100 Tage Obama – seine Tops und Flops

  • Publiziert: 29.04.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Antonia Sell

WASHINGTON – Seinen Worten lässt er Taten folgen: 100 Tage ist Barack Obama im Amt. Zeit für eine erste Bilanz.



Barack Obama verkörpert den amerikanischen Traum. 1961 wird er als Sohn eines Kenianers und einer US-Amerikanerin auf Hawaii geboren. Die Eltern heiraten zu einer Zeit, in der in anderen Teilen der USA die Ehe zwischen Schwarzen und Weissen noch verboten ist. Nach der Scheidung seiner Eltern wächst der junge Obama bei den Grosseltern auf Hawaii auf. 1992 heiratet er seine Michelle in Chicago, wo sie beide in einer Anwaltskanzlei arbeiten.

«Yes we can»

Am 4. November 2008 ist es dann soweit. Aus dem kleinen Jungen von den pazifischen Inseln wird der mächtigste Mann der Welt. Barack Obama ist Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Der Demokrat Obama setzt sich mit 52,9 Prozent der Stimmen gegen seinen republikanischen Widersacher McCain durch. Die Wahlbeteiligung erreicht mit 61,6 Prozent den höchsten Stand seit 40 Jahren.

Nun sind 100 Tage seit seinem Amtsantritt vergangen. Mit 514 Wahlversprechen, der Hoffnung auf Veränderung und dem Weg aus der Krise hat der charismatische Rhetoriker die Wahl gewonnen. Nun stellt sich die Frage, was hat er bis jetzt erreicht?

Bis Ende April konnte Obama 90 der 514 Wahlversprechen erfüllen oder auf den richtigen Weg bringen. Sechs hat er bereits gebrochen. 413 Versprechen hat er noch gar nicht angepackt, so das «Obameter» auf der Website «politifakt.com».

Eine Bilanz über 100 Tage Obama sollen seine wichtigsten Entscheidungen, seine Positionen und Richtungen aufzeigen.



Unterm Strich betrachtet, ist es keine Meisterleistung, die Barack Obama in den ersten 100 Tagen seiner Legislaturperiode verbracht hat. Aber Wunder sind in der momentanen Situation auch nicht zu erwarten, dafür sind die Probleme viel zu komplex. Gemäss einer Umfrage der Polit-Website «realclearpolitics.com» sind 61,8 Prozent der US-Bürger mit der «Politik des Wandels» von Barack Obama zufrieden. Für 32,3 Prozent hat er seine Wahlversprechen nicht hinreichend erfüllt.

Zuversicht: Obamas stärkste Waffe

Die grosse Stärke des brillianten Rhetorikers Barack Obama ist seine Überzeugungsgabe. Er macht Politik greifbar und bringt sie den Menschen ins Wohnzimmer. Er gibt ihnen Hoffnung und ein Gefühl der Sicherheit in einer Welt, in der Chaos vorherrscht. Dazu pflegt er sein Image als Sympathieträger und liebender Ehemann und Familienvater. Seine First Lady ist charismatisch, stilsicher und offenherzig. Er hat zwei süsse Kinder und einen Hund – das kommt an.

Auch im Ausland ist der immer ruhig und bedacht wirkende Politiker ein Hit. In seinem Kabinett herrscht Harmonie und der Chef steht für Entspannung und Abrüstung. Seine Botschaft vom bescheidenen Amerika, «ich bin gekommen, um zuzuhören», klingt – gerade nach der Bush-Ära – wie Musik in unseren Ohren.

play 22. Januar 2009, Washington. Symbolträchtig: Obama sitzt unter einem Bild von Abraham Lincoln. (Keystone)

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