Amok-Tim: «Ankündigung» bloss ein Fake?

  • Publiziert: 12.03.2009, Aktualisiert: 02.01.2012
play Die Polizei Baden-Württemberg veröffentlichte Tims Chat-Eintrag auf ihrer Homepage. (Reuters)

WINNENDEN (D) – Die Nachricht schockierte: Tim Kretschmer habe seinen Amok-Lauf im deutschen Winnenden im Internet angekündigt. Doch jetzt gibts Behauptungen, die Drohungen seien gefälscht.

«Scheisse, Bernd, es reicht mir. Ich habe dieses Lotterleben satt, immer das selbe – alle lachen mich aus. Ich meine es ernst – ich habe Waffen hier. Ich werde morgen früh an meine frühere Schule gehen und mal so richtig gepflegt grillen.»

Dies soll Tim in der Nacht vor dem Amok einem Chat-Kollegen geschrieben haben. Schockierend. Auch, weil dieser «Bernd» damit ja nur hätte zur Polizei gehen müssen – und das furchtbare Verbrechen wäre zu verhindern gewesen!

Aber möglicherweise ist die Sache doch nicht so einfach.

Zwar: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart nannte die Netz-Adresse krautchan.net offiziell als den Chatroom, wo Tim Kretschmer diesem «Bernd» seine Drohung mitteilte.

Doch die Betreiber der Site sehen die Sache ganz anders: «Leider wird unser winziger Server mit dem momentanen Ansturm nicht fertig», ist zu lesen, wenn man auf die Seite gelangt. Und weiter noch: «Es gibt allerdings auch gar nichts zu sehen, da die deutsche Presse sich bedauerlicherweise (vermutlich nicht zum ersten Mal) von einer Fälschung hat täuschen lassen.» – «Hier wurde kein Amoklauf angekündigt, es gibt hier nur Leute, die mit Photoshop umgehen können.»

Dass damit eine Fälschung nahegelegt wird, kommt Zweiflern entgegen, die schon früh darauf hinwiesen, dass die Ankündigung der Tat per Internet ein bisschen zu gut ins Bild passte. Das berichtet «netzeitung.de».

Polizeisprecher Klaus Hinderer sagte gemäss «netzeitung.de»: «Wir sind von der Authentizität nicht vollständig überzeugt.» Der Eintrag könne echt, aber auch eine Fälschung sein. Doch er führt als Pro-Argument an, es habe sich «bei uns ein Vater gemeldet, dessen Sohn ihm von dem Chatroom-Gespräch berichtet haben soll». Dies spreche «eher für die Echtheit».

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart weist Zweifel an der Echtheit der Täter-Botschaft entschieden zurück. Laut der Polizei steht jedoch fest, dass die angebliche Ankündigung nicht auf dem Rechner des Jungen verfasst wurde. Der Täter habe seinen PC in der Nacht auf Mittwoch um Mitternacht ausgeschaltet. Es könne bislang aber noch nicht ausgeschlossen werden, dass er die Botschaft von einem anderen PC aus versandt hat. (snx)

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