Adria- statt Balkan-Route? In Albanien warten schon die Schlepper

Über die Balkanstaaten gibt es kaum noch ein Durchkommen. Bald könnten es die Flüchtlinge über Italien und Albanien versuchen. Dabei werden Erinnerungen an eine Route aus den Neunzigerjahren wach.

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Die Balkanroute ist faktisch dicht. In Griechenland gibt es für die Flüchtlinge im Moment kein Durchkommen. Sollte das so bleiben, dürften sich die Migranten bald neue Routen nach Mitteleuropa suchen.

Die Schlepperbanden haben dies bereits erkannt und bieten Alternativen an: wie die italienische Zeitung «La Republica» berichtet, wird ein «Reisepaket Italien» angeboten.

Die Zeitung beruft sich auf italienische Ermittler, die mitverfolgt haben, wie die Menschenhändler auf Facebook und in Whatsapp-Gruppen eine solche Reise anbieten. Kostenpunkt: 6000 bis 7000 Euro.

Turbo-Gummiboote von Drogenschmugglern

Dabei werden die Flüchtlinge mit Bussen von Griechenland an die Ostküste Albaniens gebracht, wo sie von einem Strand bei Vloraaus in Gummiboten nach Italien übersetzen. Dort ist die Adria gerade mal 50 Seemeilen breit – rund 90 Kilometer.

Die Meer-Enge von Otranto werde auch von Drogen- und Zigarettenschmugglern benutzt, berichtet die Aargauer Zeitung unter Berufung auf einen Anti-Mafia-Staatsanwalt. Diese benutzten schnelle Gummiboote, die auf dem Radar kaum sichtbar sind. Sie könnten ihr Geschäft auch auf den Menschenschmuggel ausweiten.

Die Ausweichroute wird noch nicht benutzt, bestätigen die italienischen und albanischen Behörden. Jedoch hätten einige hundert syrische, afghanische und irakische Flüchtlinge versucht, über einen von fünf griechisch-albanischen Grenzübergängen zu gelangen. Man habe sie zurück nach Griechenland geschickt.

Das «Fachkräfte»-Bild stammt von dieser Route

Dieser schrottreife Frachter machte sich im März 1991 vom kommunistischen Albanien auf den Weg nach Italien – mit 20'000 Flüchtlingen an Bord. play
20'000 Flüchtlinge aus Albanien kommen im August 1991 in Bari an. Keystone

Es werden Erinnerungen an ein Flüchtlingsdrama in den Neunzigerjahren wach: Damals flüchteten zehntausende Albaner vor dem kommunistischen Regime über diese Meer-Enge.

20'000 von ihnen befanden sich auf dem schrottreifen Frachter «Vlora», der am 8. August 1991 im Hafen von Bari einlief. Das Bild brannte sich schon damals in das kollektive Gedächtnis Italiens und Europas ein – und machte kürzlich wieder in den sozialen Medien die Runden.

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Dieses Bild geisterte kürzlich durch die sozialen Medien.

Unter anderem SVP-Politiker Christoph Mörgeli verbreitete das Bild auf seiner Facebook-Seite. Es wurde in Anlehnung an die aktuelle Krise mit folgender Überschrift versehen: «Die Fachkräfte kommen». Mörgelis Facebook-Profil wurde darauf kurzzeitig gesperrt.

Ironie der Geschichte: Rechte Politiker brachten damals grosses Verständnis für die Flüchtlinge vor dem Kommunismus auf. Man nannte es «abstimmen mit den Füssen», ein klares Urteil über das Scheitern des real existierenden Sozialismus. (rey)

in Griechenland Publiziert am 08.03.2016 | Aktualisiert am 08.03.2016
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3 Kommentare
  • Pierre  Glöckli , via Facebook 08.03.2016
    Und nach Italien kommt dann die Schweiz auf dieser Route. Gute Nacht!
  • Daniel  Evans 08.03.2016
    Jetzt wäre es an allen Schengenländern Albanien zu helfen!
    Notfalls mittels schweren, militärischen Kräften.
    Griechenland hat Europa bereits verraten und macht nichts gegen die Invasion der syrischen Streitkräfte!
  • Thomas  Zürcher 08.03.2016
    Eigentlich sollte man die Ursachen bekämpfen.So lange der Krieg in Syrien andauert werden die Flüchtlingsströme gegen Westen nicht abbrechen.Gemeinsames koordiniertes Handeln aller Länder ist jetzt gefragt.Die Zeiten sind endgültig vorbei der Willkommenskultur,des Durchwinkens und der offenen Türen.Europa MUSS Stärke zeigen schliesslich geht es um unsere Zukunft.