Amokläufer erschiesst 32 Menschen!

  • Publiziert: 16.04.2007, Aktualisiert: 03.01.2012

BLACKSBURG (USA) – Der blutigste Amoklauf in der Geschichte der USA mit 33 Toten schockt die amerikanische Öffentlichkeit. US-Präsident George W. Bush reagierte mit Abscheu und Entsetzen.

Auch ausserhalb der USA herrschten Trauer und Bestürzung. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach Bush ihr Beileid aus. Die englische Königin Elizabeth, die sich nur selten öffentlich zu tagesaktuellen Ereignisse äussert, reagierte in einer Erklärung «geschockt und betrübt».

Ein Einzeltäter hatte am Montag der Technischen Hochschule Virginias in Blacksburg 32 Menschen erschossen und mindestens 15 verletzt, einige davon schwer. Nach dem Blutbad nahm er sich das Leben.

Motiv und Hintergrund des Massakers waren zunächst unklar. Ebenfalls nicht bekannt war vorerst, ob der Täter Student oder Mitarbeiter der Universität war, an der insgesamt 25000 Studenten eingeschrieben sind. Sein Name wurde von den Behörden nicht veröffentlicht. Ein Ermittler der US-Bundespolizei FBI, Richard Kolko, sagte, Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund gebe es auf Grund der ersten Beweislage nicht. Bei den meisten Toten handelte es sich um Studenten.

Bei einer Pressekonferenz wollte Polizeichef Wendell Flinchum nicht ausschliessen, dass ein Mitverschwörer oder ein zweiter Täter an dem Massaker beteiligt war. Die Polizei habe «eine Person von Interesse» vernommen, die eines der Opfer gekannt habe. Nähere Einzelheiten wollte er nicht sagen.

Die in die Kritik geratene Universitätsleitung verteidigte unterdessen die späte Warnung an die Studenten. Die Behörden hätten irrtümlich angenommen, der Täter habe nach den ersten Schüssen das Schulgelände wieder verlassen, sagte der Präsident der Technischen Hochschule Virginias in Blacksburg, Charles Steger. «Wir hatten keinen Grund zur Annahme, dass noch ein weiterer Zwischenfall passieren würde».

Einige Studenten hatten kritisiert, dass sie von den ersten tödlichen Schüssen erst Stunden später erfahren hätten. Der Student Jason Piatt sagte dem Sender CNN, die erste Warnung sei von der Universität per E-Mail rund zwei Stunden nach den ersten Schüssen gekommen. «Während sie diese E-Mail verschicken, werden 22 weitere Leute getötet.»

Steger verteidigte sein Vorgehen. «Wir können Entscheidungen nur auf Basis der Informationen treffen, die wir zur betreffenden Zeit hatten. Wir konnten nicht stundenlang darüber nachdenken.» Die Behörden wären zunächst davon ausgegangen, dass es sich um eine häusliche Auseinandersetzung handele.

Bei dem Amoklauf wurden nach vorliegenden Ermittlungen zunächst zwei Studenten in einem Wohnheim erschossen, die anderen starben rund zwei Stunden später in einem Unterrichtsgebäude. Die Studierenden wurden per E-Mail angewiesen, in den Gebäuden zu bleiben und sich von den Fenstern fern zu halten. Augenzeugen berichteten, dass Studenten in Panik aus Fenstern gesprungen seien, um sich in Sicherheit zu bringen.

Der Lehrbetrieb wurde für Dienstag abgesagt. Die Schule ist vor allem für ihre Fakultät für Ingenieurswesen bekannt.

Chronik des Grauens

Immer wieder kam es in den vergangenen Jahren an Schulen und Hochschulen in den USA zu tödlichen Schiessereien. Die nachfolgende Chronik gibt einen Überblick über ausgewählte Vorfälle: 24. März 1998: Ein Elfjähriger und ein 13-Jähriger erschiessen an einer Schule in Jonesboro in Arkansas vier Mädchen und einen Lehrer und verwunden zehn weitere Personen. 20. April 1999: An der Columbine High School in Littleton, Colorado, töten zwei 17 und 18 Jahre alte Schüler zwölf Mitschüler und einen Lehrer, bevor sie sich selbst erschiessen. 23 Menschen werden verletzt. 29. Februar 2000: Ein Sechsjähriger erschiesst an einer Grundschule in Mount Morris in Michigan eine gleichaltrige Mitschülerin. 22. November 2004: Ein 16-Jähriger erschiesst vor einer Highschool in Philadelphia einen Gleichaltrigen und verwundet drei weitere Schüler. 21. März 2005: Im US-Bundesstaat Minnesota erschiesst ein 17-Jähriger zunächst seinen Grossvater und dessen Lebensgefährtin, dann tötet er an der High School des Indianer-Reservats von Red Lake sieben Menschen, darunter fünf Schüler. Anschliessend nimmt er sich selbst das Leben. 8. November 2005: Ein 15-jähriger Schüler erschiesst an der Campbell County High School im US-Staat Tennessee einen Mitarbeiter der Schulleitung und verletzt zwei weitere Personen schwer. 24. August 2006: Wenige Stunden nach der Trennung von seiner Freundin erschiesst ein 26-Jähriger in einer Grundschule in Essex, Vermont, in der seine Ex-Freundin arbeitet, eine Lehrerin. Zuvor hatte er bereits die Mutter seiner ehemaligen Partnerin erschossen. 27. September 2006: In der Kleinstadt Bailey bringt ein bewaffneter Mann sechs Schüler in seine Gewalt und tötet ein 16-jähriges Mädchen, bevor er sich selbst erschiesst. Der 53-Jährige hegte nach Polizeiangaben offenbar Selbstmordabsichten. 29. September 2006. Ein 15-Jähriger dringt mit zwei Waffen in die Weston Schools in der Gemeinde Cazenovia im Staat Wisconsin ein und tötet den 49-jährigen Schulleiter. Nach seiner Festnahme sagt der Jugendliche, er sei von seinen Mitschülern wiederholt gehänselt worden und habe den Eindruck gehabt, dass die Lehrer und der Direktor nichts dagegen unternommen hätten. 2. Oktober 2006: Ein 32-jähriger Mann dringt in den Unterrichtsraum der Amish-Gemeinschaft im US-Staat Pennsylvania ein, trennt die Schülerinnen von den Schülern und erschiesst fünf Mädchen und sich selbst. Mindestens fünf Personen werden verletzt.

Gibt es auch Schweizer Opfer?

BLACKSBURG – Unklar ist bis jetzt, ob unter den Opfern auch Schweizer sind. «Wir versuchen uns zu informieren», sagt EDA-Sprecher Jean Philippe Jeanneret. Die Università della Svizzera Italiana in Lugano hat ein Austauschprogramm mit der Virginia Tech University. Und die Uni Zürich schickt Lehrer zur Weiterbildung dorthin. Am 16. Juli wäre der nächste Kurs geplant gewesen.

Bush betet und verteidigt Waffen-Besitz

Eine Sprecherin des Weissen Hauses erklärte, US-Präsident George W. Bush sei entsetzt über den Amoklauf und bete für die Opfer. «Der Präsident glaubt, dass Menschen ein Recht haben, Waffen zu tragen, aber dass alle Gesetze befolgt werden müssen», sagte seine Sprecherin Dana Perino.

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