Ausgespritzt! Am Dienstag um 11 Uhr wirft Rihs das Handtuch

  • Publiziert: 12.08.2006, Aktualisiert: 11.02.2012
  • Von Marcel Siegenthaler

Doping ist schuld, dass es ab nächster Saison kein grosses Schweizer Pro-Tour-Radteam mehr geben wird. Am Dienstag wirft Andy Rihs (63) das Handtuch.

Es war alles so schön geplant: Nach sieben Jahren im Profiradsport zieht sich der Schweizer Hörgeräte-Hersteller Phonak von Andy Rihs aus dem Radsport zurück. Ab nächster Saison wird er durch das US-Finanzunternehmen iShares ersetzt. Das Team bleibt in der Schweiz und wird weiterhin von der «Andy Rihs Cycling AG» mit Rihs an der Spitze geleitet.

Alle waren begeistert, als der 30-jährige Amerikaner Floyd Landis am 23. Juli die Tour de France gewann – ein Abschiedsgeschenk für Phonak, ein Eintrittsbonus für iShares und eine Genugtuung für Andy Rihs. In Paris wurde in der Nacht auf den 24. Juli mit 300 ausgesuchten Gästen eine rauschende Party gefeiert.

Eddy Merckx bedauert das Ende des Teams
In der Woche darauf der neuerliche Doping-Schock: Auch der Tour-Sieger 2006 ist ein Betrüger! Jetzt hat Rihs endgültig die Nase voll von Testosteron, Epo, Eigen- und Fremdblut. Nachdem Ende 2004 sein damaliges Aushängeschild Tyler Hamilton (USA) als Doper aufgeflogen war, hatte sich der Unternehmer aus Stäfa ZH noch zum Weitermachen durchgerungen. Jetzt aber ist Schluss!

Das weiss auch Eddy Merckx (61). Dessen Sohn Axel (34) muss wie rund 60 weitere Angestellte der «AR Cycling AG» einen neuen Job suchen. Das lebende Rad-Denkmal aus Belgien berichtete Ende letzter Woche seinen Freunden mit Bedauern vom Ende des einzigen Schweizer ProTour-Teams.

Rihs hat seine Ferien in Frankreich nicht geniessen können. Krampfhaft hat er einen Nachfolger gesucht, um das Team und die Jobs der Angestellten zu retten. Auch mit dem mächtigen US-Verbandspräsidenten Jim Ochowicz (früher Chef der grossen Profiteams 7-Eleven und Motorola) ist er in Kontakt getreten.

Ochowicz hat abgewunken – und alle anderen potenziellen Rihs-Nachfolger auch. In der Zwischenzeit zierte sich auch iShares. Ist dem Finanzunternehmen die Lust auf den Profiradsport vergangen?

Phonak-Profis suchen schon neue Teams
Am Dienstag um 11 Uhr wird Rihs in Opfikon ZH das Ende des Teams bekannt geben müssen. Liebend gerne hätte er stattdessen einen Nachfolger präsentiert. Doch jetzt ist – ein Wunder in den nächsten 48 Stunden einmal ausgeschlossen – endgültig ausgespritzt. Das wissen auch Steve Morabito (23) und Michael Schär (19). Die beiden Schweizer Profis haben bereits beim spanischen Astana-Team angeklopft. Für die meisten der bisherigen Schweizer Phonak-Fahrer dürfte es schwierig werden, einen neuen Arbeitgeber zu finden.

Mauro Gianetti (42), früher selbst Radprofi und heute Generalmanager des spanischen Teams Saunier Duval: «Wenn Andy Rihs jetzt tatsächlich aussteigt und keinen Nachfolger findet, ist das für den Schweizer Radsport extrem schade.»

Kann Gianetti dem einen oder andern Schweizer einen Job anbieten? Nein, denn: «Mein Team ist für 2007 praktisch komplett und der Schweizer Markt für unsere Sponsoren nicht besonders interessant.»

Velotour in Südfrankreich
Gerade weil Andy Rihs weiss, wie schwierig das berufliche Umfeld für die bald arbeitslosen
Angestellten seiner «AR Cycling AG» ist, hat er so verbissen einen Nachfolger gesucht. Gefunden hat er in den letzten Tagen nichts als Absagen.

Spätestens am Wochenende scheint Rihs die Erfolglosigkeit seines Unterfangens eingesehen zu haben. Unter der Sonne Südfrankreichs ging der passionierte Velofahrer seinem Hobby nach.

In zwei Tagen steht ihm ein bedeutend schwererer Gang bevor: In Opfikon muss Rihs das Aus für das einzige Schweizer Pro-Tour-Team verkünden.

play Andy Rihs gibt auf – weil Landis bei seinem Tour-Husarenritt gedopt war. (RDB)

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