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Himmelheilanddonner, dä isch zäh wiene More!», flucht Gölä (39). Immer wieder wuchtet er seine Spitzhacke mit voller Kraft in den lehmigen Boden. Ohne grosse Wirkung. «Da drunter ist alles voll Beton, Schiissdräck». Er versorgt sein Werkzeug, greift zum Abbruchhammer. Jetzt erfüllt Höllenlärm den Keller. Betonbrocken lösen sich.
Gölä steht im Untergeschoss seines Hauses hoch über dem Thunersee. Die Luft ist voll Staub, es riecht feucht und muffig. Dreck überall. In einer Ecke liegt ein Häufchen Kohle – ein Überbleibsel aus einer anderen Zeit. Nur die vielen Werkzeuge sind peinlichst genau aufgeräumt. Gölä baut den Keller zu einer Wohnung aus. «Darum muss der feuchte Boden hier raus.»
«Für ein Blubberbad in den Teich sitzen und furzen.»
Wie lange dauert es noch, bis die Wohnung fertig ist? «Keine Ahnung, das geht Stück für Stück. Es pressiert ja nicht.» Auch neben dem Haus gibt es viel zu tun: Ein Riesenloch klafft in der Erde. Für einen Pool? «Nein, einen Teich. Fürs Schwimmen gibts ja den See. Und wenn ich so ein Blubberbad will, kann ich dann einfach in den Teich sitzen und furzen.»
Zufrieden blickt er sich um. Es ist ein schönes Haus, mit Aussicht auf die Berge und den See. Gölä zuckt die Schultern. «Es war halt das, was erschwinglich war. Könnte von mir aus ruhig noch ein bisschen weiter weg von den Menschen sein.» Warum eigentlich? «Das hatte ich schon immer. Schon vor Gölä. Schon als Junger. Am besten gefällt es mir in der Wüste.»
«Schlecht ist der Fischer – leer bleibt der Bauch.»
Die Wüste ist weit weg. Gölä lebt wieder da, wo er aufgewachsen ist: im Berner Oberland. Aber immerhin gibt es da noch den See. Und Gölä hat ein Boot. Unterdessen hat er seine Büezer-Kleider abgelegt und erzählt: «Ich bin aufgewachsen mit Fischen – wir haben viel rausgezogen aus den Bächen und Flüssen. War schon als Junger immer fasziniert vom Wasser. Es war ja auch nichts anderes los.»
Sohn Lenny (4) steht vor der Tür und macht ein trauriges Gesicht: Papi fährt ohne ihn zum Fischen. Der tröstet seinen «Pfupfi» liebevoll und verspricht, dass sie bald wieder gemeinsam zum See gehen. Gölä verstaut das Anglermaterial in seinem Pickup. Im Auto liegt viel Kinderspielzeug. Es riecht nach Hund.
Los gehts zum Hafen. Lenny winkt. Papi winkt zurück. «Mit dem Kleinen gehe ich auch manchmal fischen. Aber vom Steg aus. Sonst reisst der sich mit dem Haken noch die Ohren ab, wenn wir vom kleinen Böötli aus fischen.»
Im Auto spricht Gölä über Kinder. «Die Menschheit ist zwar am Durchdrehen. Aber die Kinder sind alle herzig und lieb. Es kommt einzig auf die Erziehung an. Keiner kommt als Saugoof auf die Welt.»
Am Hafen schaukeln gut hundert Boote an den Stegen. Plötzlich bleibt Gölä stehen, zeigt ins Wasser: «Seht ihr diesen Hecht?»
Tatsächlich: Keine drei Meter vom Ufer entfernt ruht ein 60-Zentimeter-Hecht. Regungslos. Gölä packt die Angelrute aus, befestigt einen Köder. Er zündet sich eine Brunette an. Gekonnt lässt er den Silberlöffel weit vom Fisch ins Wasser plumpsen, dann zieht er den Köder einen halben Meter am Maul vorbei. Der Hecht macht keinen Wank.
«Der Hecht ist echt, aber er ist schlecht», reimt Gölä. «Seht ihr den Pilz am Kopf?» Und wirklich: Das Tier hat seltsame weisse Flecken an Kopf und Rücken. Trotzdem versucht Gölä noch ein paar andere Köder. Der Fisch bleibt unbeeindruckt. «Schlecht ist der Fischer auch: Leer bleibt sein Bauch!»
Er lässt den kranken Hecht gut sein und geht zu seinem Boot. «Wart ihr schon mal auf DJ Bobos Jacht? Nein? Phänomenal. DJ Bobo ist ein Supertyp. Bei dem ist halt einfach alles 20 Mal grösser als bei mir», sagt Gölä zufrieden lachend.
«Meine Frau lacht, weil ich fast nie Fische heimbringe.»
Er macht das Boot startklar, lässt den Motor an, dann tuckert Gölä langsam aus dem Hafen, eine Hand am Steuerrad, in der anderen eine Brunette.
Draussen auf dem See stellt er den Motor ab. Es wird still. Gölä präpariert eine Rute mit einem Köder, wirft aus, lässt die Angelschnur bis auf den Grund sinken. «Der See ist über 70 Meter tief hier». Langsam holt er die Angelschnur ein. Dann wiederholt er den Vorgang.
Ein Gerät neben dem Steuerrad piepst. «Mein Fishfinder», erklärt Gölä. «Jetzt soll es Fische in 50 Meter Tiefe haben. Stimmt sowieso nicht. Das Gerät ist uralt. Ich habe langsam das Gefühl, es zeigt an, wo es keine Fische hat. Jedenfalls fange ich fast nie etwas.»
Warum geht er dann fischen? «Meine Frau lacht auch immer, weil ich fast nie einen Fisch heimbringe. Aber darum gehts gar nicht. Es ist doch einfach etwas Schönes.»
Minuten, Viertelstunden verstreichen. Fischlose Viertelstunden. Gölä packt eine Thermosflasche aus, schenkt Kaffee aus. Einen Kaffee, der einen fast rückwärts über Bord haut nach dem ersten Schluck. Gölä sagt: «Gäu dä isch guet? Meine Freundin weiss schon, wie ich ihn gern habe!»
Er trinkt, grinst, bläst den Rauch durch die Nase aus, schaut über das Wasser, auf die Berge. «Allein hier draussen hast du deine Ruhe. Am Wochenende musst du flüchten. Touristen am Ufer. Deutsche, Holländer, alles. Das hältst du als Einheimischer fast nicht aus. Und hier? So gemütlich.»
Mehr Zeit verstreicht. Der Angelzapfen bleibt gerade. «Wegen mir werden die Tierschützer nicht hässig», sagt Gölä. Und drei Sekunden später: «Ich mach mir dann zu Hause eine schöne Büchse Thon auf».
Das Boot tuckert zum Hafen zurück. Gölä sagt: «Das war ein typischer Fischertag in meinem Leben. Einisch mehr nichts.» Dann fügt er an: «Ich bin schon in meinem letzten Leben als Fischer verhungert.»