UBS-Betrüger: «Es ist unfair» Adoboli bricht vor Gericht in Tränen aus

Kweku Adoboli (32) soll 2,3 Milliarden Dollar der UBS verzockt haben. Heute sagte er erstmals vor Gericht aus. Der Ex-UBS-Banker plädiert auf nicht schuldig.

  • Publiziert: 26.10.2012

Kweku Adoboli tritt in den Zeugenstand im Geschworenengericht des Londoner Southwark Crown Court. Er wird zu seinem Vater, einem ehemaligen Uno-Diplomaten aus Ghana, seiner Kindheit und seinem Ex-Chef Mike Foster befragt, berichtet die englische Zeitung «The Guardian».

Adoboli sagt, da sein Vater oft weggewesen sei in seiner Kindheit, habe er schon früh Verantwortung übernehmen müssen. Als bekannt wird, dass sein Vater im Gerichtssaal anwesend ist, bricht Adoboli zusammen und weint minutenlang. Er kann nicht mehr weitersprechen. Ihm wird ein Taschentuch und ein Glas Wasser gereicht - erst dann kann er weitermachen.

Er äussert sich erstmals zu den Vorwürfen gegen ihn: «Es ist unfair zu behaupten, meine frühere Tätigkeit in einer Abwicklungsabteilung der UBS-Investmentbank habe mir das Computerwissen und die Fähigkeit zum Betrug vermittelt.»

Adoboli weist Betrugsvorwürfe zurück. Handelsgeschäfte, die er ausserhalb des offiziellen Buchungssystems der Bank laufen liess, habe er nur zum Besten seines Arbeitgebers getätigt. Der Ex-UBS-Banker plädiert deshalb auf nicht schuldig.

Adoboli soll Milliarden verzockt haben

Adoboli hatte bei UBS zuletzt mit börsennotierten Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETF) gehandelt. Er wurde im September des vergangenen Jahres festgenommen.

Nach Ansicht der Ankläger verzockte er zulasten der Bank 2,3 Mrd. Dollar. Unerlaubte Transaktionen soll er mit Hilfe fiktiver Konten im Computersystem der Bank verschleiert haben. Er plädiert auf nicht schuldig.

Adoboli sagte weiter, er sei ausdrücklich aufgefordert worden, seine Kenntnisse von der «Interaktion verschiedener Systeme» in seine Arbeit einzubringen, sagte er auf eine Frage seines Verteidigers.

Kollegen und UBS-Mitarbeiter bereits verhört

In den sechs Wochen seit Prozessbeginn waren ehemalige Kollegen und solche UBS-Mitarbeitern als Zeugen gehört worden, die für die interne Überwachung und Kontrolle zuständig waren.

Die Verteidigung war bestrebt nachzuweisen, dass Adoboli mit der stillschweigenden Duldung seiner Vorgesetzten handelte. Zudem seien die internen Kontrollen zu lax gewesen und die Systeme hätten nicht immer richtig funktioniert. 

Die Staatsanwälte wollen die Geschworenen dagegen davon überzeugen, dass Adoboli ein Zocker war, der aus Ehrgeiz und weil er auf hohe Erfolgsprämien scharf war, unerlaubt Risiken einging und eine «Betrugspyramide» aufbaute. (kab/SDA)

Beliebteste Kommentare

  • Albi  Wyss , Pratteln
    Das ist halt, wenn die Grossbanken solchen Bubis derartige Vollmachten erteilen.
  • Philipp  Rittermann
    mein mitleid = 0.

Alle Kommentare (17)

  • Adrian  Teuscher , via Facebook
    Der ist doch wie die Manager, erst lassen sie sich die Verantwortung teuer bezahlen, nehmen diese aber im schlimmsten Fall nie wahr und sind sowieso alle Unschuldig!
    • 27.10.2012
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  • gregor  gautschi , 7000
    Ganz klar das die Intern bescheid wussten.
    Er ist ein Opfer dieser Geselschaft / Weltwirtschaft !
    Ich denke man ist noch schnell in einer solchen Situation,wenn die Wirtschaft denn Bach hinunter geht.Der sollte kein tag in Haft,da braucht es etwas anderes.
    • Susanne  Reich
      Hat ihn jemand gezwungen mitzumachen? Was würde Ihrer Meinung nach denn dieser Mann brauchen und von wem? Wenn die Gesellschaft so negativ ist, wie Sie schreiben, woher soll das Positive denn kommen? Wir alle sind die Gesellschaft und verantwortlich für unser Handeln. Herr Adoboli hat die negativen Auswüchse der heutigen Gesellschaft unterstützt und zuerst mal sicher nicht schlecht profitiert...
      • 26.10.2012
      • als Kommentar auf gregor  gautschi , 7000
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  • Manfred  Wild
    In Tränen allerdings vor Freude ist er sicher auch ausgebrochen als er bei der UBS seine monatliche Lohnabrechnung erhalten hat.
  • Küde  Meier
    Wäre die Boni-Verlockung nicht so gross, wäre die Risikobereitschaft vermutlich auch geringer! Hoffentlich werden alle involvierten Parteien zur Rechenschaft gezogen.
    • Domenico  Mariani , Buriram
      Ihre Hoffnungen werden jaeh enttaeuscht. N.iemand von den oberen Verantwortlichen werden belangt. Der Bankenfilz funktioniert zu gut
      • 27.10.2012
      • als Kommentar auf Küde  Meier
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  • ursula  deflorin
    Bis heute kann ich nicht glauben dass Abodoli der Alleinunschuldige in dieser Sache war. da gab es sicher noch Hintermänner und ich frage mich wer davon alles gewusst hat. Bestimmt war er nicht allein.
    Und warum wurde alles so schlecht überwacht?
    • Peter  Müller
      Ich kann mir gut vorstellen, dass er der Alleinschuldige ist. Die Ausstrahlung, die Hautfarbe und die Klamotten sagen eigentlich nichts aus. Falls es aber doch noch Hintermänner gab, die gegen die Regeln verstossen haben, dann müssen auch sie bestraft werden. Die Regeln sind da, um eingehalten zu werden.
      • 26.10.2012
      • als Kommentar auf ursula  deflorin
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