Zensur Ägypten verbietet Schmäh-Buch über Gaddafi

  • Publiziert: 05.02.2010, Aktualisiert: 14.01.2012

KAIRO – Gehts um Gaddafi, verstehen die Ägypter keinen Spass: Sie haben das Buch «Der Führer lässt sich die Haare schneiden» des Schriftstellers Idris Ali beschlagnahmt.

Die ägyptischen Behörden setzten das Buch von Idris Ali auf den Index und nahmen auch den Verleger des Romans, Dschumaili Ahmed Schehata in Kairo fest. Polizisten in Zivil beschlagnahmten ausserdem alle Exemplare des Romans, die auf der derzeit laufenden Kairoer Buchmesse ausgestellt waren.

Idris Ali, einer der bedeutendsten nubischen Schriftsteller der Gegenwart, lebte von 1976 bis 1980 in Libyen. In seinem neuesten Buch erzählt er freimütig von den menschlichen und sozialen Verhältnissen unter der Diktatur des libyschen Präsidenten Muammar al-Gaddafi, der sich 1969 an die Macht putschte.

Mubarak und Gaddafi verstehen sich

Mit ungewöhnlichen Auftritten und manchmal brutalem Vorgehen gegen die eigene Bevölkerung sorgt Gaddafi immer wieder für Aufsehen. In der Schweiz sorgt die Affäre Gaddafi seit über eineinhalb Jahren für Schlagzeilen.

Das offizielle Ägypten pflegt jedoch ein herzliches Verhältnis zum nordafrikanischen Nachbarn. Der ägyptische Präsident Husni Mubarak stattete erst Mitte der Woche Gaddafi im libyschen Sirte einen Besuch ab.

Menschenrechtsbeobachter sehen einen Zusammenhang zwischen der Visite und den Zensurmassnahmen. Denn «Der Führer lässt sich die Haare schneiden» erschien vor vier Monaten in Ägypten, ohne dass sich die Behörden damals darum gekümmert hätten.

Kritik ist tabu

Während die Zensur von Kunst, Literatur und Medien in Ägypten milder ist als in Libyen, werden auch im Nilland immer wieder unbequeme Autoren und Publizisten eingesperrt oder gemassregelt. Tabu sind vor allem Kritik an Mubarak, an befreundeten Regimen und an der Religion sowie die Sexualität.

Idris Ali befasste sich in seinen bisherigen Romanen und Erzählungen – darunter «Unter der Armutsgrenze» – mit dem Schicksal der Nubier, die sich in Ägypten diskriminiert fühlen. (SDA)

play Kritik an ihm ist in Ägypten tabu: Muammar Gaddafi. (Reuters)

Top 3

1 Teufelskerl! Mann springt aus 731 Metern Höhe – ohne Fallschirmbullet
2 Auf Sardinien Schweizer (46) stürzt in den Todbullet
3 Private Firma kauft 14 Kampfjets «Wie Top-Gun, nur besser und globaler»bullet

Ausland