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Blick: Melanie Winiger, man sagt, Sie drehen im neuen Schweizer Film «Sinestesia» ganz viele Sex-Szenen.
Melanie Winiger (lacht) Das habe ich auch gehört. Aber es geht in diesem Film nicht um Sex.
Sondern?
Die Geschichte handelt von einer grossen Liebe. Das Problem: Er ist verheiratet, ich spiele die Geliebte. Ein Schicksalsschlag verändert alles für alle beteiligten Figuren. Drei Jahre später erfährt man detailliert, wie sich das Leben der Hauptdarsteller verändert hat.
Das klingt ziemlich trocken.
Überhaupt nicht! Das ist sehr spannend – die Geschichte wird aus den verschiedenen Blickwinkeln der Hauptfiguren erzählt, in stilistisch verschiedenen Episoden. Mal humoristisch, mal tragisch, mal thrillermässig – bei diesem Film ist alles dabei.
Alles ausser Sex?
(Lacht) Man muss das ja nicht unbedingt bildlich darstellen. Und man kann sich auch aus Liebe verlieben, nicht wegen Sex. Das mit dem Sex ist doch eh seltsam in der Gesellschaft.
Inwiefern?
Alle machen ein Riesentheater um Sex, dabei ist es die normalste Sache der Welt. Gleichzeitig ist Sex immer noch ein riesiges Tabu.
Angeblich sei unsere Gesellschaft aber «übersexualisiert».
Ja. Aber obwohl Sex überall ist, wird falsch kommuniziert und aufgeklärt, finde ich. Sex gehört doch zu zwei Menschen, die sich lieben, ist also etwas Schönes. Doch heute denken bei Sex viele gleich an Porno, weil Porno so extrem verbreitet ist. Das hat mit Liebe sehr viel weniger zu tun.
Das Wort «Sex» fällt schnell, wenn Sie eine neue Rolle spielen. Fühlen Sie sich deswegen beleidigt oder diskriminiert?
Nein, man schüttelt einfach den Kopf. Regisseur Erik (Bernasconi) und ich, wir mussten diesmal einfach lachen. Er hat mich ja eindeutig nicht für Sexszenen gecastet, sondern als Schauspielerin.
Sie spielen eine Frau, die einen verheirateten Mann liebt. Wie stehen Sie zu dieser Rolle?
Ich muss ehrlich sagen, dass ich anfangs Mühe hatte, mich damit anzufreunden. Aber ich bin nicht einer der Menschen, die Dinge tabuisieren. Man kann, finde ich, diese Thematik nicht grundsätzlich mit «finde ich richtig» oder «finde ich falsch» beurteilen, es kommt auf die konkrete Situation an.
Für den Betrogenen ist es keine schöne Sache.
Ja. Aber ganz ehrlich: Würde ich zum Beispiel herausfinden, dass mein Mann mich betrogen hat, müsste ich mich auch fragen, warum er das getan hat. Ich denke, auch ich hätte dann etwas dazu beigesteuert, das geschieht ja kaum einfach von selbst.
Ausser, er wäre ein Tubel, und Sie hätten das nie gemerkt.
(Lacht) Quatsch. Ich stelle eher allgemein fest, dass die Leute zu wenig für ihre eigene Beziehung kämpfen. Sich verlieben, untreu werden, so was kommt in einer Beziehung nur dann in Frage, wenn sich jemand in seinem Leben in eine andere Richtung entwickelt hat, ohne dass genug kommuniziert, genug geredet wurde.
Kommunikation ist das Wichtigste?
Für mich ist es das A und O, dass man der beste Freund des Partners ist und bleibt. Immer über alles spricht, am Ball bleibt. Das ist auch die Grundlage für gegenseitiges Vertrauen.
Ist es also gar nicht so einfach für Sie, die Geliebte eines Verheirateten zu spielen?
Dass der Mann verheiratet ist, spielt im Film keine zentrale Rolle. Und Liebe ist für mich nicht schwierig – ich bin auch nach über vier Jahren noch sehr, sehr verliebt in meinen Mann. Alles andere – das Verlassen- und Betrogenwerden, das hat man ja leider alles auch schon erlebt. In einen Verheirateten habe ich mich privat aber noch nie verliebt.
Ihr Mann Stress ist auf Tour, Sie auf dem Filmset: Sehen Sie sich da überhaupt noch?
Im Moment sehen wir uns schon nicht so oft. Aber wir wussten, worauf wir uns einliessen, und leiden überhaupt nicht unter unseren Berufen. Wenn wir zusammen sind, sind wir dafür umso mehr füreinander da.