Skandal am Flughafen Air Berlin lässt Rollstuhlfahrer in Moskau sitzen

MOSKAU - Eine deutsche Airline verweigerte einer Gruppe russischer Behinderter die Beförderung. Diese wollen die Fluggesellschaft nun verklagen.

  • Publiziert: 09.10.2012
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Eine Gruppe von 34 russischen Behinderten – darunter sechs Rollstuhlfahrer – wollten am vergangenen Montag mit dem Flugzeug nach Düsseldorf reisen. Doch für ein Grossteil von ihnen war schon am Flughafen Moskau-Domodedowo Endstation.

Der Pilot der Air-Berlin-Maschine erklärte den perplexen Flugästen, er könne nur zwei Personen mit eingeschränkter Mobilität an Bord nehmen - aus Sicherheitsgründen.

«Gefahr für die Flugsicherheit»

«Der Pilot hat plötzlich entschieden, dass wir zu viele sind», sagt Vladimir Krupennikov, ein Mitglied der Reisegruppe. «Er sagte, wir seien eine Gefahr für die Flugsicherheit.»

Für Krupennikov ist der Vorfall inakzeptabel. Für die «emotionale Belastung» verlangt er von Air Berlin eine Kompensationszahlung. Er will die Fluggesellschaft deshalb zusammen mit den anderen Betroffenen verklagen.

Air Berlin entschuldigt sich

Air Berlin hat sich für den Vorfall, der in Russland einen Sturm der Entrüstung ausgelöst hat, inzwischen entschuldigt. Es habe sich um ein Missverständnis gehandelt: Dem Unternehmen seien im Vorfeld des Fluges falsche Informationen über die genaue Grösse der Gruppe übermittelt worden.

Air Berlin hat der Delegation nach eigenen Angaben eine Umbuchung vorgeschlagen  und versprochen, sie umgehend und ohne zusätzliche Kosten nach Düsseldorf zu fliegen. Doch von diesem Angebot wollten die Russen keinen Gebrauch machen.

Ihre Tickets buchten sie schliesslich bei der einheimischen Fluggesellschaft Aeroflot – welche die Gruppe ohne weitere Zwischenfälle nach Düsseldorf brachte. (bau)

Beliebteste Kommentare

  • Claude  Oberholzer
    In einem Notfall Notlandung etc. muessen alle Passagiere das Flugzeug innert kuerzester Zeit verlassen koennen. Rollstuhlfahrer sind offensichtlich auf die Hilfe des Flugpersonals angewiesen. Sind nun nicht genuegend Flight Attendants an Bord, da mit 2 und nicht mit 6 Behinderten gerechnet wurde, kann eine schnelleFlugzeugevakuation ggfs. nicht garantiert werden. Somit bestand also klar eine Gefahr fuer die Flugsicherheit - aller Passagiere!
  • Regina  Stern
    Der Pilot hat völlig richtig gehandelt. Der Gipfel ist hier, dass absichtlich mit falschen Angaben gebucht wurde, wohl weil bei allen Airlines in etwa die selben Vorschriften eingehalten werden müssen: Es gibt genaue Quoten, wieviele welcherart Behinderte mitreisen dürfen bzw. wie viele Begleitpersonen diese mitführen müssen. Alles andere ist grobfahrlässig, denn die Opfer im Falle einer Evakuierung wären wohl in erster Linie unter den Behinderten auszumachen - die Ethikfrage lässt grüssen!

Alle Kommentare (9)

  • Thomas  Bertschy , 3015
    Es ist problemlos möglich und üblich, mehr als zwei Rollstuhlfahrer pro Flug zu transportieren. Auch die Air Berlin macht das aus eigener Erfahrung sehr vorbildlich und kundenfreundlich. Allerdings tragen die Betreuer der Rollstuhlfahrer dann eine Mitverantwortung, werden aber auch instruiert wie sie sich verhalten müssen. Wenn da bei der Buchung nicht mit offenen Karten gespielt wird, kanns natürlich schwierig werden. Ich denke, da sind sture Köpfe auf beiden Seiten zusammen geprallt.
  • Regina  Stern
    Der Pilot hat völlig richtig gehandelt. Der Gipfel ist hier, dass absichtlich mit falschen Angaben gebucht wurde, wohl weil bei allen Airlines in etwa die selben Vorschriften eingehalten werden müssen: Es gibt genaue Quoten, wieviele welcherart Behinderte mitreisen dürfen bzw. wie viele Begleitpersonen diese mitführen müssen. Alles andere ist grobfahrlässig, denn die Opfer im Falle einer Evakuierung wären wohl in erster Linie unter den Behinderten auszumachen - die Ethikfrage lässt grüssen!
  • werner  Müller
    Wirklich ärgerlich für die behinderten Passagiere. Aber im Sinne der Sicherheit aller Passagiere eine absolut richtige Entscheidung.
    In einem eventuellen Notfall und Flugzeugevakuierung wären noch mehr Menschenleben gefährdet.
  • Rene  Grunder , Bern
    Auch wenn es natürlich nicht schön ist, kann ich mir gut vorstellen das man nicht einfach so ohne Vorinformation mehrere Rollstuhlfahrer in einem Flugzeug mitnehmen kann. Klar fliegen die Russen, denen ist es auch mehr oder weniger egal was im Notfall passieren könnte!
  • Rero  Petitprince , Binningen
    Air Berlin: Sportgepäckbuchung per Internet, unmöglich, per Telefon 60 Minuten, Check in Basel SBB dank Airberlin - Dnata System zunächst nur ohne vor angemeldetes Sport Gepäck möglich, 60 Minuten Theater, dann ohne Bordkarte am nächsten Tag nach Zürich gereist, dort 30 Minuten gebraucht um an die Bord Karten zu kommen. 2 Wochen später auf Heimflug für identische Menge Gepäck 50 Euro extra bezahlt. Die Airline scheint zwar sicher zu sein, punkt Kundendienst und internem Informationsaustausch mit den Partnern, eine blanke Katastrophe!
    • Regina  Stern
      Wo billig drauf steht, ist billig drin, warum wollen so viele Leute das nicht verstehen?

      Die Gier nach Schnäppchen resp. der Drang, dreckbillig zu fliegen, scheint dem Denkvermögen abträglich zu sein.
      • 10.10.2012
      • als Kommentar auf Rero  Petitprince , Binningen
      • 43
      • 11
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