120 Frauen pro Baracke: Das droht Pussy Riot im Straflager

MOSKAU - Schuldig! Das Urteil gegen die drei Punk-Aktivistinnen von Pussy Riot ist gefallen. Die jungen Frauen werden für je zwei Jahre ins Straflager gesperrt.

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Der Schauprozess gegen die drei Aktivistinnen von Pussy Riot ging mit Getöse zu Ende: Die Musikerinnen wurden zu je 2 Jahren Haft im Straflager verurteilt. Und vor dem Gericht wurden 30 Anhänger der drei Frauen verhaftet. Hunderte Menschen protestierten gegen den Schauprozess in Moskau.

Nadeschda Tolokonnikowa, Maria Aljochina und Jekaterina Samuzewitsch müssen für ihre Protestaktion ins Straflager. Und das bedeutet: Nur ein Telefonat pro Monat, zehn Besuche pro Jahr, Langeweile und prekäre Platzverhältnisse. In einer Baracke werden bis zu 120 Mörderinnen untergebracht.

Zudem werden alle Frauen, unabhängig von der Schwere ihrer Straftat, in die gleiche Art Lager gesteckt. Die Polit-Aktivistinnen müssten ihre Zelle möglicherweise  mit Mörderinnen teilen.

Bloss ein einziges Telefonat pro Monat

Ein Mal pro Monat dürfen die Frauen telefonieren. Das Gespräch darf maximal 15 Minuten dauern. Untergebracht sind die Frauen in den meisten Fällen in Baracken mit 100 bis 120 Mitgefangenen.

Der Tag beginnt mit dem Aufstehen um 6 Uhr, anschliessend müssen sie sich draussen zum Durchzählen versammeln. Nur wenn die Temperaturen unter minus 30 Grad fallen, findet die Zählung drinnen statt.

Normalerweise dürfen die Frauen pro Jahr sechs kurze Besuche (bis zu vier Stunden) erhalten sowie vier lange Besuche (bis zu drei Tage).

Verstossen die Frauen gegen die Gefängnisregeln, müssen sie für drei Monate in Isolationshaft. Sie dürfen nur einmal pro Tag für anderthalb Stunden nach draussen und keine Telefongespräche führen oder Besuche empfangen. Gründe für diese Art von Haft sind etwa der Konsum von Alkohol und Drogen, Ungehorsam oder Beleidigung von Gefängnisbeamten.

Nähen für 30 Franken pro Monat

Weniger als die Hälfte der Frauen geht im Lager einer Arbeit nach. Wer arbeitet, kann umgerechnet zwischen 30 und 60 Franken im Monat verdienen. Die Arbeit besteht in der Regel darin, Uniformen für die Gefängnisverwaltung, die Armee oder das Innenministerium zu nähen.

Dies schildert die Mitarbeiterin der Moskauer Nichtregierungsorganisation Gefängnis und Freiheit, Jelena Gordejewa auf ihrer Homepage.

Von insgesamt 727'000 Häftlingen sitzen in den 46 Straflagern in Russland derzeit rund 59'000 Frauen ein. Frauen aus Moskau werden nicht zwangsläufig in Lagern nahe der Hauptstadt inhaftiert, sondern können sich hunderte Kilometer entfernt wiederfinden.

Die Pussy-Riot- Sängerinnen könnten dann weit weg von ihren Familien und Kindern festgehalten werden. (SDA/dra)

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Beliebteste Kommentare

  • Peter  Aebi , Mumpf , via Facebook
    Putin zeigt langsam sein wahres Gesicht. Eine Extemstrafe für eine Pagatelle. Solche gepflogenheiten wurden in der Regel bei Diktatoren ausgeübt. Die Zeit wird zeigen, was für ein Mensch Putin ist. Ich bete für die Pussy Riots. Sie hatten unter grossem Risiko der Welt das Putin Regime geoffenbart.
  • Kofmel  Peter , via Facebook
    Dieser Putin und seine Gefolgschaft sollten sich mal Schâmen. Den Sie gehôren ins Gefângniss nach den Betrugswahlen.Mann oh mann was sind das fûr Lânder und Regierungen?

Alle Kommentare (6)

  • Urs  Berner
    Putin kommt wegen seiner schlechten Reputation nicht darum herum die drei Frauen zu beganadigen!
    • 18.08.2012
    • 11
    • 8
  • Heinz  Muenger
    Ich finde das Strafmass stark übertrieben, die haben ja mit ihrem "Blödsinn" niemanden umgebracht oder körperlich verletzt.
    Nur frage ich mich, ob solche "Protest"-Songs zu ihrer Aufgabe gehören, oder sie doch viel besser sich als "Musikerinnen" mit guten Songs profilieren und befassen sollten?
    Es gibt einfach immer wieder Menschen, die müssen sich "um jeden Preis" mit den Unmöglichsten und unbrauchbarsten Dingen das Leben schwer machen und sich damit nur Ärger einhandeln..., ja, es heisst doch immer so schön, wie man/frau sich die Suppe einbrockt, muss man/frau sie auch auslöffeln... Alles könnte anders und problemloser sein...!
  • Rolf  Hess , Münchenbuchsee
    Neuerdings werden dann in diesen Gefängnissen Maulkörbe für das protestierende Volk geflochten. Welch arme Nation, die ihre Kritiker mundtot machen muss. Der Herr wird dereinst wohl auch ein Mausoleum bekommen. Der öffentliche Aufruf, auf fremdem Boden, des Herrn Präsidenten, die Frauen doch nicht so hart zu bestrafen hat er wohl nach seiner Rückkehr ins sichere Land wieder dementieren lassen.
  • Klaus  Müller
    Die Mehrheit der Russen unterstützt dieses Urteil. Immerhin handelt es sich nicht um einen öffentlichen Protest, sondern um den Missbrauch der höchsten Kirche der russischen Orthodoxie vergleichbar mit dem Petersdom.
    Das schreiben die Medien natürlich nicht. Probieren sie doch einmal Vergleichbares in einem ägyptischen muslimischen Gotteshaus. Es ist eben pure Heuchelei, was da in den westlichen Medien propagiert wird.
  • Peter  Aebi , Mumpf , via Facebook
    Putin zeigt langsam sein wahres Gesicht. Eine Extemstrafe für eine Pagatelle. Solche gepflogenheiten wurden in der Regel bei Diktatoren ausgeübt. Die Zeit wird zeigen, was für ein Mensch Putin ist. Ich bete für die Pussy Riots. Sie hatten unter grossem Risiko der Welt das Putin Regime geoffenbart.
    • Adrian  Teuscher , via Facebook
      Was heisst langsam sein Gesicht. Wenn ein Präsident für 3 Jahre in den Hintergrund tritt um danach für eine weitere Amtszeit zu Präsidieren was ja sonst nicht möglich wäre ist doch von Hause aus ein Gauner!
      • 17.08.2012
      • als Kommentar auf Peter  Aebi , Mumpf
      • 65
      • 14
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