75-Seiten-Handbuch fürs Volk So bereitet sich Litauen auf die Putin-Invasion vor

Bereits zum dritten Mal veröffentlicht Litauens Regierung eine Anleitung: Was tun, wenn die Russen kommen? Fanden sich in alten Versionen witzige Illustrationen, gibt es heute nichts mehr zu lachen.

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Seit Russland vor zwei Jahren die Krim-Halbinsel einverleibt hat, schläft man in Litauen schlecht. Erinnerungen an dunkle Zeiten werden wach, als der baltische Staat unter der Fuchtel der Sowjetunion stand. An das Schicksal der Widerstandskämpfer, die im Krieg ihr Leben verloren haben und den Zehntausenden, die sich unter Stalin in Straflagern in Sibirien zu Tode schufteten.

Um gegen eine russische Invasion gewappnet zu sein, hat das litauische Verteidigungsministerium gestern eine Anleitung für den Fall der Fälle veröffentlicht. Im 75-seitigen Dokument, das sich an die drei Millionen Litauer richtet, heisst es: «Russland zögert nicht, das Militär gegen seine Nachbarländer einzusetzen». 30'000 Exemplare werden in Schulen und Bibliotheken aufgelegt, zudem ist es online verfügbar.

Es ist bereits das dritte derartige Schriftstück, das die Regierung seit der russischen Annexion der ehemals ukrainischen Krim-Halbinsel im Jahr 2014 veröffentlicht – aber mit Abstand das ernsthafteste. Die letzten Ausgabe vom vergangenen Dezember, in der eine Cartoon-Familie mit einer Katze als Vorbild diente, trug den Untertitel «ein heiterer Ansatz für ernste Empfehlungen».

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Wie erkenne ich russische Panzer?

Von dieser Leichtigkeit ist in der aktuellen Version nichts mehr zu finden. Statt Katzen gibt es Bilder von russischen Panzern, Granaten, Minen und Schusswaffen sowie eine Anleitung, wie man sie am besten erkennt. Dazu gibt es Erste-Hilfe-Infos und Tipps, wie man in der Wildnis überlebt. Ebenfalls wird detailliert beschrieben, wie die Litauer den Gegner ausspionieren sollten, sollte es ihm gelingen, einen Teil des Landes zu besetzen.

Auch hat die litauische Regierung eine Telefon-Hotline ins Leben gerufen, bei der man Personen anschwärzen kann, die man als russische Spione verdächtigt. «Jeder unserer Bürger kann Ziel von Spionage werden», sagt Sicherheits-Minister Darius Jauniskis zu BBC.

Die Anleitung dürfte nicht nur zur Vorbereitung auf den Ernstfall dienen, sondern ebenso der «geistigen Landesverteidigung». In einem Abschnitt heisst es: «Es ist wichtig, dass Zivilisten den Willen zum Widerstand haben. Wenn dieses Element stark ist, hat es ein Aggressor schwer, die Bedingungen für eine Militär-Invasion zu schaffen.»

Die Front eines neuen Kalten Krieges

Dass die Russen damit auch abgeschreckt werden sollen, daraus machen Regierungsvertreter keinen Hehl. «Wir senden eine Nachricht nach Russland: Macht es nicht. Wir sind bereit und lassen uns nicht so einfach reinlegen wie die Ukrainer», sagt Karolis Aleska, der Verantwortliche für das Dokument, zu CNN.

Litauen grenzt an die russische Enklave Kalingrad. play
Litauen grenzt an die russische Enklave Kalingrad. Google Maps

 

Litauen grenzt an die russische Enklave Kalingrad und gilt als Front einer möglichen neuen Welle des Kalten Krieges. Russland verstärkt seine Militärpräsenz im strategisch wichtigen Gebiet laufend aus. Diesen Monat wurde etwa ein atom-fähiges Kurzstreckenraketen-System in Kalingrad stationiert.

Die Nato rüstet deshalb in den baltischen Staaten sowie Polen massiv auf – für 2017 plant das Militärbündnis weitere militärische Verstärkungen. Gerade diese Woche wurde bekannt, dass Deutschland nicht nur mehrere Hundert Soldaten, sondern auch Panzer des Typs Leopard 2 nach Litauen verlegt. 

