonds, die 78'000 Menschen in Orum al-Kubra versorgen wollten.

Nach Angaben des Roten Kreuzes wurden bei dem Luftschlag mindestens 20 Mitarbeiter des Roten Halbmonds und Fahrer der Lastwagen getötet. Uno-Vertreter O'Brien sagte, bei dem Angriff seien auch ein Lagerhaus des Roten Halbmonds sowie eine Klinik getroffen worden.

Russland und die USA hatten in der vergangenen Woche eine Waffenruhe für Syrien ausgehandelt. Diese wurde am Montag aber von der syrischen Armee für beendet erklärt. Sie sei von den Aufständischen «in keinem einzigen Punkt eingehalten worden». Die Waffenruhe hätte «eine reale Gelegenheit sein können, das Blutvergiessen zu stoppen, aber die bewaffneten terroristischen Gruppen haben das Abkommen missachtet».

Versagen der Weltgemeinschaft

Vor dem für Dienstag geplanten Treffen der internationalen Syrien-Unterstützergruppe in New York warf die syrische Opposition der Weltgemeinschaft Versagen vor. «Die Welt begnügt sich damit, zuzusehen ohne einzuschreiten», sagte der Koordinator des oppositionellen Hohen Verhandlungskomitees (HNC), Riad Hidschab, am Montag in New York.

Nach der Aufkündigung der Waffenruhe durch die syrische Armee gehe das Blutvergiessen unvermindert weiter, klagte Hidschab. «Russland und der Iran vergiessen syrisches Blut, das Regime bombardiert Spitäler, es wirft tausende Fassbomben und andere geächtete Bomben ab - und die Welt schaut zu.» Die Resolutionen des Uno-Sicherheitsrats seien alle «vergeblich» gewesen.

32 Zivilisten getötet

Insgesamt wurden bei neuen Luftangriffen in der Provinz Aleppo am Montagabend nach Angaben der Aktivisten von der oppositionsnahen Beobachtungsstelle 32 Zivilisten getötet, darunter sechs Menschen in der Stadt Aleppo. Ein AFP-Reporter berichtete von ununterbrochenen Bombardements – Ambulanzen mit heulenden Sirenen rasten durch den östlichen Teil der Stadt. Auf Twitter schrieb ein Journalist: «Mein Freund aus Aleppo hat mir die Situation mit sechs Wörtern beschrieben: Es ist schrecklich. Luftangriffe, Tod und Zerstörung.»

Das russische Militär, das die syrische Führung unterstützt, erklärte, die Aufständischen hätten einen Grossangriff auf Stellungen ausserhalb von Aleppo gestartet, die von der Regierung gehalten werden. Darauf hätten die Regierungstruppen mit «massiver Artillerie» reagiert. Auch die syrische Armee wirft den Aufständischen vor, die Waffenruhe nicht eingehalten zu haben. (SDA/pfc)

Publiziert am 20.09.2016 | Aktualisiert am 21.09.2016
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9 Kommentare
  • Max  Stirni 20.09.2016
    Einen Menschen umzubringen ist Mord. Hundertausende umzubringen ist Aussenpolitik. Und die Verantwortlichen sind immun und werden nie zur Verantwortung gezigen. So läuft das auf der Welt.
  • Istvan  Gorowich aus Switz
    20.09.2016
    Na die Syrer oder Russen oder wer immer es war können sich jetzt ja entschuldigen und dann wieder zur Tagesordnung übergehen, genau so wie es die Amerikaner am Wochenende nach ihrem Angriff gemacht haben.
  • Fritz  Blasimann 20.09.2016
    Jetzt haben letzte Woche die Amis syrische Regierungstruppen beschossen und dadurch konnte der IS grosse Teile einer Stadt einnehmen. Ein riesen Skandal! Und jetzt zeigen die gleichen Amis schon wieder mit allen Fingern auf die Russen, obwohl man nicht weiss, ob es die Russen waren. So schön diese Propagandamaschinerie!
    • Roland  Waldispühl aus Kriens
      20.09.2016
      @ Herr Blasimann
      Als die USA irrtümlich den syrischen Militärkonvoi bombardiert hat, wurde durch Russland sofort eine UNO-Dringlichkeitssitzung einberufen. Warum denn jetzt keine? Geht das nicht auch unter das Kapitel Propagandamaschinerie? Das es Russland war behauptet auch niemand, in diesem Gebiet fliegen aber nur Einheiten der syrischen und russischen Luftwaffen.
      Der UNO Konvoi wurde mit allen Seiten verhandelt und angekündet, da kann sich niemand herausreden er habe es nicht gewusst.
    • Ralph  Thorny , via Facebook 20.09.2016
      Im einen Fall Militär mit Kampfauftrag im andern unbewaffnete, zivile Mitarbeiter am offiziellen UNO-Transport von dringendst benötigten Hilfsgütern. Dem Transport haben alle Parteien zugestimmt. Gibt es tatsächlich Leute mit einem Kopf die darin keinen Unterschied sehen können ?
  • Ralph  Thorny , via Facebook 20.09.2016
    Einfach nur unglaublich: Alle wussten vom UNO-Konvoi - alles spricht für Absicht. 12 selbstlose Mitarbeiter haben ihr Leben verloren. Das nächste Mal will die Lieferung der Hilfsgüter keiner mehr machen ! Wo die Russen die Finger drin haben gibts nur Betrug, unendlich Ärger und Tod. Der Westen muss sich (endlich) rüsten.
    • Peter  Habermacher 20.09.2016
      Warum müssen die Russen die Verantwortung dafür tragen? Den Krieg haben die syrischen Rebellen begonnen.
  • Felix  Kübler aus Schlieren
    20.09.2016
    Und da soll noch jemand etwas glauben... wieviele Menschenleben hat der "angeblich nicht gewollte" Angriff der Amerikaner gekostet, waren das nicht etwa 60 und sind die weniger wert als 32...
    Es ist jeder Tote einer zuviel, aber solange all die unterschiedlichen (guten) Rebellen unterstützt werden ist kein Ende in Sicht.
    Zudem FUNKTIONIEREN diese Menschen ANDERS - siehe Flüchlingscamp auf Lesbos - eine traurige Geschichte
    • Peter  Habermacher 20.09.2016
      absolut korrekt, die Amerikaner sollen einfach ruhig sein ... wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen.