Abgeordneten-Haus lässt Banken-Rettung platzen

  • Publiziert: 30.09.2008, Aktualisiert: 02.01.2012

WASHINGTON – Das US-Abgeordnetenhaus hat den Rettungsplan der Regierung für den Finanzsektor abgelehnt.

Der mühsam ausgehandelte Kompromiss über den Rettungsplan für die US-Finanzbranche ist gescheitert. Das Abgeordnetenhaus lehnte das 700 Milliarden Dollar schwere Paket gestern ab. 228 Abgeordnete stimmten nach dreistündiger Debatte gegen das Hilfspaket, nur 205 Abgeordnete votierten dafür. Vor allem Republikaner, die staatliche Eingriffe grundsätzlich ablehnen, votierten gegen das Programm.

Die Aktienkurse an der Wall Street reagierten mit einem dramatischen Absturz von zwischenzeitlich mehr als fünf Prozent (siehe Box rechts).

Grosse Verunsicherung

Präsident Bush reagierte nach Angaben eines Sprechers mit «grosser Enttäuschung» auf die Niederlage. Er wolle bereits in Kürze mit seinen engsten Beratern zusammentreffen, um weitere Schritte zu beraten.

Ziel des Programms war es, den praktisch eingefrorenen Kreditfluss wieder in Gang zu setzen und weitere Turbulenzen auf den Finanzmärkten zu verhindern. Experten hatten immer wieder gewarnt, falls Washington nicht ein klares Zeichen setze, drohten Panik und weltweite Kettenreaktionen auf den Märkten.

Ein erster Entwurf der Regierung war bereits am Donnerstag auf Ablehnung gestossen. Bush hatte noch kurz vor der Abstimmung eindringlich dazu aufgerufen, dem am Wochenende von Spitzenpolitikern ausgehandelten Plan zuzustimmen.

Warnungen

Auch zahlreiche Abgeordnete hatten eindringlich vor einem Scheitern des Gesetzes gewarnt. «Wenn wir dieses Gesetz nicht verabschieden, wäre dies ein sehr schlechter Tag für den Finanzsektor und die amerikanische Wirtschaft», sagte der demokratische Abgeordnete Barney Frank.

Doch vor allem Republikaner hatten grundsätztliche Bedenken, staatliche Hilfen für Privatfirmen seien «sozialistisch und unamerikanisch», hiess es mehrfach. Nach Medienberichten war ungefähr die Hälfte der 199 republikanischen Abgeordneten grundsätzlich gegen staatliche Eingriffe in den Privatsektor.

Wie der Sprecher des Weissen Hauses, Tony Fratto, sagte, griffen Bush und Vizepräsident Richard Cheney noch kurz vor der Abstimmung persönlich zum Telefon, um Zweifler zu einer Zustimmung zu bewegen.

Umfassendes Paket

Präsident Bush kann das Gesetz erst unterzeichnen, wenn beide Häuser grünes Licht gegeben haben. Ursprünglich hätte der Senat am Mittwoch abstimmen sollen. Führende Vertreter des Abgeordnetenhauses und Senats hatten den 110-seitigen Gesetzentwurf nach einem dramatischen einwöchigen Tauziehen am Sonntag bekanntgegeben.

Kernstück war der von der Regierung geforderte 700-Milliarden- Dollar-Fonds, mit dessen Hilfe angeschlagenen Finanzhäusern faule Hypotheken-Kredite und darauf basierende Wertpapiere abgekauft werden sollten. Das sollte die Banken massiv entlasten und ihnen wieder Luft verschaffen.

Deutlich präzisiert

Im Zuge der Verhandlungen im Kongress war der ursprünglich nur dreiseitige Entwurf des Finanzministeriums deutlich präzisiert, ergänzt und mit Auflagen verknüpft worden. So hatten Republikaner und Demokraten etwa eine striktere Aufsicht über die Verwendung der Gelder gefordert.

In das Programm wurden ferner bessere Schutzvorkehrungen für die Steuerzahler, Erleichterungen für bedrängte Hausbesitzer und Einkommensbegrenzungen für Topmanager aufgenommen. (SDA/hhs)

Der Rettungsplan ist geplatzt: Machen Sie sich Sorgen vor Auswirkungen in der Schweiz?

Kongress-Entscheid zieht Asien-Börsen runter

WASHINGTON – Die Ablehnung des Rettungspakets für die Finanzbranche hat die Börsen in Asien auf eine rasante Talfahrt geschickt. Der Tokioter Leitindex verzeichnete heute zu Handelsbeginn einen Verlust von 4,4 Prozent und notierte auf dem tiefsten Stand seit drei Jahren. Die japanische Zentralbank pumpte deshalb bereits zum wiederholten Mal umgerechnet 13 Milliarden Euro in den Markt, um für Stabilität zu sorgen. In Südkorea eröffnete der Aktienmarkt mit einem Minus von 5,5 Prozent. Auch in Lateinamerika brachen die Kurse so stark wie seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr ein. (SDA)

Panik an den amerikanischen Börsen

Nach der Ablehnung des Bankenrettungspakets durch das US-Repräsentantenhaus ist an den Börsen in den USA und Lateinamerika Panik ausgebrochen. Der Dow- Jones-Index fiel zeitweise um mehr als 700 Punkte. Das ist das grösste Minus nach Punkten innerhalb eines Tages. Der Technologie-Index Nasdaq gab in der Spitze rund sieben Prozent ab. Noch dramatischer fiel der Kurszerfall an der brasilianischen Börse in São Paulo aus. Nachdem der Leitindex Bovespa um mehr als zehn Prozent abgesackt war, wurde der Handel kurz vor 15 Uhr Ortszeit (20.00 MESZ) ausgesetzt. Der so genannte Circuit Breaker wird in der südamerikanischen Wirtschaftsmetropole bei einer Veränderung von mehr als zehn Prozent automatisch benutzt, um die Marktteilnehmer zu beruhigen. Um 15.30 Ortszeit wurde der Handel wiederaufgenommen.

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