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Der Aufbau Haitis nach dem verheerenden Erdbeben wird nach Einschätzung der Regierung mindestens fünf bis zehn Jahre dauern. Das Volk sei ausgeblutet, gemartert und ruiniert, sagte Ministerpräsident Jean-Max Bellerive an einer Konferenz im kanadischen Montréal.
Allerdings blieb unklar, wie viel Geld die Staatengemeinschaft für den Wiederaufbau Haitis aufbringen will. Das Treffen der Aussenminister und Repräsentanten von etwa 20 Staaten und Organisationen ging am Montag ohne verbindliche Zusagen zu Ende. Summen wurden nicht genannt.
Die notwendigen Mittel werden auf bis zu 15 Milliarden Dollar geschätzt. Vereinbart wurde, dass die grosse Geberkonferenz für Haiti im März bei der UNO in New York stattfindet. Auf Antrag Brasiliens wird sich zudem der UNO-Menschenrechtsrat am Mittwoch mit der Lage in Haiti befassen.
Unterdessen wurden Pläne der haitianischen Regierung bekannt, das weitgehend zerstörte Zentrum von Port-au-Prince für einige Zeit abzuriegeln. Während dieser Zeit sollten Ruinen und Schutt beseitigt und neue Gebäude errichtet werden.
WFP fordert mehr Hilfe
Die Zahl der Todesopfer stieg unterdessen auf über 150000. Die haitianische Regierung, von der die Zahlen stammen, befürchtet aber, dass die tatsächliche Zahl der Toten um vieles höher liegt.
Weitere Nachbeben
Am Dienstag erschütterten zwei weitere Nachbeben die Karibikinsel. Laut Berichten eines AFP-Reporters schreckten die Menschen heute Morgen gegen fünf Uhr früh (Ortszeit) aus dem Schlaf auf, als ein neuer Erdstoss die Erde beben liess. Gut eine Stunde später gab es laut dem US-Erdbebenzentrum ein weiteres Beben. Dieses hatte den Angaben zufolge die Stärke 4,4.
Seit dem verheerenden Erdbeben der Stärke 7,0 vor zwei Wochen gab es in Haiti mehr als 50 Nachbeben.
Kritik an internationaler Hilfe
In den vergangenen Tagen waren die Hilfseinsätze in Haiti wiederholt kritisiert worden. Der Chef des italienischen Zivilschutzes, Guido Bertolaso, beklagte am Sonntag mangelnde Abstimmung. Die renommierte britische Medizin-Zeitschrift «The Lancet» hatte am Freitag gewarnt, ausländische Helfer lieferten sich in Haiti einen schädlichen Wettbewerb um Einfluss.
In Anspielung auf die Entsendung von 20000 US-Soldaten nach Haiti kritisierte das linksgerichtete lateinamerikanische Staatenbündnis Alba die «übermässige Präsenz ausländischer Truppen» im verarmten Karibikstaat. (SDA)