90-Jährige schiesst wegen Hypo-Pleite

  • Aktualisiert am 03.01.2012

AKRON (USA) – Als die Polizisten klingeln, um sie aus dem Haus zu werfen, setzt sich Addie Polk (90) die Pistole auf die Brust – und drückt ab. Doch die Story nimmt ein Happy-End.

Polk hat in ihrem Leben schon einiges durchgemacht, sogar die Weltwirtschaftskrise nach dem Börsencrash von 1929. Doch auf ihre alten Tage hin gelangte die 90-Jährige aus Akron im US-Bundesstaat Ohio auf den absoluten Tiefpunkt: Wie für tausende andere Hausbesitzer in den USA bedeutete die Immobilienkrise auch für sie ein persönliches Drama.

Seit dem Tod ihres Mannes vor 13 Jahren war Polk die alleinige Besitzerin ihres Hauses und nahm mehrmals neue Hypotheken für dieses auf. Doch letztes Jahr konnte sie die Raten nicht mehr zahlen – und ihr Heim ging in die Hände der Hypothekenbank Countrywide Home Loans über.

Kein Mitleid

Bei einer Versteigerung im Juni sicherte sich schliesslich Fannie Mae für 28000 Dollar die Rechte am Grundstück. Die Bank, die mitten im Trudel der Finanzkrise steckt, hatte kein Mitleid mit der Rentnerin und wollte sie auf die Strasse stellen. Am letzten Mittwoch klingelten Polizeibeamte an ihrer Tür und sollten sie mitnehmen.

Doch da hörten sie aus dem oberen Stock einen Schuss. Nur über ihre Leiche wollte Polk ihr Heim, in dem sie seit 1970 wohnte, aufgeben – und schoss sich in die Brust. Ihr langjähriger Nachbar Robert Dillon kletterte durch ihr Fenster und fand die Verzweifelte in einer Blutlache auf dem Bett, wie der «Telegraph» berichtet.

Der Krankenwagen brachte sie ins Spital – und tatsächlich konnten die Ärzte ihr Leben retten. Ins Altersheim muss sie nun doch nicht: Vertreter von Fannie Mae haben angekündigt, dass die Bank der Seniorin alle Schulden erlässt. «Angesichts der Umstände denken wir, dass das angemessen ist», erklärte Fannie-Mae-Sprecher Brian Faith.

Fannie Mae am Pranger

Zu den besonderen Umständen von Polks Geschichte gehörte nämlich auch, dass Dennis Kucinich am Freitag im Repräsentanten-Haus von ihrem Schicksal berichtete und damit Fannie Mae öffentlich an den Pranger stellte. Der Abgeordnete aus Ohio war einer der wenigen Demokraten, die am Freitag gegen das 700-Milliarden-Dollar-Rettungspaket für die US-Banken stimmten.

Sobald sie sich von ihrer Verletzung erholt hat, darf die Seniorin zurück in ihre eigenen vier Wände. Dass sie diesen Moment fast nicht mehr erlebt hätte, betrachtet Addie Polk im Nachhinein als Fehler: «Jetzt, wo sie Zeit gehabt hat darüber nachzudenken, sagt sie, dass ihre Aktion verrückt gewesen sei», berichtet Nachbar Dillon, der die alte Dame im Spital besucht hat. (hhs)

Top 3

1 Sirene der Concordia «Ja, ich bin in Kommandant Schettino verliebt»bullet
2 Schweizer gab ihm Geld für die Flucht Ich verdanke Lorenzo V. mein Lebenbullet
3 Zeugen des Fussball-Dramas berichten «Die Polizei hat gar nichts...bullet

Ausland