Abwarten und Tee trinken?

PEKING – Jetzt haben die Proteste von Tibetern gegen China auch die chinesische Hauptstadt erreicht. Davon lässt sich Ministerpräsident Wen Jiabao aber bestimmt nicht beeindrucken.

  • Publiziert: 18.03.2008, Aktualisiert: 13.01.2012
play Ministerpräsident Wen Jiabao: Alles wegen der «Clique des Dalai Lama». (AP)

Tibetische Studenten versammelten sich gestern Abend auf dem Campus der Minderheiten- Universität zu einem stillen Protest.

Die Studenten hätten eine «Mahnwache mit Kerzen» abgehalten, berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua. Zusammenstösse mit der Polizei habe es keine gegeben. Die Studenten seien von Professoren überzeugt worden, für die Nacht in ihre Wohnheime zurückzukehren.

Derweil verteidigte Ministerpräsident Wen Jiabao auf einer Pressekonferenz zum Abschluss des chinesischen Volkskongresses die Niederschlagung der Proteste. Und er machte er den im Exil lebenden geistlichen Führer der Tibeter, den Dalai Lama, für die Unruhen der vergangenen Tage verantwortlich: «Es gibt genug Tatsachen und reichlich Belege, dass dieser Vorfall von der Clique des Dalai Lama organisiert, vorsätzlich geplant, gesteuert und angestachelt wurde», sagte der chinesische Regierungschef.

Dies entlarve auch die Beteuerungen des Dalai Lama als Lüge, er strebe einen friedlichen Dialog an und keine Unabhängigkeit. Den Vorwurf, China begehe in Tibet möglicherweise einen «kulturellen Völkermord», wies Wen als «nichts als Lügen» zurück.

Erstmals weitere Demonstrationen bestätigt
Erstmals bestätigte Wen ein Übergreifen der Unruhen in Tibet auf andere Teile des Landes. Die gegen China gerichteten Demonstrationen hatten in Lhasa begonnen und sich dann auf andere Regionen im Nordwesten Chinas ausgeweitet, in denen viele Exil- Tibeter leben, sagte er.

Anti-chinesische Proteste waren aus den Provinzen Sichuan, Gansu und Qinghai gemeldet worden. Menschenrechtsgruppen hatten unter Berufung auf Augenzeugen berichtet, dass Soldaten am Sonntag das Feuer auf Demonstranten in der Stadt Ngawa in Sichuan eröffneten und mindestens acht Menschen töteten.

Bei den blutigen Protesten in Lhasa und anderen Teilen Chinas starben nach Angaben des Exilparlaments der Tibeter hundert oder sogar mehrere hundert Menschen. Die chinesische Regierung sprach von 13 Toten. (SDA/gux)

Frist verstrichen

In der Nacht auf heute verstrich eine Frist der Regierung in Peking an die Teilnehmer der Proteste, sich den Behörden zu stellen. Aus Lhasa gab es zunächst keine Informationen über Aktionen der Sicherheitskräfte nach dem Ende des Ultimatums.

Noch kein Boykott angemeldet

Trotz der Entwicklung in Tibet hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat nach eigenen Angaben bislang keinen Aufruf eines Landes zu einem Boykott der Sommerspiele in Peking erhalten. Auch «aus der Welt des Sports» habe es keinerlei Rufe nach einem Boykott gegeben, sagte IOC-Präsident Jacques Rogge.

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