Österreichischer Psychokrieg beeindruckt Olympiasieger nicht Ammann lacht: «Ich springe weiterhin so»

  • Publiziert: 19.02.2010, Aktualisiert: 10.02.2012
  • Von Hans-Peter Hildbrand, Whistler

WHISTLER - Der Psychokrieg des österreichischen Skiverbandes (ÖSV) gegen Simon Ammann lässt die Schweizer kalt.

«Die drehen seit Wochen durch», sagt der Schweizer Cheftrainer Martin Künzle zum Psycho-Krieg der Österreicher. «Sie schaden so nur ihren eigenen Athleten.» Was die Resultatblätter zeigen. Die Adler sind nur noch ein Haufen verstörter Hühner. ÖSV-Direktor Toni Innauer – ein ehemaliger Weltklassespringer – ist der Drahtzieher. Es ärgert ihn masslos, dass sein Team der technischen Entwicklung hinterher fliegt.

Jetzt setzt er Simon Ammann ein Ultimatum. «Ammann bekommt die Chance, sich eines Protests zu entziehen, indem er auf das alte Material auf der Grossschanze umsteigt.» Genau das wird Simon Ammann nicht tun. «Der gebogene Bindungsstab ist keine neue Bindung», erklärt Martin Künzle. «Es ist eine Optimierung. Und die müssen wir nicht anmelden.»

Unterstützung erhält er vom FIS-Materialkontrolleur Sepp Gratzer, im zivilen Beruf österreichischer Zollbeamter: «Die Bindung ist reglementsgemäss – sonst hätten wir sie schon längst verboten.» Bei der Mannschaftsführer-Sitzung versucht ÖSV-Trainer Alexander Pointner ein Verbot durchzusetzen – und scheitert. Den «Sockenhalter» von Innauer nehmen die anderen Trainer längst nicht mehr ernst.

Er plappert nur seinem Chef nach. Wie: «Es gibt dazu keine wissenschaftlichen Untersuchungen. Aber die Empirie sagt, dass mit der neuen Bindung durchaus mehrere Meter drinliegen können.» Simon Ammann schwört auf die Bindung: «Wir haben sie mit der Firma Medartis weiterentwickelt. Ihre Techniker haben unsere Inputs sofort verstanden und perfekt umgesetzt.»

Medartis ist ein führendes Hightech-Unternehmen in der Medizinaltechnik. Die Firma gehört der Schweizer Wirtschaftsgrösse Thomas Straumann. Sein Grossvater Reinhard (Erfinder der Windkanal-Tests) und Vater Fritz (Erfinder der Kugelstöcke) waren Pioniere im Skisport. Thomas Straumann offeriert den Schweizer Skispringern jedes Jahr rund 75000 Franken für die Windkanal-Versuche in Emmen.

«Es ist eine Art Hommage an meinen Grossvater und meinen Vater», erklärt der VR-Präsident von Medartis. Jetzt hat Straumann auch noch die rund 100 000 Entwicklungskosten für Simis optimierte Bindung aus der eigenen Schatulle bezahlt.

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