Kopenhagen Aktivisten stürmen Klima-Konferenz

  • Publiziert: 16.12.2009, Aktualisiert: 19.01.2012

DÄNEMARK – Aktivisten haben heute den streng gesicherten Weltklimagipfel in Kopenhagen unterbrochen und das Podium gestürmt. «Klima-Gerechtigkeit jetzt!» riefen sie.

Der Mann und die Frau eroberten die Bühne in der Haupthalle des Bella-Konferenzzentrums nach einer Rede des senegalesischen Präsidenten Abdoulaye Wade. Anschliessend wurden sie von Sicherheitsleuten weggebracht.

Viele Delegierte aus Entwicklungsländern applaudierten, als die Umweltschützer ihre Botschaft ins Publikum riefen. Australiens Klima- Ministerin Penny Wong, die nach Wade auf der Rednerliste stand, kommentierte trocken, ihre Rede werde wohl «nicht so interessant wie diese Interaktion gerade eben» sein.

Für den Klimagipfel herrscht in der dänischen Hauptstadt ein enormes Sicherheitsaufgebot. Auch das Bella Center ist durch eine Art Sicherheits-Schichtsystem geschützt. Die Strassen rund um den Tagungsort und die dort liegende U-Bahn-Station waren geschlossen.

Harte Linie der Polizei

Die dänische Polizei blieb bei ihrer betont harten Linie gegen die Demonstranten und stoppte den Versuch eines «Sturms» von 1500 Demonstranten auf das Konferenzgebäude resolut. Nach Behördenangaben wurden etwa 250 Teilnehmer der Aktion festgenommen, in Fesseln gelegt und in einen Massenarrest gebracht.

Die Gesamtzahl der Festgenommenen seit Beginn der Demonstrationen zum Klimagipfel mit vergleichsweise wenig Krawallen ist damit auf über 1500 gestiegen. Die Demonstranten warfen den Sicherheitskräften Überreaktion vor: «Wir haben angekündigt, friedlich zu sein, und ihr reagiert mit Gewalt. Schämt euch», rief einer der Festgenommenen den Polizisten zu.

Polizeichef Per Larsen entgegnete: «Wir setzen Schlagstöcke nur ein, wenn wir wirklich unter Druck gesetzt werden. Wir wurden hier kräftig provoziert.»

Zu Beginn der Demonstration hatte eine kleine Gruppe als gewaltbereit eingestufter Demonstranten ausserhalb der genehmigten Hauptdemonstration versucht, den Zaun zum Bella Center zu überklettern. Sie wurden festgenommen.

Fünf Demonstranten gelang es, eine Absperrung zu überwinden und mit Luftmatratzen kurz auf einem Kanal Richtung Sperrgebiet zu paddeln. Sie liessen sich ohne Widerstand in Polizeigewahrsam nehmen.

Kein Zutritt für NGO-Vertreter

Aus dem Inneren des Tagungszentrums versuchten mehreren hundert offiziell zugelassene Gipfelteilnehmer und -beobachter, sich mit den Demonstranten vor dem Eingang zu vereinen. Sie wurden am Verlassen des Gebäudes gehindert.

Umgekehrt wurden am Mittwoch erneut tausende akkreditierte Vertreter von nichtstaatlichen Organisationen nicht in das Konferenzzentrum gelassen. Sie legten Protest ein. Auch Abgeordneten des Europaparlamentes wurde der Zutritt verweigert.

Das UNO-Klimasekretariat als Veranstalter begründete den Ausschluss mit «Überfüllung». Ursache sei der unerwartet grosse Ansturm von Regierungsvertretern, weshalb der Zugang für Vertreter nichtstaatlicher Organisationen eingeschränkt werde.

Insgesamt hatten sich für die Konferenz mehr als 40000 Menschen angemeldet. Offiziell kann das Bella Center aber nur 15000 Menschen aufnehmen. (SDA/gux)

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