Derweil kühlen die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen weiter ab: Am Freitag flog Russland überraschend aus dem Uno-Menschenrechtsrat. Das Land erhielt an der Abstimmung in New York nicht genügend Stimmen. (rey)

Publiziert am 29.10.2016 | Aktualisiert am 30.10.2016
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35 Kommentare
  • Bernd  Büttner aus Hirschaid
    31.10.2016
    @Herr Valentino,
    der Wahlzettel zur Abstimmung auf der Krim hatte nur zwei Optionen: gleich zu Russland oder erst in die Unabhängigkeit und danach zu Russland.
    Der russische Menschenrechtsrat hat die Wahlfälschung auf der Krim bestätigt. Danach betrug die Wahlbeteiligung zwischen 30 und 50 Prozent, wovon 50 bis 60 Prozent für den Anschluss an die Russische Föderation gestimmt haben. Wie gesagt, es gab auf dem Wahlzettel keine Option bei der Ukraine zu bleiben.
  • Charles  Metzger 30.10.2016
    Und wo bleibt das helvetische Handbuch gegen Übernahme von EU- Richtlinien und EU- Paradigmen sowie das Handbuch gegen ideolgische und religiöse Infiltration fremder Ethnien?
  • Silvio  Valentino aus Winterthur
    30.10.2016
    @Bernd  Büttner: Ja, man muss wieder Angst haben vor Deutschland, "Parlamentsarmee" hin oder her. Längst sind deutsche Soldaten wieder in Kriegseinsätzen auf der ganzen Welt verwickelt, auch wenn ihr sie "friedenssichernd" nennt. Die Befehle kommen ja nicht von deutschen Institutionen, das sind nur die Erfüllungsgehilfen. Und in einem hat Putin bestimmt recht mit seiner Aussage: "Die NATO würde gerne Krieg mit Russland bis zum letzten finnischen Soldaten führen" . Oder halt deutschen ... .

    • Bernd  Büttner aus Hirschaid
      30.10.2016
      @Silvio Valentino: Ich stimme ja bei den Auslandseinsätzen mit Ihnen überein. Ich hätte auch keine deutschen Soldaten nach Afghanistan geschickt. In den anderen angesprochenen Themen habe ich aber ein grundlegend anderes Verständnis.
      Wir sind heute in Deutschland und in Europa nicht die Erfüllungsgehilfen für irgendjemanden. Wenn das so wäre, dann wäre TTIP befohlen worden, was es aber nicht ist.
    • Bernd  Büttner aus Hirschaid
      30.10.2016
      @Silvio Valentino: Auch zur NATO habe ich ein anderes Verständnis. Die NATO, das sind wir: Norweger, Holländer, Deutsche, Polen, Franzosen, Portugiesen usw. Und in Deutschland oder den anderen Ländern hat niemand ein Interesse daran mit Russland (oder der Schweiz) einen Krieg zu führen. Warum auch? Was sollte denn das Ziel eines Krieges sein? Die Zeiten haben sich doch grundlegend geändert. Russland und seine Oligarchen verkaufen uns ihre Rohstoffe auch so. Und die Schweiz Nescafe oder Nesquik.
  • Marcel  Wipf , via Facebook 30.10.2016
    Sie haben Angst vor den Russen, merken aber nicht dass die USA sie schon erobert haben.
    • Bernd  Büttner aus Hirschaid
      30.10.2016
      Herr Wipf,
      nachdem die DDR schon bald vergessen ist, kann man am Beispiel Koreas den Zusammenhang am besten zeigen.
      Meine These: “Lieber von Amerika ausgebeutet, als von Russland unterstützt”. Die armen Südkoreaner müssen Autos, Fernseher und Kühlschränke für die ganze Welt bauen, aber nach allen Maßstäben kann man im Süden Koreas besser leben als im Norden.
      Auch wir leben gut mit dem Zustand.
  • Martin  Baumann 30.10.2016
    Kein Wunder, nach der sehr einseitigen Berichterstattung in gewissen Medien einer Anti-Russischen Propagandaschlacht die seinesgleichen sucht, ist es nicht weiter verwunderlich, dass gewisse Länder sich vor einer russichen Invasion fürchten und eine gewisse Realitätsverzerrung entwickelt haben. Niemand braucht sich zu fürchten vor Russland. Russland weiss was Krieg bedeutet, es hatte am meisten Opfer zu beklagen im zweiten Weltkrieg.