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Klubsessel, Bar, Dusche: Für die aufgemotzte Boeing wurde in Genf ein Käufer gesucht. Beim US-Geheimdienst CIA stand die Maschine als Folter-Flugzeug im Einsatz. (Copyright Blick)
Inmitten von Geschäftsflugzeugen jeder Grösse steht sie auf dem Flughafen Genf: die Boeing 737 mit dem US-Kennzeichen N720MM. Eines der gediegensten und teuersten Flugzeuge an der Ebace 2008, der grössten Messe in Europa für Businessjets, die gestern zu Ende ging.
Weniger gediegen ist die Vergangenheit des Jets. BLICK-Recherchen zeigen: Der Jet wurde vom US-Geheimdienst CIA für «Renditions» gebraucht. Für die Entführung von Terrorverdächtigen in Geheimgefängnisse oder nach Guantánamo.
Am 23. Dezember 2003 stand die Boeing schon einmal hier am Genfer Flughafen. Damals trug sie noch das Kennzeichen N313P und eine andere Bemalung. Besitzer war nicht wie heute die MGM Mirage des Casino-Tycoons Kirk Kerkorian aus Las Vegas. Sondern die CIA-Tarnfirma Premier Executive Transport Services aus Massachusetts.
Wenig später, am 24. Januar 2004, landete der Folterjet in Skopje, Mazedonien. An Bord genommen wurde der deutsche Staatsbürger Khaled el Masri, den vermummte CIA-Agenten am Vorabend auf der Strasse geschnappt hatten. Sie hatten ihn ausgezogen, betäubt, in Windeln und Overall gesteckt. Der Flug ging nach Afghanistan ins berüchtigte CIA-Verhörcenter «Salt Pit». Dort wurde der Deutsche nach eigenen Angaben gefoltert und verhört. Bis im Mai 2004, da flog man den Unschuldigen nach Albanien und setzte ihn in abgelegenem Gebiet aus. Denn die CIA hatte gemerkt, dass sie den Falschen entführte hatte.
Dass der Jet jetzt wieder in Genf stand, hat einen einfachen Grund: «Er steht zum Verkauf», sagt eine Boeing-Mitarbeiterin. Für 83 Millionen Dollar sei er zu haben.
Gerne würde BLICK der Leserschaft Bilder vom Interieur zeigen, das letztes Jahr völlig überholt wurde. Doch angeblich auf Weisung von MGM war Fotografieren im Innern verboten. Warum, blieb offen. Ob der Jet nicht weiterhin der CIA gehört, wäre auch eine Frage.
Immerhin, eine Besichtigung wurde erlaubt. Das Innere ist chic, in Brauntönen gehalten. Es gibt eine Küche, einen grossen Salon mit Bar, Sofas, Klubsesseln für 17 Passagiere. Zudem zwei Schlafzimmer und ein Badezimmer mit Dusche. Auf Diskussionen darüber, wie es hier vorher aussah, liessen sich die Boeing-Leute nicht ein.
Zumindest ein Detail zeigt noch, dass der Jet kein gewöhnlicher ist: die eingebaute, herabklappbare Treppe. So was ist nicht Usus bei solchen Jets. Aber praktisch, wenn man autonom, schnell und unauffällig agieren will, wie die CIA das nun mal tut.