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UNO-Nothilfekoordinator John Holmes sagte am Donnerstag in New York, nach den jüngsten Angaben aus der Region müsse man von diesen Zahlen ausgehen. Es sei zu befürchten, dass die Zahl der Opfer noch weiter steige. Ersten Berichten zufolge seien mindestens 500 Gebäude eingestürzt. Es gebe deshalb die Befürchtung, dass tausende Menschen noch unter den Trümmern begraben sein könnten.
«Es sieht aus, als hätte jemand eine Atombombe hinter den Bergen abgeworfen» – so beschrieb es ein Mitarbeiter des Roten Kreuzes, der das Erdbebengebiet am Donnerstag in einem Helikopter überflog.
«Leichen liegen auf dem Boden, und Menschen laufen orientierungslos herum. Es sind die schlimmsten Zerstörungen, die unsere Mitarbeiter in den vergangenen 15 Jahren in Indonesien gesehen haben», berichtete Bob McKerrow, der Delegationschef der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften in Indonesien.
Bis am Donnerstagnachmittag wurden nach Regierungsangaben mindestens 770 Todesopfern geborgen. «Unsere Voraussage ist, dass Tausende gestorben sind», sagte der Chef des Krisenzentrums im Gesundheitsministerium, Rustam Pakaya.
Verzweifelte Suche nach Verschütteten
Das gesamte Ausmass der Katastrophe war unklar, viele von dem Beben betroffene Bezirke waren für Rettungskräfte noch unerreichbar. Hunderte, vielleicht tausende wurden allein in der Grossstadt Padang unter den Trümmern befürchtet, hiess es.
Rettungsteams der Armee und des Gesundheitsministeriums waren in der Hafenstadt im Einsatz, um unter den Trümmern von eingestürzten Wohnhäusern, Schulen und Hotels nach Überlebenden zu suchen. Viele hundert Helfer gruben mit blossen Händen.
Oft fehlten Räumungsfahrzeuge, um schwere Betonbrocken zu bewegen. Der Regen erschwerte die Rettungsarbeiten zusätzlich. Am Morgen löste ein Nachbeben der Stärke 6,8 Panik aus. In Padang mussten sich Rettungsfahrzeuge mühsam einen Weg durch das Verkehrschaos und Trümmer bahnen, pausenlos ertönten die Sirenen der Krankenwagen.
Ins Spital von Padang, das zum Teil ebenfalls eingestürzt war, strömten pausenlos Verletzte. Die Behörden bauten ein Feldlazarett auf, um hunderte Verletzte zu versorgen. Aus der Hauptstadt Jakarta wurden Hilfsgüter sowie Ärzte und Krankenschwestern nach Padang geschickt.
Der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono rief die Regierung auf, die Opfer mit Hilfe von Flugzeugen und Schiffen zu versorgen, da viele Strassen nur eingeschränkt passierbar waren.
Rettungskette der Schweiz
Zahlreiche internationale Hilfswerke stellten Hilfsgüter für die Opfer der Naturkatastrophe bereit und riefen zu Spenden auf. Die EU sprach drei Millionen Euro Soforthilfe und entsandte Experten ins Katastrophengebiet. Erstmals seit sechs Jahren wurde auch die gesamte Schweizer Rettungskette mobilisiert.
Rund 120 Rettungsexperten werden am Freitag in Sumatra erwartet – darunter Mitarbeiter des VBS, Ärzte und Krankenpfleger -, wie der Chef des Schweizerischen Korps für Humanitäre Hilfe (SKH), Toni Frisch, sagte. Auch 20 Rettungshunde werden den Suchtrupps zur Seite stehen.
«Wir stehen unter grossem Zeitdruck», erklärte Frisch. Die Witterungsbedingungen in Sumatra seien jedoch relativ gut. Es habe geregnet und sei warm: «Man kann hoffen, dass auch in einigen Tagen noch Überlebende gefunden werden können». (sda)